Wahlen
Die briefliche Stimmabgabe wird deutlich weniger genutzt als 2011

Besonders tief ist die Beteiligung in Schlieren: Lediglich 16.5 Prozent der Schlieremer Wahlberechtigten nutzten bis gestern die briefliche Stimmabgabe. – in Urdorf ist sie doppelt so hoch.

Sandro Zimmerli
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Die bisherige Bilanz: Die Wahlbeteiligung fällt mager aus.

Die bisherige Bilanz: Die Wahlbeteiligung fällt mager aus.

Keystone

Morgen ist Wahltag. Doch noch sind nicht viele Wahlcouverts bei den Gemeinden oder Städten eingetroffen. In Schlieren etwa haben bis gestern gerade einmal 16,5 Prozent der Wahlberechtigten von ihrem Recht Gebrauch gemacht und brieflich an den Kantons- und Regierungsratswahlen teilgenommen.

Vor vier Jahren lag die Wahlbeteiligung bei rund 26 Prozent. Ebenfalls etwas weniger Wahlcouverts als zum selben Zeitpunkt 2011 sind bislang in Urdorf eingetroffen. Gemäss Auskunft auf der Gemeindeverwaltung waren es Stand gestern 100 weniger als vor vier Jahren. Dennoch wird mit einer Wahlbeteiligung von rund 33 Prozent gerechnet; sie wäre damit etwa gleich hoch wie 2011.

Eine äusserst tiefe Wahlbeteiligung zeichnet sich in der Stadt Zürich ab. Dort sind bis gestern Mittag rund 58 000 Couverts eingetroffen, wie die Kommunikationschefin der Stadtkanzlei, Christina Stücheli, auf Anfrage sagte. Damit haben etwa 26,2 Prozent der städtischen Wahlberechtigten bereits gewählt.

Bislang machten deutlich weniger Personen vom Recht auf briefliche Stimmabgabe Gebrauch als vor vier Jahren, so Stücheli. Damals stimmten bis zwei Tage vor den Wahlen 29,1 Prozent der Wahlberechtigten brieflich ab. Anders sieht es in Winterthur aus. Dort zählte das Zentralwahlbüro bis Freitagmittag rund 19 900 Wahlcouverts. Dies entspricht 29,6 Prozent aller Wahlberechtigten.

Gesamtkantonal lag die Wahlbeteiligung 2011 bei 35,5 Prozent. Im Bezirk Dietikon nahmen damals 30,5 Prozent der Wahlberechtigten an den Kantons- und Regierungswahlen teil. Bezirksweit war die Beteiligung am höchsten in Aesch mit knapp über 47 Prozent, gefolgt von Uitikon mit rund 42 Prozent und Birmensdorf mit
37,3 Prozent. Schlusslicht bildete damals Dietikon. Dort lag die Wahlbeteiligung bei 25,6 Prozent.

Tausende Stimmenzähler im Einsatz
Insgesamt sind am Sonntag im Kanton Zürich rund 900 000 Wahlberechtigte aufgerufen, das Kantonsparlament und die siebenköpfige Regierung neu zu wählen. Für das Auszählen der Stimmen sind am Wochenende in den Wahlbüros der insgesamt 18 Wahlkreise Tausende von Helferinnen und Helfern tätig. Allein in der Stadt Zürich sind knapp 2000 Personen im Einsatz. Laut Stücheli handelt es sich um die grösste Wahlorganisation der Schweiz. In Winterthur sind am Sonntag mehr als 400 Personen aufgeboten.

Auch wenn bereits zahlreiche Wahlcouverts eingetroffen sind: Laut Gesetz dürfen die Stimmen erst am Wahlsonntag ausgezählt werden. Erlaubt sind dagegen gewisse Vorarbeiten, etwa das Kontrollieren der Stimmrechtsausweise oder das Trennen der Wahlunterlagen für den Kantons- und den Regierungsrat.

Beim Auszählen der Wahlzettel für den Regierungsrat könnte es unter den Wahlbüro-Mitgliedern zu Diskussionen kommen. Grund sind die beiden Kandidierenden der SP, Jacqueline Fehr und Mario Fehr, die beide exakt denselben Nachnamen tragen. Verhältnismässig einfach wird es, wenn ein Wähler beispielsweise zwei Mal den Namen «Fehr» auf den Zettel schreibt und auf nähere Angaben verzichtet. In diesem Fall empfiehlt das Statistische Amt, Mario und Jacqueline Fehr je eine Stimme anzurechnen.

Wählerwille muss erkennbar sein

Wenn aber jemand zwei Mal «Fehr» sowie zwei Mal «Markus Kägi» aufschreibt, muss das Wahlbüro davon ausgehen, dass der Wählende entweder Jacqueline oder Mario Fehr kumulieren wollte, was jedoch nur auf einer Kantonsratsliste erlaubt wäre. In diesem Fall wären beide «Fehr»-Stimmen ungültig. «Markus Kägi» dagegen erhielte eine Stimme. Am Sonntag dürften also nicht nur unleserliche Handschriften in den Wahlbüros für Kopfzerbrechen sorgen. Entscheidend bleibt jedoch, dass der Wählerwille eindeutig erkennbar ist – so wie es der Bund vorschreibt.