Die Partie zwischen Deutschland und der Schweiz, die am 22. November 1950 in Stuttgart ausgetragen wurde und mit einem 1:0 für die Gastgeber endete, ging in die Fussballhistorie ein. Zum ersten Mal nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges trug eine deutsche Auswahl wieder ein Länderspiel aus. Dies, nachdem während fünf Jahren jegliche sportlichen Beziehungen vom Weltfussballverband zu unserem nördlichen Nachbarn untersagt waren. Wenige Wochen vor jenem denkwürdigen Spiel war der Deutsche Fussballbund in die Fifa aufgenommen worden und damit wieder zurück in der internationalen Fussballergemeinschaft.

Nicht minder Historisches ereignete sich vier Jahre zuvor auf einem kleinen Sportplatz in Villigen, einer Ortschaft im Schwarzwald. Dort traf der heimische Fussballclub Mitte September 1946 auf den FC Schlieren. Die Limmattaler waren damit wohl die erste Mannschaft weltweit, die nach dem Krieg für ein Spiel zu Besuch in Deutschland weilte. In den Medien wurden die Schlieremer dafür als «Blockadebrecher» gefeiert.

Über die Umstände, die zu dieser Begegnung vor 70 Jahren in der damaligen französischen Besatzungszone führten, ist wenig bekannt. Selbst über das Resultat verlieren die Chroniken kein Wort. Sicher dürfte hingegen sein, dass die Limmattaler eine militärische Sonderbewilligung brauchten, um die Reise in den Schwarzwald antreten zu können. Eine solche erhielt jedenfalls der FC Red Stars Basel, der im selben Jahr eine Partie im Elsass gegen den A.S. Hoenheim austrug.

Mehrere Besuche in Deutschland

Besser dokumentiert sind hingegen die internationalen Freundschaftsspiele des FC Schlierens, die nach dem Auftritt in Villingen folgten. Denn die Limmattaler entwickelten in jenen Jahren nach dem Kriegsende eine erstaunliche Reisefreudigkeit. Das Ziel war oft Deutschland. Etwa Plochingen in Württemberg. Dort trug der FCS 1947 ein Freundschaftsspiel aus. Es ging mit 1:3 gegen den FV Plochingen verloren. Auch diese Partie, die von 1500 Zuschauern verfolgt wurde, war geschichtsträchtig, wie ein Ausschnitt aus einer Württembergischen Zeitung in der Vereinschronik der Schlieremer dokumentiert. Die Limmattaler waren die ersten Schweizer Sportler nach Kriegsschluss, die in Württemberg auftraten.

Anlass für die Begegnung war der 35. Geburtstag der Gastgeber, denen bekannt war, dass die Schlieremer bereits im Jahr zuvor in Villingen spielten. Ursprünglich sollten die Spieler des FCS bereits im August nach Plochingen reise. Allerdings traf die Genehmigung für das Spiel nicht rechtzeitig ein, sodass sie erst im November gespielt werden konnte. Im Gepäck hatten die Gäste Geschenke für ihre Gegner. Elf Paar Fussballschuhe und ein neuer Ball «stellten neben anderen Kostbarkeiten eine ansehnliche Morgengabe dar», wie ein Zeitzeuge notierte.
Während das Zusammentreffen mit den deutschen Kollegen trotz der Niederlage erfreulich verlief, wartete nach der Rückkehr einiger Ärger auf den FCS. Demnach soll der Schweizerische Fussballverband mit einer Busse gedroht habe, da es immer noch nicht erlaubt war, Beziehungen zu Deutschland zu pflegen. Bereits nach dem Spiel in Villingen wurde der FCS gebüsst. Später wurde die Strafe jedoch aufgehoben.

Gleich mehrere Partien trugen die Schlieremer im Jahr 1948 mit dem VfB Wiesloch aus. Vom 24. bis zum 26. Juli weilten die Limmattaler in Deutschland. Ihnen wurde dort «von der Einwohnerschaft, der Stadtverwaltung und der Vereinsführung ein überwältigender Empfang bereitet», wie es in der Chronik des VfB heisst. Am Abend ging im Hotel «Zur Pfalz» ein grosses Festbankett über die Bühne. Das Spiel am nächsten Tag vor fast 4000 Zuschauern ging für die Schlieremer mit 1:3 verloren. Das Rückspiel im Limmattal stand dann bereits am 25. September auf dem Programm. 24 Gästespieler sowie einige durch das Los ermittelte Vorstandsmitglieder reisten nach Schlieren. Die Gastgeber liessen sich ebenfalls nicht lumpen und richteten ein grosszügiges Bankett aus. Geschenke der Gäste gab es trotzdem nicht. Die Partie ging für die Schlieremer mit 0:2 verloren. In bester Erinnerung blieb das freundschaftliche Treffen für die Gäste nicht nur des Sieges wegen. «Der folgende Tag wurde mit interessanten und abwechslungsreichen Ausflügen und Besuchen in der schönen Stadt Zürich und deren Umgebung ausgefüllt», heisst es in der Chronik des VfB.