Geroldswil
Die Artenvielfalt liegt im Verborgenen der Aue

In der Geroldswiler Aulandschaft entlang der Limmat leben unzählige Tiere, die den wenigsten bekannt sind

David Hunziker
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Albert Demut zeigt den Exkursionsteilnehmern einen Edelkrebs.

Albert Demut zeigt den Exkursionsteilnehmern einen Edelkrebs.

David Hunziker

Geht man als normaler Spaziergänger durch die geschützte Aulandschaft unterhalb von Geroldswil, sieht man erst einmal gar nichts. Die unzähligen Tierarten, die sich nach der Renaturierung des Gebiets hier angesiedelt haben, verstecken sich zwischen Schilfrohren und in trübem Wasser. Um einen Einblick in diese Welt zu geben, hat der Natur- und Vogelschutzverein Limmattal rechtes Ufer am Samstag eine Exkursion in die Auen organisiert. Geführt wurde sie von Albert Demut, seit 2010 Pächter des Länggenbachs und langjährig engagiert in zahlreichen Fischerei-, Jagd- und Naturschutzvereinen.

Demut hat sich mit der Pacht dieses Gewässers, das vom Weininger Weiher bis in die Limmat fliesst, das Recht erworben, darin zu fischen. Es ist ihm wichtig, dass die Fischerei als Teil des Naturschutzes gesehen wird. «Die verschiedenen Parteien sollen miteinander arbeiten, nicht gegeneinander», sagt er.

Enten bringen den Fischlaich

Den ersten Halt macht die knapp dreissigköpfige Gruppe bei einem Teich, der gleich hinter dem Damm unterhalb der Fussballplätze liegt. Von Passanten darf dieses Gebiet nicht betreten werden, Demut hat aber eine Erlaubnis vom Kanton. Er betont, dass der Lebensraum der Tiere ungestört sein muss – entweder Baden und Grillieren oder eine grosse Biodiversität.

Demut greift in einen Behälter mit Wasser und holt einen etwa zehn Zentimeter grossen Krebs heraus. Es handelt sich um einen Edelkrebs, der sehr empfindlich auf Wasserverschmutzungen reagiert und darum selten ist. Auch andere Flusskrebse – etwa der Steinkrebs – haben sich hier angesiedelt. Interessiert, aber aus sicherer Distanz schauen die Kinder auf den Krebs.

Obwohl der Teich weder einen Zu- noch einen Abfluss hat, leben darin auch zahlreiche Fischarten, deren Laich etwa von Enten eingeführt wurde. Dazu gehören unter anderen der Hecht, der Karpfen, die Rotfeder oder der Döbel. Auch die Luft ist reich bevölkert: Zu den seltenen Vögeln, die hier gesehen werden, gehören der Eisvogel, der Silberreiher oder der Kranich. Bei so viel Artenvielfalt entstehen auch Konflikte – etwa zwischen Enten und Hechten. Hier setzt der positive Effekt der Fischerei ein: Nur wenn zu räuberische Arten – etwa der Kamberkrebs – entfernt werden, kann sich ein vielfältiges Ökosystem erhalten.

Bevor der von der Garage Balzer in Geroldswil gesponserte Imbiss eingenommen wird, steht ein weiterer Stopp beim Länggenbach an. Mit einem Verfahren, das man Elektrofischerei nennt, demonstriert ein Mitarbeiter der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung, dass in diesem trüben Gewässer tatsächlich Fische leben. Dabei werden die Fische an eine Stromquelle angezogen, bevor sie mit einem Netz eingefangen werden können. Die Männer werden sofort fündig: Auf Anhieb zappeln eine Döbel und eine Schleie im Netz.