Kurzfilme

Die Chilbi in Schlieren weckt besonders starke Heimatgefühle

Die Kurzfilme des Museums Stapferhaus zum Thema Heimat sind veröffentlicht – darin wird klar, dass sich Schlieremer stark mit Zuwanderung und Integration auseinandersetzen.

«Meine ideale Heimat wäre ein Ort, an dem alle der Gebärdensprache fähig sind und ich somit Zugang zu allem hätte», sagt Katja Tissis Übersetzer, während die Schlieremerin den Satz mit ihren Händen gestikuliert. Die seit ihrer Geburt Gehörlose sitzt in einer Gondel des Riesenrades der Schlieremer Chilbi und erzählt den Machern des Lenzburger Museums Stapferhaus von ihren Heimatgefühlen.

Schlieren Katja

Gondelfahrt mit Katja Tissis

Eine Vielzahl Schlieremer taten es Tissi im vergangenen November gleich. Nun veröffentlicht das Museum das Resultat dieser Interviews auf seiner Website: vier Kurzfilme, in denen Schlieremer über Heimat, Sorgen und Wünsche sprechen. Der Höhepunkt folgt jedoch erst im März. Dann wird die Ausstellung «Heimat. Eine Grenzerfahrung» in Lenzburg eröffnet, im Rahmen derer die Filme gezeigt werden.

In drei Filmen geben Stadtoriginale Auskunft, der vierte Film ist ein Zusammenschnitt von Interviews mit Chilbi-Besuchern. Dabei zeigt sich, dass die Chilbi besonders starke Heimatgefühle weckt. So verweist eine Dame darauf, dass sie nicht auf den Besuch verzichten könnte und dies für sie Heimat bedeute.

Best of SCHLIEREN

Best of SCHLIEREN

Zusammenschnitt von Interviews mit Chilbi-Besuchern

«Der hohe Stellenwert der Chilbi bei den Schlieremern ist bemerkenswert», sagt Stefanie Bucher, die die Videointerviews geführt hat, auf Anfrage. Auch hätten viele Gesprächspartner einen starken Bezug zu ihrer Heimatstadt gehabt. «Es wurde mit viel Herzblut von ‹ihrem Schlieren› gesprochen, das eben ‹eine Stadt› aber trotzdem noch ‹ein Dorf› sei.» Viele der Interviewten hätten zudem Familie und Freunde als wichtigen Bestandteil ihrer Heimat genannt, so Bucher. Dies sei aber auch an den anderen Stationen der Tour des Stapferhaus-Teams – zwischen Juli und Dezember wurden neben Schlieren noch elf weitere Chilbis in der ganzen Schweiz besucht – oft gesagt worden.

Weniger Ausländer als erwartet

Überrascht wurden die Filmer vom Umstand, dass nur wenige Chilbi-Besucher einen Migrationshintergrund hatten. Dies möge unter anderem daran gelegen haben, dass der Chilbi Club viele Interviewpartner angeworben habe. Trotzdem fand Arif Ibrahimovic – eines der ausgewählten Stadtoriginale – den Weg in die Gondel. Er fühle sich in der Schweiz genauso zuhause wie in Bosnien. «Um ein Heimatgefühl zu entwickeln, braucht es mehr als nur Akzeptanz. Man muss sich auch erwünscht fühlen», sagt er.

Schlieren Junge

Gondelfahrt mit Arif Ibrahimovic

Die wenigen Interviewten mit Wurzeln im Ausland finden laut Bucher Gefallen an den Schweizer Eigenheiten – wie etwa Fondue – und würden diese als etwas typisch Heimatliches nennen.

«Man merkt, dass Schlieren mit einer vergleichsweise hohen Zuwanderungsrate konfrontiert ist», sagt Bucher. So hätten die Interviewpartner das Thema Migration reflektiert und sich eine Meinung darüber gebildet, was «gute Integration» bedeute. So sollte man etwa in einem Verein sein, kein Kopftuch tragen oder Frauen gut behandeln. Eine Interviewte formuliert es so: «Ich bin offen und sage immer: Ein Ausländer ist für mich kein Ausländer, ausser er benimmt sich anders.» 

Schlieren Locatelli

Gondelfahrt mit Locatelli

Auch macht man sich Sorgen um das politische Klima: «Hier in der Schweiz wird es allmählich gefährlich», sagt Jeannette Hubli Zürrer. «Aber nicht wegen der Ausländer, sondern wegen der Stimmung, die gegen sie gemacht wird.» Dabei könne die Durchmischung von Kulturen doch nur eine Bereicherung sein, wie eine andere Teilnehmerin konstatiert.

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