Dietikon
Die Angreifer von Eritreer-Fest sind selber aus Eritrea

Eritreer wollten in der Stadthalle 22 Jahre Unabhängigkeit feiern. Dabei wurden sie von einer Gruppe Gewalttätiger angegriffen, unter denen sich Eritreer selbst befanden. Es ist nicht das erste Mal, das Eriteer aneinander geraten

Sarah Serafini
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Stadthalle Dietikon: Hier kam es zur Schlägerei zwischen verschiedenen Gruppen aus Eritrea.

Stadthalle Dietikon: Hier kam es zur Schlägerei zwischen verschiedenen Gruppen aus Eritrea.

zvg

Bei den zwei Personen, die nach einer Schlägerei vor der Stadthalle Dietikon festgenommen wurden, handelt es sich um Eritreer. Dies bestätigt Beat Jost, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich. Eine grössere Gruppe griff am Samstagabend eritreische Besucher der Stadthalle an, die dort 22 Jahre Unabhängigkeit ihres Landes feiern wollten (Limmattalerzeitung.ch berichtete). Die zwei Eritreer wurden inzwischen wieder aus der Haft entlassen, wie Jost sagte.

Der Vorfall in Dietikon ist kein Einzelfall. Schon 2011 stoppte die Polizei in Winterthur einen Demonstrationszug von rund 120 Personen dunkler Hautfarbe. Dieser befand sich auf dem Weg zur City Halle, wo Eritreer die Unabhängigkeit von Äthiopien feierten. Nur weil die Polizei die Demonstranten rasch einkesselten, konnte eine Eskalation verhindert werden.

Militante Oppositionsgegner

Auch damals befanden sich unter der Gruppe, die gegen das Unabhängigkeitsfest demonstrierte, eritreische Staatsangehörige. Toni Locher, Präsident des schweizerischen Unterstützungskomitees für Eritrea, sagte damals gegenüber dem «Landboten», dass es sich bei den Festgegnern um eine militante Gruppe von Oppositionsgegnern handle. Dies wiederholte er am Sonntag gegenüber «Tele Züri». Ein Mitglied von Eritrea Verein Zürich und Umgebung bestätigt zudem, dass es schon bei früheren eritreischen Festen, wie demjenigen von 2011, zu gewalttätigen Angriffen durch eigene Staatsangehörige gekommen sei. Hätte die Schlägerei in Dietikon vor diesem Hintergrund verhindert werden können?

Männer waren keine Unbekannte

Milos Micanovic von Kobra Security war am Samstag vor Ort für die Sicherheit des Festes zuständig. Er sagt, er habe nach dem Vorfall mit dem Organisator des Festes gesprochen. Dieser habe ihm bestätigt, dass er unter den Schlägern eritreische Staatsangehörige erkannt habe. Auch andere Festbesucher sagten aus, dass es sich bei den Männern nicht nur um Unbekannte handelte. Micanovic schätzt die Zahl der Gewalttätigen von Samstag auf 100 bis 150 Personen: «Anfangs verhielten sie sich ganz ruhig und mischten sich unter die wartenden Festbesucher vor der Stadthalle. Dann begannen sie, wahllos Leute zu verprügeln.»

Als der Sicherheitsdienst und die Polizei eintrafen, ergriffen die Täter die Flucht. Nur zwei Personen konnten festgenommen werden. Micanovic sagt: «Die Täter wussten, dass noch mehr Leute auf dem Weg zum Fest waren, und wollten ihnen am Bahnhof abpassen.» Bei den Schlägereien wurden neun Personen verletzt, von denen sich gestern noch zwei in Spitalpflege befanden.

Das Fest der eritreischen Unabhängigkeit findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt. Dass sich die Veranstalter 2013 für die Stadthalle entschieden hatten, freute Reto Siegrist, den Präsidenten der Genossenschaft Stadthalle Dietikon. Dass es dann am Samstagabend zum gewalttätigen Vorfall kam, bedauert er: «Für uns war diese Situation nicht voraussehbar.»

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