In der Wiese sind die Urnen vergraben, an der angrenzenden Mauer finden sich die dazugehörigen Namensschilder der Menschen, die ihre letzte Ruhe in einem Gemeinschaftsgrab auf dem Weininger Friedhof finden. Die Mauer besticht durch ihre Textur. Aus verschiedenen Steinen mit allerhand Farben und Strukturen ist sie zusammengestellt. Doch handelt es sich dabei nicht um ein Kunstprojekt, sondern viel eher um das Resultat von Wiederverwertung oder Recycling. Denn: Die Mauer besteht aus Grabsteinen, die bei der letzten Grabräumung im vergangenen September entfernt wurden.

Die Weininger Friedhofsvorsteherin Noeline Schulz bestätigt dies auf Anfrage: «Der Platz auf der im Jahr 1990 erstellten Gemeinschaftsgrabwand wurde langsam knapp. In den letzten Jahren stieg die Nachfrage nach Gemeinschaftsgräbern», so Schulz. Man habe eine Lösung finden müssen. Die alten Grabsteine boten sich an. Denn: Werden diese nach der 20-jährigen Ruhefrist nicht von den Angehörigen beansprucht, landen sie in der Regel im Steinschredder und werden zu Wegbaumaterial – sprich Kies.

Gemeinschaftsgräber begehrt

In einem Friedhofsmagazin habe Schulz dann die Idee zum Mauerbau aus Grabsteinen entdeckt und der Friedhofskommission vorgeschlagen. «Diese hat sich erst die Frage gestellt, ob einige Menschen diesen Mauerbau als pietätlos empfinden würden», so Schulz. Doch überwog der Gedanke, dass die Steine auf diese Weise sinnvoll wiederverwertet werden können. Die Anzahl der Grabmäler, die zum Mauerbau verwendet wurden, ist nur schwer zu beziffern. «200 Gräber wurden im vergangenen September ausgehoben, doch fanden längst nicht alle Steine Verwendung für die neue Mauer», so Schulz. Eine geringe Anzahl sei von Angehörigen der Verstorbenen abgeholt worden. Merklich mehr Steine kamen jedoch nicht infrage, weil sie rundlich geschliffen oder sehr stark verziert waren, so Schulz. Um die Privatsphäre der Verstorbenen zu bewahren, wurden die Steine so in die Mauer eingebaut, dass die Beschriftung nach hinten oder nach unten zeigt.

Aus der Weininger Bevölkerung habe Schulz bisher ausschliesslich positives Feedback erhalten. «Die Menschen erfreuen sich ob der schönen Mauer», sagt sie.