Urdorf
Die beste Schützin des Bezirks ist eine Geräteturnerin

Man könnte meinen, sie sei schon seit klein auf in einem Schützenverein – aber die 13-jährige Fabia Bollinger kommt aus ganz anderen Kreisen.

Clara dos Santos Buser
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Fabia Bollinger war die beste Urdorferin und beste 13-Jährige beim Fest.

Fabia Bollinger war die beste Urdorferin und beste 13-Jährige beim Fest.

Clara dos Santos Buser

Eigentlich würde es passen, wenn Fabia Bollinger, die beste Urdorferin und beste 13-Jährige beim diesjährigen Knabenschiessen, Mitglied eines Schützenvereins wäre. Dann wäre ihr Erfolg bereits auf den ersten Blick nachvollziehbar. Tatsache ist aber, dass die junge Urdorferin eine ruhige Hand hat. Ausser bei der Chilbi oder als Gast des Unterengstringer Schützenvereins schoss Fabia selten. Ihr Resultat von 32 Punkten beim Knabenschiessen sorgte anfänglich nur bei Familie und Freunden für Begeisterung. Doch sie klassierte sich auf dem 52. Rang von insgesamt 4067 Schützerinnen und Schützern. Sie holte das beste Urdorfer Resultat und war das beste Mädchen aus dem Bezirk Dietikon.

«Ich wusste gar nicht, dass es so etwas wie ‹diä beschti Urdorferin› beim Knabenschiessen gab. Ich ging einfach schiessen, ohne grosse Ambitionen», sagt Fabia. Fünfmal durfte sie schiessen. Und wurde nach jeder abgefeuerten Kugel besser. Letzte Woche empfing Gemeinde-Vizepräsident Thomas Hächler (FDP) die junge Schützin im Gemeindehaus zum Apéro. Für ihre Leistung erhielt Fabia den traditionellen Wimpel und einen finanziellen Zustupf von der Gemeinde. Als Jahrgangsbeste bekam sie zudem einen Zuschuss von der Zürcher Kantonalbank.

Als Mädchen turnte Fabia bei der Kunstturnriege Urdorf am Boden. Bis es ihr vor zwei Jahren zu viel wurde, als Sekundarschülerin habe sie eine fast volle Agenda. Dazu kamen auch noch die Reitstunden. Gleichzeitig wuchs auch ihr Interesse für das Schiessen. Fabia wechselte damals vom Kunst- zum Geräteturnen. «Ich muss nun nicht mehr so oft und intensiv trainieren und habe immer noch Freude am Turnen», sagt sie. Rückblickend sieht sie ihre Fortschritte in gewissen Fächern. Besonders froh war Fabia, als sie zum ersten Mal den sogenannten Ronda-Flick, also einen Rückwärtsüberschlag, meisterte. «Es ist schwierig, die eigene Angst zu überwinden. Aber als ich den Sprung endlich geschafft habe, war ich wirklich froh. Denn ich hatte mein Ziel nach langem Training erreicht.» Aktuell beschäftigt sie sich vor allem mit den Schaukelringen, Barren und Reck. «Ich liebe das Gefühl, in der Luft zu schwingen», sagt die Urdorferin.

Die Zukunft ist noch offen

Die neuen Herausforderungen von Fabia bieten sich in der Sekundarschule Moosmatt. Neben dem Turnen und Reiten trifft sie gerne Kolleginen oder macht gar nichts. Wie es sich für eine gesunde, fröhliche 13-Jährige gehört. Grosse Ambitionen für die Zukunft hat sie noch nicht, aber Fabia würde gerne Menschen oder Tieren helfen. Etwa als Tierärztin oder Physiotherapeutin. Eine Karriere als Schützin, Polizistin oder Infanteristin strebt sie nicht an. Ob sie sich in einem Schützenverein engagieren werde, lässt sie offen. Sie weiss nur, dass Schiessen Spass macht.

Zur Glanzleistung ihrer Tochter beim Knabenschiessen sagt Mutter Evelyne Bollinger: «Fabia hat die rummelnde Umgebung ignoriert, sie war zielsicher und ruhig. Aber ihr Erfolg hat sicher auch etwas mit Glück zu tun gehabt.» Mutter und Tochter sind gespannt, ob Fabia beim nächsten Knabenschiessen erneut eine derart gute Leistung erbringen wird. 2019 kehren die Bollingers sicherlich zum Schiessplatz Albisgüetli zurück. Vielleicht lässt sich Fabia sogar bei der ankommenden Chilbi in Urdorf beim Schiessstand blicken.