Dietikon/Schlieren
Die Anträge der beiden Stadträte zum Landkauf der Limeco liegen vor

Entweder Dietikon oder Schlieren muss den Kauf des Coop-Areals in Dietikon durch die Limeco gutheissen, damit der Landerwerb klappt. Nun haben die beiden Stadträte ihre Anträge an die beiden Stadtparlamente übermittelt.

David Egger
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Links das heutige Coop-Areal, hinten das heutige Grundstück der Limeco. Dort lässt sich keine grössere Kehrichtverwertungsanlage mehr bauen. Sandro Zimmerli

Links das heutige Coop-Areal, hinten das heutige Grundstück der Limeco. Dort lässt sich keine grössere Kehrichtverwertungsanlage mehr bauen. Sandro Zimmerli

Sandro Zimmerli

Es geht um 90 Millionen Franken. Für diesen Betrag will die Limeco als Betreiberin der Limmattaler Kehrichtverwertungsanlage (KVA) in Dietikon das benachbarte Areal kaufen. Darauf soll etwa 2030 für rund 285 Millionen Franken eine neue KVA entstehen, da die alte dann ausgemustert werden muss. Heute betreibt Coop auf dem fraglichen Areal eine grosse Verteilzentrale.

Während der Urdorfer Gemeinderat dem Landkauf ablehnend gegenübersteht, stimmen ihm die Stadträte Dietikon und Schlieren zu (die Limmattaler Zeitung berichtete). In den jetzt vorliegenden Anträgen der beiden Stadträte hat es neue Informationen, die bisher noch nicht öffentlich waren. So schreibt der Dietiker Stadtrat insbesondere, dass es weit über 100 Millionen Franken kosten würde, wenn die heutige KVA ausser Betrieb genommen werden müsste, um am gleichen Standort eine neue zu bauen – was die beiden Stadträte aber sowieso als unmöglich beurteilen. Die genannten über 100 Millionen Franken ergeben sich insbesondere daraus, dass die Einnahmen aus der Kehrichtentsorgung ebenso wie aus dem Stromverkauf ausfallen würden. Zudem müsste das Regiowärme-Netz, das derzeit massiv ausgebaut wird, aus einer anderen Wärmequelle gespiesen werden, was wiederum kostet. Und schliesslich würde man auch Kunden verlieren. Ein Neubau am heutigen Standort sieht der Dietiker Stadtrat daher als nicht wirtschaftlich, technisch kaum machbar und aufgrund der neuen Moorschutz-Bestimmungen als undenkbar an. Das Fazit des Stadtrats: Ohne Landerwerb verliert das Limmattal seine KVA, die Limeco müsste sich strategisch völlig neu ausrichten und eine neue Wärmequelle für ihr Regiowärmenetz suchen.

Kommt hinzu: Den heutigen KVA-Standort will die Limeco dereinst nutzen, um ihre Abwasserreinigungsanlage (ARA) für rund 70 Millionen Franken auszubauen. Klappt es nicht mit dem Landerwerb, müsste auch hinter diesen Plan ein grosses Fragezeichen gesetzt werden.

Auch der Neubau der KVA wird am Schluss ein Ausbau sein: Die heutige Anlage schafft etwas mehr als 90 000 Tonnen Abfall im Jahr, die neue wäre dann auf 120 000 Tonnen ausgelegt, heisst es nun im Antrag des Dietiker Stadtrats. So viel wird der KVA Dietikon im Vier-Standorte-Konzept des Kantons Zürich zugewiesen. Neben der KVA Dietikon gehören die KVA Hagenholz in der Stadt Zürich sowie die Anlagen in Hinwil und Winterthur zum Konzept. Die Dietikon zugewiesene Kapazität von 120 000 Tonnen ist kleiner als die Kapazität, die der Richtplan für den Standort Dietikon maximal vorsieht (160 000 Tonnen). Ein späterer Ausbau der neuen Anlage wäre also möglich, wenn sie nicht von Beginn weg mit 160 000 Tonnen Kapazität gebaut wird. Wie gross die neue Anlage aber wirklich wird, wird wohl erst die Planung zeigen, sobald der Landkauf unter Dach und Fach ist.

Das Einwohnerwachstum spielt mit

Dass überhaupt grössere Anlagen als die heutigen angepeilt werden, hat auch mit dem Wachstum zu tun. So wird die Limmattaler Bevölkerung im laufenden Zeitraum zwischen 2010 und 2035 um voraussichtlich 33 Prozent zunehmen, wie der Dietiker Stadtrat auch in seinem Antrag erwähnt. Allein im Bezirk Dietikon ist die Einwohnerzahl zwischen 2010 und 2016 von rund 80 000 auf 89 000 Personen angestiegen. Zudem gibt es immer neue Regelungen: Die ARA etwa muss zusätzliche Verfahrensstufen einbauen, um Mikroverunreinigungen im Abwasser eliminieren zu können.

Dietikon handelt derzeit Vertrag aus

Der Dietiker Stadtrat hält weiter fest, dass geeignete Grundstücke für grössere Infrastrukturanlagen im Limmattal mit seinem hohen Siedlungsdruck sehr rar sind. Einen Teil des Coop-Areals wird die Limeco zudem nicht selbst beanspruchen. Rund 30 bis 40 Prozent sollen der Wertschöpfung oder der Erfüllung anderer öffentlicher Aufgaben zur Verfügung stehen. Dietikon als Standortstadt will in die Planung eng einbezogen werden und dies auch in einer Vereinbarung mit der Limeco festschreiben, die derzeit ausgehandelt wird.

Es wird davon ausgegangen, dass sich mit dem Projekt der Verkehr halbiert. Heute verursachen Coop und KVA zusammen rund 500 Lastwagenfahrten pro Tag. Die Stadt Dietikon sieht den Landerwerb auch als Beitrag an die Energiewende. Nur mit ihm kann die Regiowärme weiter ausgebaut und der Limmattaler CO2-Ausstoss um 23 000 Tonnen pro Jahr reduziert werden.

Zurück zu den Kosten: Die Gemeinden zahlen nichts daran, der Landkauf soll günstig fremdfinanziert und das Kapital bis 2046 zurückgezahlt werden. Zieht man die Miete – die Coop der Limeco zwischen sechs und zwölf Jahre lang zahlen wird – vom Kaufpreis ab, ergibt sich ein Nettokaufpreis von 40 bis 65 Millionen Franken.