Die Zitate, die der Aargauer Regierungsrat in seiner Antwort auf eine Interpellation des Spreitenbacher SP-Grossrats Martin Christen zum Bruno-Weber-Skulpturenpark anführt, lassen zum Teil leer schlucken. Es sei «nie ganz klar, ob viele Arbeiten von Bruno Weber doch allzu stark ins Verzierende, Dekorierende, ja Kitschige tendieren», zitiert die Exekutive da «einen Sachverständigen». Oder: «Die Werke selber sind originell, lassen aber eine künstlerische und fundierte Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Kunstproduktion vermissen.»

Immerhin: Andere Sachverständige attestieren dem Park ob Dietikon eine Einreihung «in die Tradition der grossen europäischen Künstlerparks», eine künstlerische Ausstrahlung, die «in Richtung nationale Bedeutung» geht oder «eine künstlerische Eigenständigkeit, die ernst zu nehmen ist». Doch auch diese Voten vermögen die Aargauer Regierung nicht davon zu überzeugen, dem mit finanziellen und strukturellen Problemen kämpfenden Park unter die Arme zu greifen.

«Aufgrund der aktuell schwierigen betrieblichen Situation kann der Regierungsrat vorderhand keine Absichtserklärung betreffend die künftige finanzielle Unterstützung in Aussicht stellen», heisst es im Antwortschreiben auf Christens Frage, ob sich der Kanton an den nötigen Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten beteiligen würde. Aus demselben Grund übernimmt die Exekutive auch «keine aktive Rolle für eine bessere Anerkennung, Vernetzung und Vermarktung des Parks», wie sie Christen gefordert hatte. Erst wenn die Verantwortlichkeiten im Park geklärt seien, könne man sich wieder mit solchen Fragen beschäftigen.

Die Exekutive verweist dabei auf die laufende Abklärung der betrieblichen Strukturen durch die Aargauer Stiftungsaufsicht. Diese hatte den Park nach dem Rücktritt des gesamten Stiftungsrats der Bruno-Weber-Stiftung Ende Februar der Zwangsaufsicht unterstellt. Die Aufarbeitung der Probleme im Skulpturenpark durch die Anwältin Brigitte Bitterli soll «in den nächsten Monaten» geschehen.

Und dass im Park auf Spreitenbacher Gemeindegebiet nicht alles mit rechten Dingen zugeht, daran hegt die Regierung keine Zweifel. «Es gibt offensichtliche Organisations- und Führungsprobleme, Unstimmigkeiten bezüglich der strategischen Weiterentwicklung und Erhaltung des Parks sowie unbeantwortete Fragen zur finanziellen Lage», schreibt sie. In dieser institutionellen Krise sei das «Kriterium der Professionalität sicher nicht gegeben», das gemäss Aargauer Kulturgesetz für eine finanzielle Unterstützung erfüllt sein müsste. Auch ein im Februar beim Aargauer Departement für Bildung, Kultur und Sport eingereichtes Gesuch für jährliche Betriebsbeiträge ab 2015 habe an Professionalität zu wünschen übrig gelassen: Dieses habe «weder formal noch inhaltlich den Vorgaben für ein Beitragsgesuch» entsprochen, so der Regierungsrat.

«Tragisch für den Kulturkanton»

Zwar spricht dieser dem Skulpturenpark einen «hohen gemeinnützigen Wert als niederschwelliges Kulturangebot in einer Agglomerationsregion» zu. «Schulklassen, Fantasy-Fans, Erholungssuchenden und Kunstexperten» würde er «Freude und Anregung» bescheren. Für Interpellant Martin Christen ist diese Ausdrucksweise jedoch ein Hohn. Er findet es «tragisch, dass es beim Kulturkanton Aargau noch immer nicht angekommen ist, was für ein Juwel er sein Eigen nennen kann, und dass er sich nicht mehr dafür einsetzt».

Christen kann angesichts der aktuellen organisatorischen Ungewissheiten zwar durchaus nachvollziehen, dass sich der Kanton mit Geldsprechungen zurzeit zurückhält. «Doch ich bin entsetzt darüber, wie der Regierungsrat die künstlerische Bedeutung von Webers Werk herunterspielt, und es wie eine Art Disneyland für Kinder und Familien beschreibt.» Er gibt zu bedenken, dass Bruno Weber immerhin die Schweiz an der Weltausstellung in Sevilla vertreten hatte. «Der Bund hat die Einmaligkeit von Webers Gesamtwerk im Gegensatz zum Kanton erkannt – doch ohne kantonale Beiträge gibt es leider auch keine Bundesbeiträge», beklagt er.

Am wichtigsten sei jetzt, dass der Park seine Handlungsfähigkeit durch ein raschestmögliches Bestellen eines neuen Stiftungsrates zurückerhält. Denn je länger sich die Abklärungen hinziehen, desto prekärer werde die finanzielle Lage. «Dann könnte es tatsächlich noch so weit kommen, dass der Skulpturenpark zahlungsunfähig wird», befürchtet Christen. Auch das Fazit des Regierungsrats ist ernüchternd: «Die Zukunft des Parks ist gefährdet», gibt dieser unumwunden zu.

Zuversichtlicher ist da Bruno Webers Witwe Maria Anna, die sich zurzeit nicht mehr im Detail zum Geschehen äussern will. «Ich kann nur sagen, dass ich positiv in die Zukunft schaue und hoffe, dass sich alles zum Guten wendet.»