Reto Siegrist will es nochmals wissen. Schon bei den letzten Wahlen vor dreieinhalb Jahren trat der Dietiker CVP-Politiker an, um Stadtrat zu werden. Obwohl er zuvor noch kein politisches Amt innegehabt hatte, war er schon länger als möglicher Kandidat gehandelt worden. Entsprechend wurden ihm beste Wahlchancen eingeräumt – vor allem, weil er als Ur-Dietiker, der sich schon in diversen Vereinen und Funktionen engagiert hatte, in der Stadt bestens bekannt war. Zudem brachte Siegrist als Direktionsmitglied der Zürcher Kantonalbank auch Führungserfahrung mit.

Trotzdem schaffte er den Sprung in den Stadtrat 2014 nicht. Stattdessen eroberte die SVP mit Roger Bachmann einen dritten Stadtratssitz, während die CVP nach dem Rücktritt von Johannes Felber erstmals seit dem Jahr 1930 auf einen ihrer zwei Stadtratssitze verzichten musste. Siegrist hatte zwar, wie auch Lucas Neff (Grüne), das Absolute Mehr erreicht, schied aber als überzählig aus. Dafür wurde er in den Gemeinderat gewählt, wo er sich seither als fleissiger Verfasser von Vorstössen hervorgetan hat. Doch eigentlich war immer der Stadtrat das Ziel, wie Siegrist am Donnerstagabend bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur sagte: «Ich trat 2014 an, um Stadtrat zu werden. Die vier Jahre im Gemeinderat möchte ich nicht missen, aber noch geeigneter wäre ich als Exekutivpolitiker.»

Sanfte Kritik am Stadtrat

Auf seine Chancen angesprochen, reagiert Siegrist ausweichend: Er wolle nicht von Chancen sprechen, sagt Siegrist, sondern davon, was Dietikon verpasse, wenn er nicht Stadtrat werde. Der 57-Jährige verweist auf die 25 Jahre Führungserfahrung, die er mitbringe: «Damit Dietikon prosperieren kann, braucht es im Stadtrat starke, führungserfahrene Persönlichkeiten», sagt er. Er sei überzeugt, dass sein Rucksack gut zum Stadtrat passen würde.

Mit dessen Arbeit war er in den letzten vier Jahren aber nicht nur zufrieden, wie er sagt: «Gewissen Themen könnte man noch deutlich mehr Nachdruck verleihen.» Er sei kein Typ, der erkläre, wieso etwas nicht gehe, sagt Siegrist. Er frage, was nötig sei, damit es gehe.
Sollte er gewählt werden, würde er als Stadtrat seine Energie darauf verwenden, Dietikon noch lebenswerter zu machen, sagt Siegrist. Dabei sei vor allem wichtig, welche Möglichkeiten eine Stadt biete, wie sie verkehrstechnisch erschlossen sei und welche Aktivitäten sie im Angebot habe.

Siegrists Parteikollege Rolf Schaeren stellt sich am 4. März 2018 ebenfalls zur Wahl – bereits zum vierten Mal. Schaeren ist seit 2006 im Dietiker Stadtrat für die Finanzen verantwortlich. Damit hatte er in den letzten Jahren oft eine besonders herausfordernde Aufgabe – nicht nur, weil ihn der Kampf für einen gerechteren Finanzausgleich nach wie vor auf Trab hält. Trotzdem sei er noch nicht müde, sagte der 60-Jährige am Donnerstagabend. Zwar seien die letzten Jahre tatsächlich oft schwierig gewesen. Aber Dietikon sei finanziell nun auf einem guten Weg, und diesen wolle er weitergehen. «Das Amt macht mir immer noch Freude», so Schaeren. Es laufe viel und er wolle die diversen Projekte gerne weiterführen – nicht nur im Stadtrat, sondern beispielsweise auch als Vizepräsident des Spitals Limmattal.

In den nächsten vier Jahren wolle er weiterhin eine verantwortungsvolle Finanzpolitik betreiben, sagt Schaeren, der als stellvertretender Direktor und Dozent für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschaft FHNW tätig ist. Das Ziel sei aber ganz klar auch, den Steuerfuss von aktuell 129 Prozent wieder senken zu können: «Mein Wunsch wäre eine schrittweise Reduktion zurück auf 124 Prozent.»

Heinz Illi entscheidet im September

Mit den CVP-Kandidaturen dürfte der Stadtratswahlkampf in Dietikon nun langsam an Fahrt aufnehmen. Bereits bekannt ist, dass Otto Müller (FDP), seit 1998 im Stadtrat und seit 2006 Stadtpräsident, nicht mehr antritt. Auch Schulpräsident Jean-Pierre Balbiani (SVP) hat nach zwölf Jahren genug gesehen. Wieder am Start sind Infrastrukturvorstand Roger Brunner (SVP) und Sozialvorstand Roger Bachmann, der zudem als Stadtpräsident kandidiert. Noch unklar ist, ob Heinz Illi (EVP) wieder antritt.

Der Sicherheitsvorsteher, der seit 2006 im Stadtrat sitzt, sagte am Freitag auf Anfrage, der Entscheid werde voraussichtlich in der zweiten Septemberhälfte fallen. Ob Hochbauvorsteherin Esther Tonini (SP) nochmals antritt, wird ihre Partei nächste Woche mitteilen.