«Gefährdung: Überbauung» steht im kommunalen Naturinventar der Stadt Schlieren beim Baum Nummer 65, der mächtigen Blutbuche auf dem Stadtplatz. Etwa hundert Jahre alt ist der Baum. Viel älter wird er aber nicht mehr werden. Voraussichtlich im kommenden Winter wird er gefällt; er steht den Plänen des neuen Stadtplatzes im Weg, über den ab 2019 die Limmattalbahn verkehren wird.

Das Schicksal der Buche auf dem Stadtplatz ist schon länger besiegelt. Allerdings wandte sich GLP-Gemeinderat Andreas Kriesi im letzten Dezember mit einem letzten Versuch, den altehrwürdigen Baum doch noch zu retten, an den Stadtrat: Man könnte ihn doch auf den Geissweidplatz versetzen, auf dem die Limmattalbahn halten und das 2er-Tram einst wenden werden. Der Gemeinderat hatte im Dezember den Vorschlag des Stadtrates abgelehnt, auf diesem Platz einen kleinen Stadtwald mit 80 Bäumen anzulegen; das Parlament sähe darauf lieber eine Überbauung der Liberalen Baugenossenschaft Schlieren. Gegen diese Pläne haben Kriesi und weitere Parlamentarier eine Volksinitiative lanciert, für die in Rekordzeit über 600 Unterschriften zusammenkamen.

Doch der Stadtrat sieht keinen Weg, der am Fällen der Buche vorbeiführt. Auf private Initiative sei genau diese Frage im Sommer letzten Jahres noch einmal in «intensiven Gesprächen» zwischen Stadt, Limmattalbahn und Privaten behandelt worden, schreibt er in seiner Antwort. Doch selbst mit externer Unterstützung habe man keine Lösung finden können, wie der Baum versetzt oder erhalten werden kann. «Die bisherigen Einschätzungen haben sich leider bestätigt», so der Stadtrat: «Der Baum kann nicht gerettet werden.»

NEUES VIDEOS VERWENDEN Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

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Die Redaktoren der Limmattalerzeitung sind die künftige Strecke schone einmal abgefahren, respektive abgelaufen.

«Möglich, aber nicht sinnvoll»

Die Erfolgsaussichten eines Versetzungsversuchs wären nach Meinung der externen Fachleute äusserst gering: «Der Baum würde aufgrund seiner Grösse und seines Alters mit hoher Wahrscheinlichkeit absterben.» Ein Versetzen der Blutbuche sei zwar «möglich, jedoch nicht sinnvoll».

Doch auch wenn die Tage des über ein Jahrhundert gewachsenen Baumes gezählt sind, könnte die Buche an ähnlicher Stelle in neuer Form weiterleben: Ihr sollen Ende Juni Stecklinge entnommen werden, die in einer Baumschule aufgezogen und dann auf dem geplanten Stadtpark gesetzt werden. So könnten ein paar Dutzend Meter westlich ihres heutigen Standortes bald die Nachkommen der Blutbuche wachsen.

Gefällt wird der Baum voraussichtlich diesen Winter, wie die Abteilung Bau und Planung auf Anfrage erklärt. Die Stadt will auf die Brutphasen der Vogelpopulation Rücksicht nehmen, weshalb sie «sicher nicht zwischen März und August» gefällt wird.

Ganz von der Erdoberfläche verschwinden soll die alte Buche übrigens nicht: Man prüfe, ob aus ihr Sitzmöbel, Bänke, Skulpturen oder Ähnliches hergestellt werden können.