Singen macht glücklich, davon sind viele Leute überzeugt. Trotzdem können sich einige nicht dazu entscheiden, einem Chor beizutreten. Oft hindert sie der Glaube, dass sie dazu ein besonderes musikalisches Talent benötigen. Stimmt nicht, würde Liliane Huber-Müller sagen. Die Sängerin und Chorleiterin aus Dietikon hat die einfache Devise, dass ein wenig Training der Stimmbänder meist Wunder bewirken kann. In ihrem Kurs «Chorsingen für Unmusikalische», der im Rahmen der Volkshochschule Dietikon stattfindet, verwandelt sie scheue Anfänger in vollwertige Chormitglieder.

Klingt gut, dachten sich wohl viele, denn immer mehr Leute treffen am Freitagabend gegen acht in einem Saal des Dietiker Pfarreihaus St. Josef ein. Über 25 Singwillige zählt die Gruppe, die vorwiegend aus Frauen besteht. Kurzfristig musste Liliane Huber-Müller den Kurs in einen grösseren Raum verlegen; warum wird bald klar. Zumindest die Vorbereitung zum Singen beansprucht weit mehr als bloss die Stimmbänder. Lockernde Tonschleifen werden mit Armgesten begleitet, während die Teilnehmer im Kreis laufen: Liliane Huber-Müller beginnt an der Basis.

Das Programm der ersten Chorprobe zeigt, dass Chorsänger nicht vom Himmel fallen. Ein Zwerchfelltraining, diverse Klangübungen, ein pragmatischer Crashkurs in Musiktheorie und erste Lieder, zweistimmige Passagen, sind zu durchlaufen. In einer Ecke des Saals klingelt ein Mobiltelefon. Die meisten beachten es gar nicht, schliesslich gilt es, im dreistimmigen Kanon den Anschluss nicht zu verlieren. Konzentriert wirken die Sängerinnen und Sänger und finden sichtlich Spass am Klang, der stetig besser wird.

Spass und Selbsvertrauen

Spass und Selbstvertrauen beim Singen zu vermitteln ist Liliane Huber-Müller das Wichtigste. «Darum weise ich auch nie jemanden zurecht. Ein alberner Kommentar reicht völlig», meint sie schmunzelnd. Und obwohl sie die Probe humorvoll und locker gestaltet, hat die Chorleiterin ein klares Ziel vor Augen: Die Sängerinnen und Sänger sollen «Chorreife» erlangen, also später ohne Problem in einen Chor eintreten können. Im Volkshochschulkurs, den Liliane Huber-Müller bereits in vergangenen Jahren angeboten hat, erreicht sie dies, indem sie die üblichen Grundlagen der Stimmbildung vermittelt. Quer über eine weisse Tafel ziehen sich schwarze Notenlinien. Liliane Huber-Müller erklärt mit einem Stöckchen, wo in den Linien das «G» zu finden sei, und erzählt, wie vor Jahrhunderten ein Schreibfehler aus «B» plötzlich «H» werden liess. Ihr sei das alles überhaupt nicht klar, ruft eine Kursteilnehmerin dazwischen und findet von mehreren Seiten Zustimmung. Nicht so schlimm, für «Es Burebüebli» reicht die Notenkenntnis völlig aus. Praxis sei ihr eh lieber als Theorie, meint eine andere Teilnehmerin und sie kommt hier voll auf ihre Kosten. Für alle, die das anders sehen, bietet Liliane Huber-Müller im Winter einen Kurs zum Notenlesen an der Volkshochschule an.

«Chorsingen für Unmusikalische» findet noch fünfmal statt. Neueinsteiger sind auch in der zweiten Probe willkommen. Verbleibende Probedaten: 21. und 28. Oktober sowie 4., 18. und 25. November, jeweils um 20 Uhr im Pfarreihaus St. Josef.