Ihren 70. Geburtstag wird die seit 1944 bestehende Bäuerinnenschule im Kloster Fahr nicht mehr erleben. Ende Juli 2013 schliesst sie nach 69 Jahren ihren Tore. Die Gründe für diesen Entscheid sind finanzieller und personeller Natur, wie das Kloster mitteilt. Vor allem die Altersstruktur der Gemeinschaft gebe Anlass, die Kräfte zu bündeln.

Von den 24 Schwestern im Kloster sind gerade noch drei unter 50 Jahre alt. Der grösste Teil - 17 Schwestern - sind zwischen 64 und 79 Jahre alt, vier Schwestern sind über 80. Zudem beläuft sich das Defizit der Schule auf jährlich 150 000 bis 200 000 Franken. «Die Schulleitung musste in den letzten Jahren, seit sie die Subventionen nicht mehr direkt vom Bund erhielt, immer wieder erfahren, dass verschiedene Kantonsregierungen keine Beiträge an die Ausbildung zahlen. Damit hat sich die finanzielle Situation zusehends zugespitzt», heisst es. Überdies hätte das seit 50 Jahren bestehende Schulgebäude in den nächsten Jahren dringend saniert werden müssen. All dies habe die Schwesterngemeinschaft dazu bewogen, nach dem Frühlingskurs 2013 die Tore der Bäuerinnenschule zu schliessen.

«Der Entscheid ist uns nicht leicht gefallen. Dennoch spüre ich bei den Schwestern eine grosse Erleichterung», sagt Priorin Irene. Es sei der richtige Zeitpunkt. Die Schule erfreue sich grosser Beliebtheit. Alle Kurse seien ausgebucht. Es gebe sogar eine Warteliste. «Es ist wie bei einem Sportler, der auf dem Höhepunkt seine Karriere beendet», so die Priorin.

Zukunft des Gebäudes ist offen
Mit der Schliessung geht für die Schwestern dennoch ein wichtiger Teil ihres Lebens verloren. «Alle Schwestern kennen das Kloster nur mit der Schule. 15 von ihnen haben die Schule sogar besucht und so den Weg in unsere Gemeinschaft gefunden», hält die Priorin fest. Überdies seien die Schwestern dank dem Kontakt mit den jungen Frauen immer am Puls der Zeit gewesen. Das habe wesentlich zur Offenheit der Schwesterngemeinschaft beigetragen.

«Diese Offenheit wollen wir weiterpflegen», sagt die Priorin. Dies sei beispielsweise über Führungen möglichen. Es sei vorstellbar, in Zukunft Spezialführungen durch den Garten ins Programm aufzunehmen. «Eine andere Gelegenheit, den Kontakt mit der Bevölkerung zu pflegen, sind die Glaubenskurse, die Schwester Marianne anbietet», so die Priorin.

Noch offen ist, was mit dem Schulgebäude geschehen wird. «In irgendeiner Form wollen wir die Infrastruktur weiter nutzen», hält die Priorin fest. Allerdings müsse diese Nutzung als Finanzierungsquelle für den Unterhalt der weiteren Gebäude dienen. «Welchen Zweck auch immer das Gebäude in Zukunft haben wird, er muss zum Kloster passen», sagt sie.

Gegründet wurde die Schule vom damaligen Propst Anselm Knüsel. Er erkannte die Notwendigkeit, dass die Frauen in der Landwirtschaft im und nach dem Zweiten Weltkrieg eine gute Ausbildung brauchten. Zudem gab es im Kloster damals «Kochlehrtöchter», Frauen, die in der Klosterküche das Kochen erlernten. Die Eröffnung der Schule war eigentlich eine Professionalisierung dieses Angebots.