Nun ist es definitiv: Stefan Bolz (AL) gab gestern bekannt, dass er sich als Kandidat für die Oberengstringer Gemeinderatswahlen vom 18. Mai aufstellen lässt. Im zweiten Wahlgang wird sich das Rennen um den letzten freien Sitz zwischen ihm und Kurt Leuch, dem Präsidenten des Politischen Forums Engstringen, entscheiden. Leuch hatte seine Kandidatur bereits letzte Woche bekannt gegeben.

Wie Bolz wiederholt betonte, hatte er einzig noch auf die Unterstützung der SP gewartet. Eine Kandidatur ohne die Unterstützung einer grossen Partei kam für ihn nicht infrage. An ihrer Mitgliederversammlung vom Donnerstag hat die SP Bolz ihre Unterstützung zugesichert.

Obwohl die SP nun mit an Bord ist und Bolz schon länger mit einer Kandidatur liebäugelte, kommt sein Entscheid überraschend; oder besser gesagt der Zeitpunkt seines Entscheids. Denn nach Bekanntgabe der Kandidatur Leuchs hat sich die Ausgangslage stark verändert: Während es zuvor so aussah, als hätte Bolz im Fall einer Kandidatur beste Chancen auf einen Sitz, scheint die Lage nun chancenlos zu sein.

Leuch ist in der Gemeinde gut vernetzt und geniesst die volle Unterstützung des bürgerlichen Lagers. Nach einer langen und ergebnislosen Suche zeigten sich die Exponenten von SVP, FDP und CVP erfreut über Leuchs Kandidatur.

Die zurückgetretene SP-Gemeinderätin Käthi Mühlemann, deren Nachfolge am 18. Mai entschieden wird, sagt, dass sich die Kandidatensuche auch bei der SP schwierig gestaltet habe. «Weil in Oberengstringen ein Fünftel der Wähler hinter uns steht, sollte jemand aus dem linken Lager im Gemeinderat vertreten sein», findet sie. Deshalb hat die SP Bolz zu einer Kandidatur ermutigt.

Für die SP ins Rennen

Bolz bestätigt dies. «Die SP hatte sicher die Idee, mit meiner Kandidatur den Sitz von Käthi Mühlemann wiederzuerlangen. Da ich immer gute Beziehungen zur SP hatte, ist das für mich kein Problem», sagt Bolz.

Er sei nicht erstaunt, dass die Oberengstringer Parteien bei der Kandidatensuche Mühe bekunden. «Der Gemeinderat hat hier nicht gerade den besten Ruf», sagt der AL-Politiker. Mühlemann spricht von «einem anspruchsvollen Amt, einem anspruchsvollen Ressort und einer anspruchsvollen Behörde».

Dass die bürgerlichen Parteien doch noch einen Kandidaten gefunden haben, erstaunt Bolz nicht; dass es Leuch ist dagegen schon. «Da er schon einmal im Gemeinderat war und sich nur noch mit dem unerreichbaren Präsidentenamt steigern könnte, habe ich nicht mehr mit ihm gerechnet.»

Seine Chancen ständen «sicher unter 50 Prozent», schätzt Bolz die Lage ein. Gegen die versammelten bürgerlichen Parteien habe er es schwer. «Man könnte schon sagen, dass ich gegenüber den Bürgerlichen so etwas wie eine Oppositionsrolle einnehme – schliesslich bin ich der einzige Kandidat, der nicht an ihrem abgekarteten Spiel teilnimmt», sagt der AL-Kandidat.