Der orange-weisse Zug der Bremgarten-Dietikon-Bahn (BD) ist ein Stück Schweizer Industriegeschichte. Am 31.März 2011 tritt dieser Doppelgelenk-Triebwagen seine letzte Arbeitsfahrt an, wie die BD gestern mitteilte. Die Erinnerung an ihn soll aber erhalten bleiben, dafür setzt sich die Interessengemeinschaft «IGBDe8/8» ein. Ihr Ziel: Der Zug «Nr.7» soll als Gesellschaftswagen erhalten bleiben, er wird zu diesem Zwecke restauriert. Der Eventzug soll ein «stillvolles Essensabteil» und eine «gemütliche Lounge» erhalten. Wenn alles klappt, wird die «Nr.7» im Frühjahr 2012 zur Verfügung stehen, sagt René Fasel Leiter Bahnbetrieb bei der Bremgarten-Dietikon-Bahn und Mitglied der Interessengemeinschaft.

Die Bremgarten-Dietikon-Bahn setzt seit 1969 auf den Typ BDe 8/8. Neun Kompositionen wurden eingesetzt. Derzeit sind noch deren zwei in Betrieb. Seit Dezember 2009 werden sie nach und nach durch den moderneren Typus ABe 4/8 mit dem schillernden Namen Diamant ersetzt. Die Triebwagen haben eine Länge von 33 Metern und bieten Platz für rund 200 Passagiere. Ab April sind zwischen Dietikon, Bremgarten, Wohlen und Meisterschwanden ausnahmslos die 14 neuen Diamant-Züge im Einsatz.

High-Tech-Produkte ihrer Zeit

Die orange-weissen Züge waren bei der Inbetriebnahme auf der Höhe ihrer Zeit, setzten gar Standards. Hergestellt in Schlieren von der Wagon-Fabrik, waren sie die ersten Doppelgelenk-Triebwagen im Schmalspurbereich. Das bedeutet, statt drei einzelner Kompositionen, die gekoppelt werden, bestanden sie quasi aus einem zusammenhängenden Zugwagen mit zwei Gelenken. Neu war auch, dass sämtliche Achsen den Zug antrieben.

Das «Nonplusultra» aber waren gemäss René Fasel die Scheibenbremsen, die ersten, die in der Schweiz bei einem Zug zum Einsatz kamen.

Züge werden ausgeschlachtet und verschrottet

Ursprünglich trugen die Triebwagen weinrot-beige Farben. Aus Gründen der Verkehrssicherheit auf der Strecke zwischen Bremgarten und Dietikon wurden sie in den 70er-Jahren auf das heute für den Zug charakteristische Orange umgespritzt.

Die letzten orange-weissen Züge werden wie ihre Vorgänger ausgeschlachtet, bevor sie verschrottet werden. Das heisst, dass Routenschilder, Führersitz oder 7-Stufen-Bremsschalter zur Sanierung des Eventzugs «Nr.7» als Unikate verkauft werden. Die Teile sind laut Fasel sehr beliebt. Die Schilder, welche die Triebwagen als Produkt der Waggon-Fabrik Schlieren ausweisen, sind sogar ausverkauft.