Dietikon
Die akut bedrohte Dietiker «Spielgruppe Plus» ist nun gerettet

Lange hat die Stadt Dietikon erfolglos nach einer neuen Trägerschaft gesucht, um das Projekt «Spielgruppe plus» weiterzuführen. Letztes Jahr sah es aus, als müsste die Gruppe geschlossen werden. Nun springt der Kanton ein.

Bettina Hamilton-Irvine
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Die «Spielgruppe plus» in Dietikon wird in Zukunft über den kantonalen Integrationsfonds bezahlt. Symbolbild

Die «Spielgruppe plus» in Dietikon wird in Zukunft über den kantonalen Integrationsfonds bezahlt. Symbolbild

Der Fortbestand und die Finanzierung der «Spielgruppe plus» in Dietikon ist gesichert. Dies erklärte Stadtpräsident Otto Müller (FDP) am Donnerstagabend im Dietiker Parlament. Man habe vereinbart, das Projekt in Zukunft über den Integrationsfonds des Kantons zu finanzieren.

Vergebliche Suche

Müller reagierte mit dieser Information auf die Motion der grünen Gemeinderätin Catalina Wolf-Miranda, die den Stadtrat hatte beauftragen wollen, den Fortbestand der Spielgruppe sicherzustellen. Denn das Projekt, das Kinder in Deutsch fördert, war akut bedroht. Es wurde in Dietikon 2009 initiiert und durch Elternbeiträge und den Kanton finanziert. Da die Kantonsgelder jedoch nun anderweitig eingesetzt werden müssen, suchte die Stadt lange vergeblich eine neue Trägerschaft.

Unterdessen sei die Motion aber unnötig geworden, sagte Müller und beantragte eine Ablehnung. Wolf entschied sich schliesslich, den Vorstoss zurückzuziehen.

Ein «wahnsinniges Spektakel»

Gar nicht glücklich damit war Rosmarie Joss (SP), die das Ganze ein «wahnsinniges Spektakel im Slalomfahren» nannte. Dass man auf die Argumentation des Stadtpräsidenten eingehe, finde sie seltsam, sagte Joss. Es wäre ihr viel lieber gewesen, man hätte die Motion als Druckmittel benützt, um sicherzustellen, dass der Stadtrat sich wirklich an sein Versprechen halte.

Zuvor hatte Wolf dargelegt, dass zurzeit in Dietikon 55 Kinder von der «Spielgruppe plus» profitierten. Sie rechnete vor, dass pro Kind und Jahr ungedeckte Kosten von 1000 Franken entstünden. «Eine günstige Lösung, wenn man bedenkt, dass in der Schule für Deutsch als Zweitsprache jährlich 2,6 Millionen ausgegeben werden», so Wolf. Wenn man zudem bedenke, dass in Dietikon 71 Prozent der Schulkinder einen Migrationshintergrund hätten, tue sich die Stadt keinen Gefallen, wenn sie nicht alles daran setze, um die «Spielgruppe plus» am Leben zu erhalten.

SVP spricht von «Blödsinn»

Irritiert auf dieses Votum reagierte Rochus Burtscher (SVP), der die Begründung «Blödsinn» nannte und erklärte, die Motionärin sei wohl «im tiefsten diktatorischen Kommunismus» stecken geblieben. Es sei ein Witz, zu glauben, Dietikon habe die finanziellen Mittel, um die Spielgruppe zu finanzieren. Burtscher monierte, ein Grossteil der Eltern bemühe sich überhaupt nicht um Integration und mache dann beim Staat «die hohle Hand». Man müsse stattdessen auf Eigenverantwortung setzen.

SP will Folgekosten vermeiden

Man könne zwar sagen, die Förderung der Kinder sei nicht das Problem der Gemeinde, sagte Sven Koller (SP). Dann dürfe man sich aber auch nicht beklagen, wenn danach die Folgekosten explodierten. Man müsse integrationswillige Familien mit einem entsprechenden Angebot unterstützen.

Den Wert der Spielgruppe gelobt hatte auch Cécile Mounoud (CVP). Je früher man mit der Sprachförderung beginne, desto besser würden Kinder integriert, sagte sie. Nachdem bekannt wurde, dass die Finanzierung des Projekts gesichert ist, entschied sich die CVP, dass es nicht mehr nötig sei, die Motion zu überweisen.