Schlieren
Die Achse des Bösen reicht von Pjöngjang bis nach Vaduz

Simon Enzler und Daniel Ziegler setzten den Schlusspunkt hinter den zweiten Comédy Herbst. Wie es mit dem Comédy Herbst weitergehen wird, ist noch ungewiss.

Franziska Schädel
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Simon Enzler setzte den Schlusspunkt am diesjährigen Comédy Herbst
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Simon Enzler am Comédy Herbst in Schlieren
Daniel Ziegler und Simon Enzler sind ein eingespieltes Team
Simon Enzler und Daniel Ziegler setzen den Schlusspunkt hinter den zweiten Comédy Herbst

Simon Enzler setzte den Schlusspunkt am diesjährigen Comédy Herbst

Limmattaler Zeitung

Er steht auf der Bühne wie der nette Nachbar von nebenan, ehrbar und seriös. Bis er mit charmantem Appenzeller Dialekt unsere Eigenarten und Schwächen schonungslos offenlegt. Selbst der Herrgott kommt beim Komiker Simon Enzler nicht ungeschoren davon. Und beim Heimatschutz hat es sich ausgeschützt, wenn der russische Investor im Appenzellischen eine Grosssägerei bauen will. Denn, so der korrupte Lokalpolitiker, bei einem Steuersubstrat in dieser Höhe rede man nicht über die Moral, da sei alles inklusiv. Das Steueramt lässt pauschal grüssen.

Mit dem Auftritt von Enzler endet der diesjährige Comédy Herbst in Schlieren. Dem Publikum wird nochmals einiges geboten. Der Schalk blitzt aus Enzlers Augen, wenn er mit dem heiligen Antonius, Schutzpatron für alles Verlorene, hadert und handelt, weil dieser partout den verlorenen Schlüsselbund nicht gratis zurückbringen will.

Auftritt regt zum Nachdenken an

Enzler sinniert über Katastrophen und Heilige, über Gewaltenteilung im Himmel und Kaviarallergien an Novartis-Generalversammlungen, und er kennt die wahren Schuldigen der Klimaerwärmung: Es sind nicht die Autofahrer, sondern die Methangas-produzierenden Kühe. Enzler packt der heilige Zorn, wenn er mit rotem Kopf über leserbriefschreibende Hosensackdemokraten herzieht. Da gebe es nur eine Lösung: Rentenalter 95. Denn wer arbeitet, habe keine Zeit für Leserbriefe. Logik und Leserbriefe, so Enzler, das verhalte sich etwa so wie Velospeichen zu Geisskäse.

Nicht immer sind die Pointen nur lustig. Plaudert Enzler über «kriminelle Ausländer», bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Auch seine Reminiszenz an Katastrophen wie Tschernobyl oder Schweizerhalle sind beklemmend. Gut, gibt es da noch den «Ueli», der für die beste Armee sorgt. Denn Bedrohungssituationen sieht der Komiker überall, reicht die Achse des Bösen doch neuerdings von Pjöngjang über Damaskus bis nach Vaduz.

Auch für die letzte Station im Leben hat Simon Enzler ein Rezept: Liegenbleiben statt Auferstehung. «Wett nöd i müest!», sinniert er. Wenn schon einmal der Wecker nicht läute. Und das mit der ewigen Ruhe und dem ewigen Licht sei ohnehin ein klassischer Zielkonflikt: «Ich brauche es dunkel beim Ausruhen.»

Zufriedene Organisatoren

Für die musikalische Begleitung ist der Bassist Daniel Ziegler, auch bekannt aus der Fernsehsendung Giacobbo/Müller, besorgt. Seit Jahren ist er Bühnenpartner von Enzler. Felix Rast aus Dietikon ist fasziniert von Zieglers Können. «Ich habe noch nie jemanden so virtuos Bassgitarre spielen gehört.» Rast hat zwei Comédy-Vorstellungen in Schlieren besucht: «Das fehlt uns in Dietikon», meint er.

Wie es mit dem Comédy Herbst weitergehen wird, ist noch ungewiss. Es seien Verhandlungen am Laufen mit der Stadt und anderen Sponsoren, sagt Barbara Gysling vom Organisationskomitee. «Einen solchen Anlass zu finanzieren, ist nicht einfach. Aber wir sind zuversichtlich.» Vom diesjährigen Erfolg ist sie begeistert: «Es ist sensationell gelaufen, acht Mal ein ausverkauftes Zelt!»