Dietikon
Die Buschauffeure lassen Passagiere schwarzfahren

Da staunen Passagiere des Weinbergbusses - der Linie 325 - jeweils nicht schlecht: Wer ein Billett lösen will, muss das nicht jedes Mal tun. Mal wird man vom Chauffeur freundlich hereingebeten. DIe VBZ hält Verhalten für unentschuldbar.

Katja Landolt
Merken
Drucken
Teilen
Immer wieder kommt es vor, dass Passagiere im Dietiker Weinbergbus gratis mitfahren dürfen.

Immer wieder kommt es vor, dass Passagiere im Dietiker Weinbergbus gratis mitfahren dürfen.

AZ

Oder die Kasse im Bus sei kaputt, man solle doch ein Ticket am Automaten am Bahnhof lösen, so die Antwort der Chauffeure. «Das erlebe ich mindestens jedes zweite Mal, wenn ich in den Bus einsteige», sagt ein Anwohner des Weinbergquartiers, der anonym bleiben möchte. Er fahre etwa zweimal pro Woche mit dem Bus. Einmal habe ihm der Chauffeur gesagt, er schenke ihm die Fahrt.

Die az Limmattaler Zeitung hat ebenfalls den Test gemacht und ist Ende September an mehreren Tagen mit der Buslinie 325 gefahren. Das Protokoll: Dienstag, 14.37 Uhr, Haltestelle Oberdorf: «Steigen Sie ein», sagt der Chauffeur. Die Testerin muss kein Billett lösen. Mittwoch, 11.50 Uhr, Haltestelle Oberdorf, Billett gelöst. Zwei Tage später, 16.18 Uhr, Haltestelle Gyrhalden. Die Aufforderung des Chauffeurs: «Bei mir dürfen Sie schwarzfahren.» Von den drei verschiedenen Busfahrern haben also zwei die Testerin wissentlich ohne gültiges Billett herumfahren lassen.

«Das tolerieren wir nicht»

Daniela Tobler Kohler von den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) reagiert erstaunt auf die Vorwürfe: «Wir haben bei den Fahrausweiseinnahmen keinen markanten Rückgang verzeichnet, der die genannten Umstände bestätigen würde. Uns ist nichts aufgefallen.» Tobler vermutet, dass es sich um Einzelfälle handelt. Trotzdem: «So ein Verhalten der Chauffeure tolerieren wir nicht, es ist nicht entschuldbar.» Bei den Fahrausweiseinnahmen handle es sich schliesslich um die wichtigste Einnahmequelle. Das sollte, so Tobler, auch allen Mitarbeitern klar sein.

Die VBZ habe sich mit der Limmat Bus AG, die die Weinbergbuslinie betreibt, in Verbindung gesetzt. «Uns wurde versichert, dass dies nicht mehr vorkommt», so Tobler. Als möglichen Grund für die Reaktion der Chauffeure, keine Billette auszugeben, sieht Tobler Bequemlichkeit und weniger das Aufholen von Verspätungen.

Die eingangs erwähnten Anwohner plagen Bedenken: «Der Weinbergbus ist eine Linie, die nur wenige

Leute benutzen. Wenn keine

Tickets verkauft werden, ist die logische Folge, dass er wieder verschwindet», sagt er. Befürchtungen, die durchaus berechtigt sind, haben die fehlenden Fahrgäste den Weinbergbus doch vor einem Jahr schon fast ausgebremst (siehe Box). Mit Ach und Krach hatte die IG Weinberg die Buslinie gerettet.

Rochus Burtscher, SVP-Gemeinderat und Mitglied der IG Weinberg, hat ebenfalls schon davon gehört, dass die Chauffeure beim Billettverkauf grosszügig die Augen zudrücken. Trotzdem sorgt er sich nicht um den Fortbestand der Linie.

Gebüsst wird trotzdem

Burtscher fordert vielmehr, dass die Betreiber der Linie endlich reagieren: «Sie sollten durchgreifen und die Passagiere regelmässig kontrollieren.» Ins gleiche Horn stösst der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller: «Dass gratis gefahren werden kann, ist nicht korrekt. Wenn dieser Eindruck entsteht, hat dies eventuell mit der Tatsache zu tun, bislang keiner Kontrollperson begegnet zu sein.»
Übrigens: Wer im Bus kontrolliert wird und keinen gültigen Fahrausweis vorweisen kann, wird gebüsst - selbst wenn der Chauffeur einem durchgewunken hat. Dann wird eine Busse von 90 Franken fällig.