Dietikon
«Die Chilbi ist nicht gestorben»

Zuversicht nach der Absage: Sowohl die Schausteller als auch der Dietiker Sicherheitsvorstand Heinz Illi setzen sich dafür ein, dass die Chilbi nächstes Jahr wieder durchgeführt werden kann. Eine der grossen Fragen ist, wo das sein wird.

Matthias Kessler
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Chilbi

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Limmattaler Zeitung

Erinnerungen werden wach: «Chilbi – das ist für mich Riesenrad, Autoscooter und weitere verrückte Sachen», sagt Heinz Illi. Als Knabe habe er es geliebt, auf die Bahnen zu gehen und die Marktstände zu begutachten, so Dietikons Gesundheits- und Sicherheitsvorstand. Darüber, dass die Dietiker Chilbi von den Schaustellern nun aus wirtschaftlichen Gründen für dieses Jahr abgesagt wurde (Ausgabe vom 16.September), sei er «nicht glücklich».

Probleme rund um die Dietiker Chilbi tauchen nicht zum ersten Mal auf, bereits vor drei Jahren hatte es Diskussionen gegeben. Damals wurde der Zentralschulhausplatz als Standort ausprobiert – dort, wo gleichzeitig mit der Chilbi immer auch die «Sichlete» des Trachtenvereins stattfindet (siehe Kontext); der Versuch wurde nach der Premiere wieder abgebrochen, in den Jahren 2008 und 2009 fand die Chilbi wieder am angestammten Ort auf dem Zelgliplatz statt.

Sorgen um «Sichlete»

Bei der Trachtengruppe Dietikon, der Veranstalterin der «Sichlete» auf dem Zentralschulhausplatz am Chilbi-Wochenende, hat man die Absage der Chilbi in diesem Jahr mit Besorgnis zur Kenntnis genommen. «Wir lebten bislang eine Symbiose, profitierten gegenseitig voneinander», sagt Rolf Gyseler von der Trachtengruppe. So habe man sich die Besucherinnen und Besucher geteilt, und auch bei den Bewilligungen sei vieles einfacher gewesen - beispielsweise habe man bis anhin die Verlängerung der Festwirtschaft bis in die Nacht nicht separat beantragen müssen. «Eine gewisse Unsicherheit ist für die diesjährige ‹Sichlete› Mitte Oktober vorhanden», sagt Gyseler weiter. (mke)

In Weiningen funktionierts

Nun gehe es darum, dass in Kürze Gespräche mit der Stadt stattfinden könnten, führt Baer aus. Dabei gehe es um drei Punkte: Einerseits müsse über den Standort diskutiert werden – der Zelgliplatz sei nicht zentral genug: «Zentral gelegen wäre der Bereich zwischen Bahnhof und Kirchplatz», erklärt er. Andererseits müsse auch das Datum des Anlasses diskutiert werden. Und drittens schliesslich gehe es um den Festgrund.

«Allein mit einer Chilbi können wir die Leute nicht mehr abholen. Die Konkurrenz etwa mit der Nähe zur Stadt Zürich ist sehr gross. Wir müssen deshalb mehr bieten», so Baer. Eine Möglichkeit sei das Organisieren eines grossen Fests rund um die Chilbi herum. In Weiningen beispielsweise funktioniere das mit dem Rebblüetefäscht hervorragend. Damit man auf diese Weise Erfolg haben könne, sei jedoch das Mitmachen der ansässigen Vereine vonnöten – «und gerade hier hapert es in Dietikon. Ich hoffe aber, dass wir im nächsten Jahr wieder etwas hinbekommen».

Für Sicherheitsvorstand Illi liegt der Ball diesbezüglich bei den Schaustellern. «Die Stadt ist in dieser Frage in erster Linie Bewilligungsinstanz und stellt Strom, Wasser und den Platz zur Verfügung», hält er fest.

Die Schausteller in der Pflicht

Wollten die Schausteller über den Standort diskutieren, wollten sie beispielsweise die Chilbi im Stadtzentrum durchführen, sei er gerne bereit zu Gesprächen – allerdings müssten sie ein Konzept vorlegen, in dem gezeigt werde, wie das Ganze vonstatten gehen könne. Denn: «Riesenrad und Autoscooter – im Zentrum ist wenig Platz dafür.»

Den Standort sieht Illi aber nur als einer von mehreren Aspekten, welche zu den Schwierigkeiten mit der Chilbi geführt haben. Eine grosse Rolle spielten beispielsweise auch der gut gefüllte Veranstaltungskalender in Dietikon und in der Umgebung, das Wetter und ebenso der Umstand, dass man das Bahnenfahren in viel grösserem Umfang das ganze Jahr hindurch in darauf spezialisierten Anlagen wie dem Europapark erleben könne.

Aktive Mithilfe angeboten

Die Chilbi habe viel Tradition, und er sei der Letzte, so Illi, der sich dagegen stelle, wenn eine Durchführung weiterhin einem Bedürfnis der Bevölkerung entspreche. Und man habe bereits versucht, den Anlass mit anderen Veranstaltungen zu kombinieren. Nun, nach Bekanntwerden der Absage, habe er in den letzten Tagen Anfragen von Personen erhalten, die an einer Lösung aktiv mithelfen wollten, unter anderem auch von Leuten, die im Vereinswesen stark engagiert seien. «Die Chilbi ist nicht gestorben», fügt er an. Die Pause in diesem Jahr, «einem Verschnaufjahr», sei auch eine Chance, sich Gedanken zu machen, wie der Anlass in die Zukunft geführt werden könne.