Die Fracht des 16 Meter langen Sattelschleppers ist bunt bemalt mit Baseball-Helmen, Indianern und amerikanischen Trucks. Passend zu dieser fröhlichen Aufmachung erklingt bei dessen Einbiegen auf den Zelgliplatz anstatt eines Hupens «La Cucaracha» – es ist offiziell: Dietikon hat seine Chilbi zurück. Am Steuer sitzt Mike Bourquin, der jüngste Spross der Schausteller-Familie Bourquin, die die Chilbi organisiert. Jedes Jahr ist er von Februar bis Mitte Januar des darauffolgenden Jahres mit seiner Familie in der ganzen Schweiz unterwegs – gestern kam er direkt aus dem Kanton Freiburg.

In Hochdeutsch mit französischem Akzent, gespickt mit zahlreichen schweizerdeutschen Begriffen, erklärt der Genfer, dass dies nun die «Putschibahn» sei. Die imposante Konstruktion wird heute aufgebaut, gestern galt es aber, zuerst den Lageplan zu studieren.

Zu wenig Raum auf Zelgliplatz

Es ist die erste Chilbi in Dietikon seit 2009. Der Grund, weshalb man hier so lange auf Schiessbuden und Karussells verzichten musste, ist, dass sich Stadt und Schausteller nicht einigen konnten. Zwischen 2007 und 2009 schob man die Veranstaltung zwischen Zelgliplatz und Zentralschulhausplatz hin und her. Die Schausteller bemängelten, dass der Zelgliplatz zu dezentral sei, und wollten wieder auf den Zentralschulhausplatz. Die Stadt sah dort jedoch zu knappe Platzverhältnisse und fehlende Infrastruktur. Die Pattsituation löste sich nicht, bis Willy Bourquin, Mikes Grossvater, bei der Stadt anfragte, ob man wieder eine Chilbi in Dietikon durchführen könne. Er rannte offene Türen ein, denn dieses Ansinnen wurde schon oft auf dem politischen Weg angestrebt. Zuletzt von AL-Gemeinderat Ernst Joss im Rahmen einer Fragestunde im vergangenen Mai.

Und nun ist die Chilbi hier, wenn auch noch auf sechs Lastwagen verteilt und fein säuberlich eingepackt. Am Samstag werden die fünf Schausteller-Familien alles aufgestellt haben. In der Mitte des Platzes thront dann das «Night Fly»-Karussel, beim Bassin können sich Amüsierfreudige in einen Plastikballon begeben und in Jesusmanier über Wasser gehen. Eine Schaukel wird die Besucher bis 24 Meter über den Boden katapultieren und auch Stofftiere können mit Greifzangen geangelt werden.

Ein Plan ist das A und O

Vom bunten Treiben sah man gestern jedoch noch wenig. Mit zwei Angestellten laufen der junge Mike Bourquin und sein Vater Sacha über den grossen Betonplatz und vermessen ihn. Die beiden kontrollieren, ob Grossvater Willys Plan für die 13 unterschiedlichen Attraktionen aufgeht. Anhand von diesem werden die Sattelschlepper platziert. «Damit alle aneinander vorbeikommen, muss eine solide Planung gemacht werden», sagt Mike Bourquin. Vor allem, wenn der Platz so begrenzt ist, wie er es hier in Dietikon ist. Denn neben den Bahnen, Karussells und Bassins müssen auch die Wohnwagen der Schausteller auf dem Zelgliplatz untergebracht werden. Trotzdem freut sich die Schausteller-Familie, hier in Dietikon zu sein. «Es ist eine sehr schöne Stadt», sagt Mike Bourquin.