Bergdietikon
«Die Bibel ist in erster Linie ein Geschichtenbuch»

Zum 50-Jahr-Jubiläum der reformierten Kirche Bergdietikon erzählte Ulrich Knellwolf Kurzgeschichten und befasste sich mit ihrem Bezug zu Gott und dem christlichen Glauben.

Florian Schmitz
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Ukllrich Knellwolf erzählte Kurgeschichten

Ukllrich Knellwolf erzählte Kurgeschichten

«Auch die Bibel ist in erster Linie ein Geschichtenbuch», stellte Ulrich Knellwolf zu Beginn seiner Lesung fest. Das Wort spiele im Christentum schon immer eine gewichtige Rolle, nicht umsonst werde in einigen Schriften die Kraft vom Wort mit der Kraft Gottes verbunden. Viele christliche Erzählungen seien von Generation zu Generation in immer neuen Variationen weitererzählt worden, sagte Knellwolf, und schliesslich sei jeder Mensch der Autor seiner eigenen Geschichte.

Kein Heimatschutz für die Bibel

Der gelernte Theologe und ehemalige Pfarrer führte beschwingt in den Abend ein mit einer Geschichte über die Entwicklung seines Dialekts und behandelte im weiteren Verlauf des Abends ganz verschiedene Themen, von seinem Werdegang als Theologen über Schweizer in fremden Kriegsdiensten bis hin zu einer bitterbös ironischen Kriminalgeschichte über einen Mörder wider Willen. Dazwischen präsentierte er Gedanken über die Wichtigkeit des Erzählens, die Kraft des geschriebenen und gesprochenen Worts und ihren Bezug zum christlichen Glauben. So betonte er etwa, wie wichtig es sei, «dass man die biblischen Geschichten weitererzählt und variiert, statt sie unter eine Heimatschutzglocke zu stellen.»

Ursprünglich ist Ulrich Knellwolf «aus theologischen Gründen zum Geschichtenschreiben gekommen». Weil er in seinem ersten Pfarramt immer wieder Geschichten zum Vorlesen brauchte und sich die Suche nach passenden Erzählungen schwer gestaltete, nahm er irgendwann einfach selbst den Stift in die Hand und begann zu schreiben. Daraus entwickelte sich schliesslich eine Publikation mit weihnachtlichen Kurzgeschichten. Später entdeckte er seine Faszination für den Kriminalroman, der sich seither zu einer seiner Domänen entwickelt hat.

Gott mit Trenchcoat und Hut

Passend dazu erzählte er am Donnerstag eine Kriminalgeschichte über Gott, der Trenchcoat und Hut anzog, um sich auf die Suche nach dem Schuldigen zu machen, nur um später begreifen zu müssen, dass er die Kriminologie doch besser den Menschen überlässt.

Ein weiteres Highlight war die Erzählung über Noah und Abraham, die sich als Zimmergenossen im Altersheim in einem zeitgenössischen Kontext wiederfanden. Diese spielerische Annäherung an Texte biblischen Ursprungs unterstrich den von ihm geforderten variablen Umgang mit bekannten Geschichten. Folglich attestierte Heidi Gerber aus Zürich ihm «eine gute Fantasie mit vielen überraschenden Pointen» und fügte hinzu: «Man hätte ihm viel länger zuhören können.»

Die Lesung mit Ulrich Knellwolf in der reformierten Kirche Bergdietikon war ein Teil der Festwoche zum 50-Jahr-Jubiläum des am 14. Mai 1961 eingeweihten Gotteshauses. Als Dankeschön an die Bergdietiker haben die Organisatoren ein Programm für Jung und Alt zusammengestellt, das am Sonntag mit einem Festgottesdienst inklusive Auftritt des Kirchenchors gebührlich abgeschlossen wird.