Eigentlich hätte sich Sheila Zingg ruhig zurücklehnen können. Dank ihren hervorragenden Vornoten, die die Hälfte der Abschlussnote ausmachen, war ihr die Matur an der Kantonsschule Limmattal bereits sicher. Trotzdem hat die Geroldswilerin sich auch nach dem Unterricht zu Hause noch jeweils mehrere Stunden dem Lernen hingegeben. Ein Aufwand, der sich gelohnt hat. Sie hat die Matur als Jahrgangsbeste mit einem Schnitt von 5,62 abgeschlossen.

Der Grund für diesen Effort ist einfach: «Ich wollte unbedingt den Schnitt von 5,3 schaffen, um in die Schweizerische Studienstiftung aufgenommen zu werden.» Dort winken nebst Stipendium auch wertvolle Auslandkontakte. «Die Stiftung interessiert mich zudem, weil sie sich für Auslandprojekte einsetzen», so Zingg.

Ein Auslandprojekt hat sie auch selbst bereits hinter sich. Für ein ganzes Jahr war sie Austauschschülerin in Fukuoka, Japan. Die 18-jährige Absolventin mit den auffälligen Kleidern hat schon früh im Leben eine Schwäche für Mangas, die japanische Form von Comics, entwickelt. Auch dadurch erhielt sie schon in jungen Jahren einen Bezug zum Land der aufgehenden Sonne. Die Videospiele, die Zingg in ihrer Freizeit spielt, stammen ebenfalls vorzugsweise aus Japan. Um sich dort besser verständigen zu können, hat sie zuvor während eines Jahres einen Japanisch-Kurs besucht. Inzwischen kann sie sich mündlich wie schriftlich ganz ordentlich auf Japanisch verständigen.

Mit sechs Jahren in die Schweiz

Der Bezug zu fremden Sprachen und Kulturen wurde der Tochter einer indischen Mutter und eines Schweizer Vaters praktisch in die Wiege gelegt. Geboren in Holland, ist sie im Alter von sechs Jahren in die Schweiz gezogen. «Wir sprechen zu Hause Englisch. Und Japan kann man im Gegensatz zu europäischen Ländern nicht mal eben kurz besuchen,» erklärt sie ihre Entscheidung zugunsten eines Auslandjahres in Japan.

Während ihres Auslandjahres war sie Gast bei insgesamt fünf Familien und hat zahlreiche Freundschaften geschlossen. Diese wird sie demnächst schon wieder in ihre Arme schliessen können. «Ich verbringe meine zweimonatigen Sommerferien in Japan», freut sich Zingg.

Game-Design ist hoch im Kurs

Nach den Ferien beginnt dann wieder der Ernst des Lebens. Im September startet die Geroldswilerin ein Informatikstudium an der ETH. Bereits während ihrer Zeit an der Kantonsschule gehörte das Ergänzungsfach Informatik zu ihrem Stundenplan. «Die Informatik bietet viel Neues und Verschiedenes. Sie ist interdisziplinär und das gefällt mir besonders an diesem Berufsfeld.»

Aufgrund dieser Interdisziplinarität kann sich die zukünftige Studentin noch nicht festlegen, in welchen Berufszweig sie später einsteigen möchte. «Meine Vorlieben können sich schnell ändern, deshalb ist noch nichts in Stein gemeisselt.» Game-Design oder Datensicherheit stünden bei ihr derzeit jedoch hoch im Kurs.

Einen Teil ihrer Freizeit widmet Zingg unter anderem Videospielen. Das Multitalent fühlt sich ausserdem auch zur Kunst hingezogen. Ein relativ neuer Trend sorgt dafür, dass die junge Frau beide Interessen miteinander verknüpfen kann. Dieser heisst «Cosplay». Hierbei verkleiden sich die Teilnehmer als einen Charakter aus einem beliebigen Fantasie-Universum, wie sie in Games, Mangas und Filmen zuhauf existieren. «Ich designe und nähe meine Kostüme selber», sagt Zingg. So habe sie auch ihr Kleid, das sie an der Maturfeier getragen hat, selbst angefertigt.

Die Maturfeier stellte einen Abschluss und zugleich auch einen Neuanfang eines Lebensabschnitts dar. Diesen betrachtet die 18-Jährige mit einem lachenden und einem weinenden Auge. «Einerseits bin ich froh, dass wir es hinter uns haben. Andererseits wird einem schmerzlich bewusst, dass man manche Menschen wahrscheinlich nicht mehr sehen wird.»