eWie der Mythos vom Phönix aus der Asche liest sich die Geschichte des Gewerbecampus Geroldswil: Ab Mitte der 1980er-Jahre war im beigen Gebäude zwischen der Limmattal- und der Steinhaldenstrasse die Druckerei Götz zu Hause. Sie war bekannt, druckte etwa auch die Geroldswiler «Gemeindenachrichten».

Gut drei Jahrzehnte später kam das Ende: Am 2. Oktober 2013 eröffnete das Bezirksgericht Dietikon den Konkurs über die Firma. Zahlreiche Gläubiger verloren Geld. Die Druckerei stand bei den Gläubigern mit sechs- und siebenstelligen Geldbeträgen in der Kreide, wie ein Blick ins Gerichtsurteil zeigt. Betroffen war auch die Fischer Papier AG.

Die St. Galler Traditionsfirma machte aus der Not eine Tugend und ersteigerte 2014 das Druckereigebäude. Das Gebäude wurde umbenannt, der Gewerbecampus Geroldswil war geboren.

Die Maschinenhalle ist noch frei

Seit 1. Juni 2016 vermietet die Fischer Papier AG einzelne Räume. Kein einfaches Unterfangen, gibt es doch vielerorts leere Gewerberäume – so zum Beispiel auch im Gebäude mit der Glasfront gleich ein Haus weiter vom Gewerbecampus. Seit Media Markt 2013 seinen Schweizer Hauptsitz nach Dietikon verlegt hat, heisst es hier in grossen Lettern: «Zu vermieten».

Beim Gewerbecampus wird nur noch dezent auf die Mietmöglichkeiten verwiesen. Nachdem das Gebäude nach dem Konkurs der Druckerei zuerst zwei Jahre leer stand, sind nun schon über 2000 Quadratmeter Gewerbefläche an rund 20 verschiedene Firmen vermietet – das entspricht mehr als zwei Dritteln des Angebots. «Ich war von Anfang an optimistisch, aber dass es so schnell geht, hätte ich nicht gedacht», sagt nun Walter Künzler, Mitglied der Geschäftsleitung der Fischer Papier AG. Neben wenigen Büroräumen ist vor allem die ehemalige Maschinenhalle noch verfügbar. «Ich bin zuversichtlich, auch diese Flächen bald an zufriedene Mieter übergeben können», sagt Künzler.

Die Zutatenliste für den Erfolg

Der schnelle Erfolg des Gewerbecampus ein Jahr nach Vermietungsstart hat mehrere Gründe: So überliess Künzler die Bewirtschaftung nicht einer Immobilienfirma, sondern legte selber Hand an, damit er eine eigene, spezielle Vermietungsstrategie fahren kann.

Wichtig war ihm, keinen einzelnen grossen Mieter zu suchen, denn dies ist schwierig. «Das Bedürfnis nach kleineren Gewerberäumen ist dagegen durchaus vorhanden», so Künzler.
Eine weitere Erfolgszutat: Die Sanierung und der Innenausbau der einzelnen Räume wird jeweils erst gemacht, wenn der Mieter feststeht – dieser soll mitreden können, damit er den auf sich zugeschnittenen Raum erhält – ein unter Mietern nicht immer übliches Privileg. Wer will, darf den Innenausbau selber vornehmen.

Die Rettung fürs Gubrist-Gewerbe

Diese Strategie ging auf: Viele kleinere Mieter sind in den Gewerbecampus gezogen. Manche mieten nur einen Teil der Tiefgarage, andere mehrere Räume. Es ist ein buntes Gemisch: Von einer Telemarketing-Firma und einer Musikschule über eine spirituelle Lebensberaterin und einen Portugiesen-Verein bis hin zur Schlieremer Firma Foodlodge, die hier in Geroldswil Backmischungen herstellt und den Detailhändler Lidl beliefert, ist vieles dabei. Zudem hat etwa die Reinigungsfirma All-Clean AG ihren Büro-Hauptsitz von der Stadt Zürich in den Gewerbecampus verlegt. Sie beschäftigt über hundert Mitarbeiter.

Auch Einheimische spielen eine wichtige Rolle: So zum Beispiel der Geroldswiler Andreas Pape. Er war jahrelang Präsident der Weininger Genossenschaft Gewerbehaus Gubrist, das dem Ausbau der Nordumfahrung weicht. Papes Firma, die Pape Werbe AG, hat ihren Betrieb in den neuen Weininger Gewerbepark Chrummacher an der Grenze zu Geroldswil verlegt. Zusätzlich hat sie Räume im Gewerbecampus Geroldswil gemietet. Dort haben auch Papes Oldtimer Unterschlupf gefunden. Ebenfalls aus dem Gewerbehaus Gubrist ist die Garten-Growshop-Firma Gartenpirat in den Gewerbecampus gezügelt.

In Schlieren inspirieren lassen

Andreas Pape hatte Walter Künzler beim Vermietungsstart geholfen. Dafür liess er sich in Schlieren inspirieren. Dort schaute er sich die Start-up-Szene genauer an, so zum Beispiel die Start-up-Räume im Sony-Gebäude gleich beim Bahnhof. Offenbar eine gute Inspiration, ist doch der Geroldswiler Gewerbecampus inzwischen auch so etwas wie ein Start-up-Space.

Der Gewerbecampus ist auch eine wichtige Adresse für Hündeler: So befinden sich hier das Schweizerische Ausbildungszentrum für Hundecoiffeusen, der Hauptsitz des Schweizerischen Hundepflege-Verbands, ein Fachausstatter für Hundesalons und Tierarztpraxen sowie die Bernhardinerzucht-Experten von Barry Familiy and Friends, wo Andreas Pape Vizepräsident ist. Mit im Vorstand: Markus Kretz. Der Geroldswiler und die Bernhardiner sind prominent.
Warum es keine Wohnungen gab

Anfangs hatte man sich auch überlegt, die alte Druckerei in ein Wohngebäude umzunutzen. Doch die Investitionen für den Umbau wären viel zu hoch gewesen. Nun gehen dafür im Gewerbecampus zahlreiche Firmen ihren guten wirtschaftlichen Aussichten nach. Vom Konkurs der ehemaligen Druckerei spricht heute niemand mehr. Stattdessen lebt das Gewerbe neu auf.