Dietikon

Die Besucherinnen und Besucher im «Gleis 21» hingen Pedro Lenz an den Lippen

Der Autor Pedro Lenz liest im Dietiker Kulturlokal "Gleis 21", musikalisch begleitet von Christian Brantschen.

Der Autor Pedro Lenz liest im Dietiker Kulturlokal "Gleis 21", musikalisch begleitet von Christian Brantschen.

Der Mundartdichter Pedro Lenz las im Dietiker «Gleis 21» mit musikalischer Begleitung von Christian Brantschen aus «Die schöni Fanny».

Eine Besonderheit in Coronazeiten: Das Dietiker Kulturzentrum Gleis 21 hat am Samstagabend zur Lesung «Die schöni Fanny» von Pedro Lenz geladen, der sich musikalisch von Christian Brantschen begleiten liess. Und dies, obwohl viele Künstlerinnen und Künstler derzeit entscheiden, ihre geplanten Veranstaltungen wegen der Pandemie abzusagen. Umso erfreuter waren die 40 Besucherinnen und Besucher, denen die Durchführung des Anlasses besonders am Herzen lag.

«Die Lesung hat uns irrsinnig gefallen – wir konnten es kaum abwarten, bis es losging», sagte die 73-jährige Rita Milani, die mit ihrem Mann Luigi die Veranstaltung besuchte. Das Ehepaar aus Dietikon sei Lenz an den Lippen gehangen, so wie sie es jeweils tun, wenn er auf SRF 1 zu hören sei. «Was das Gleis 21 bietet, geht weit über Dietikon hinaus. Wir bleiben dem Kulturzentrum treu – auch in solch schwierigen Zeiten», sagte der 74-jährige Milani.

Die schöne Fanny ist eine tragisch-komische Geschichte, die im nebligen Olten spielt. Die drei Protagonisten sind die Freunde Jackpot, der erfolglose Schriftsteller, der auf Hunde und Pferde wettet, und die beiden Maler Louis und Grunz, die das Leben und ihre Schönheit lieben. Eines Tages tritt die schöne und junge Fanny in ihr Leben. Allein durch ihre Präsenz bringt Fanny das scheinbar stabile Gleichgewicht der Männerfreundschaft ins Wanken.

Mit der Leichtigkeit des Seins, ist es bald vorbei: Jeder der drei Freunde begehrt die junge Frau, doch keiner scheint zu verstehen, was Fanny begehrt.

Es ist eine unterhaltsame Lesung auf Berndeutsch mit Tiefgang. Die Geschichte thematisiert die individuelle Vorstellung von Liebe und Glück, die gerechte Rollenverteilung von Mann und Frau, aber auch das Leben als Künstler und den Kunstbegriff an sich: «Kunscht mues d Realität immer verwandle, Jackpot, süsch bruucht es se gar nid.» Jackpot folgert, dass es die Filmindustrie brauche, um Vorurteile zu festigen – und eine bessere Welt zu zeigen, die mit jener hier nicht viel zu tun hätte.

Einige Passagen brachten das Publikum zum Lachen, wie etwa diese hier, in der Jackpot der schönen Fanny begegnete: «Item, i hätt öppis woue säge, ha aber grad nid gwüsst was. Auso bin i iigstigen und han nume ddänkt, dass i mängisch gärn chli spontaner wär und dass ds Läbe so guet chönnt si, wenn eim immer im richtige Moment die richtige Sätz in Sinn chieme, wi i den auten amerikanische Füume, wo d Typen a de Frouen immer di genau richtige Sätz chöi säge.»

Dass Pedro Lenz seine Lesung am Samstagabend nicht absagte, bedeutet auch Michi Minder, Geschäftsleiter des Gleis 21, enorm viel. Als er vor zehn Jahre eine neue Stelle in einem Brockenhaus annahm, führte ihn sein damaliger Vorgesetzter durch die Büchersammlung und zeigte ihm das Buch «Dr Goali bin ig». Heute, zehn Jahre und eine neue berufliche Herausforderung später, darf Minder den Autor des Buchs im Gleis 21 empfangen.

«Das Bistro macht einen Winterschlaf»

Aufgrund von enormen Einbussen wird das Bistro des Gleis 21 ab der letzten Novemberwoche geschlossen sein. «Das Bistro macht einen Winterschlaf – im Frühling öffnen wir wieder», sagt Minder. Kulturelle Veranstaltungen werden jedoch weiterhin durchgeführt – sofern sie nicht abgesagt werden.
Der dritte und neuste Roman von Pedro Lenz heisst «Primitivo». Aus diesem möchte der Autor nächstes Jahr im Kulturzentrum vorlesen. Bis dahin verabschiedete er sich mit den Worten: «Bleibt gesund.»

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