Schlieren
Die 110 Grabfelder sind nur für Schlieremer Muslime

Auf dem Friedhof sollen 110 Gräber für Muslime Platz finden – grössere bauliche Massnahmen sind nicht nötig. Die Kosten für ein solches Grabfeld sind gleich wie das eines christlichen. Wegen der Platzverhältnisse dürfen sie nur Schlieremer nutzen.

Florian Niedermann
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Stadtrat Markus Bärtschiger auf der Fläche im nördlichen Teil des Schlieremer Friedhofs, wo die Grabfelder für Muslime entstehen sollen

Stadtrat Markus Bärtschiger auf der Fläche im nördlichen Teil des Schlieremer Friedhofs, wo die Grabfelder für Muslime entstehen sollen

Florian Niedermann

Schlieremer Muslime sollen verstorbene Angehörige künftig auf dem städtischen Friedhof bestatten können. Der Stadtrat plant 110 Grabfelder im nördlichen Teil des Friedhofs, die bei Bedarf dreistöckig belegt 330 Verstorbenen Platz bieten sollen. Über eine entsprechende Abänderung der Friedhofsverordnung soll das Parlament noch diesen Frühling befinden.

Situationsplan rot, die Fläche für die Muslim-Grabfelder.

Situationsplan rot, die Fläche für die Muslim-Grabfelder.

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«Wir wollen, dass Muslime, die in Schlieren eine Heimat gefunden haben, auch hier ihre letzte Ruhe finden können», sagt Gesundheitsvorstand Markus Bärtschiger (SP). Angehörige aller Religionen hätten Anrecht auf eine angemessene Beerdigung. «Da es sich um einen staatlichen Friedhof handelt, ist angezeigt, dass wir auch den Muslimen diese Möglichkeit bieten», so Bärtschiger weiter.

Auch in der Vergangenheit wurden in Schlieren vereinzelt Muslime und Juden zwischen christlichen Gräbern bestattet. Die Grabfelder, die der Stadtrat nun einzurichten plant, sind aber auf die Anforderungen des muslimischen Bestattungsritus besser zugeschnitten: Die Gräber sind mit einem natürlichen Sichtschutz aus Hecken vom restlichen Friedhof abgetrennt. Die Gräber liegen in südwestlicher Richtung, sodass das Gesicht der Verstorbenen in Seitenlage nach Mekka gerichtet ist. Ein Gebäude für die rituelle Waschung der Verstorbenen ist derzeit keines vorgesehen, wie Bärtschiger sagt: «Die Infrastruktur für die Waschung bieten auch private Bestattungsfirmen extern an.»

Der Stadtrat hat im Vorfeld Gespräche mit muslimischen Glaubensgemeinschaften geführt, um sich über die Bedürfnisse zu informieren. «Wir haben uns für ein Konzept entschieden, dass einer liberalen Glaubensauffassung entspricht. Für weitergehende bauliche Massnahmen fehlt uns schlicht der Platz», sagt der Gesundheitsvorstand. Dennoch fallen einige kleinere bauliche Massnahmen an. So muss das Gelände eingeebnet, die Fläche für die Grabfelder eingekiest und das Gelände mit neuen Wegen versehen werden. Eine genaue Kostenschätzung bestehe derzeit nicht, sagt Bärtschiger. «Sie entsprechen in etwa den Kosten für ein christliches Grabfeld.» Der nötige Kredit müsse deshalb voraussichtlich nicht vom Parlament abgesegnet werden.

Revision : Baumbestattung ist möglich

Die Grabfelder für Muslime sind nur ein Punkt der Totalrevision der Verordnung über das Friedhof- und Bestattungswesen, über die das Schlieremer Parlament im Frühling befinden muss. Die bestehende Verordnung datiert aus dem Jahr 1963 und ist somit eine der Ältesten, die in der Stadt noch gültig sind. Ziel der Revision war es, die Verordnung dynamischer, aktueller und allgemein verständlicher zu gestalten. Ausserdem erfuhr die Verordnung einige Erweiterungen. So will der Stadtrat etwa eine breitere Palette von Materialien für die Gestaltung der Grabstätten zulassen. Neu besteht auch die Möglichkeit der Baumbestattung. Dabei wird die Asche des Verstorbenen ohne Urne in den Wurzelbereich eines Baumes eingestreut. Bereits 2009 forderte Gemeinderätin Doris Wicki (CVP) den Stadtrat in einem Postulat dazu auf, zu prüfen, ob im Schlieremer Wald ein Areal für Baumbestattungen festgelegt werden könnte. Damals lehnte dies der Stadtrat mit der Begründung ab, dass die Nachfrage nach dieser Form der Bestattung zu gering sei. (fni)

Vergleichsweise viel Platz

Verglichen mit den beiden anderen muslimischen Grabfeldern im Kanton Zürich, würde jenes in Schlieren angesichts der Grösse der Stadt verhältnismässig viel Platz bieten. Die Gebeine bleiben, wie bei christlichen Gräbern, 25 Jahre lang in der Erde, wie Bärtschiger sagt: «Wir rechnen mit etwa 2200 Muslimen, die in der Stadt wohnen. Bei dieser Anzahl sollten die Grabfelder ausreichen.»

Schlieren ist die erste Gemeinde der Region, die eine Ruhestätte für Moslems schafft. Gläubigen aus anderen Gemeinden stehen die Grabfelder aber nicht offen. Bärtschiger sagt: «Unser Friedhof ist nur für Schlieremer. Auch wegen der Platzverhältnisse. Wir übernehmen keine zentrale Aufgabe für das ganze Limmattal.»

Der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller (FDP) erklärte auf Anfrage, dass die Stadt bisher davon abgesehen habe, muslimische Grabfelder auszuscheiden, da sie es «als grosse Errungenschaft erachtet, dass Verstorbene aller Religionen gemeinsam die letzte Ruhe finden können». Die Gemeinschaft für Minderheiten in der Schweiz habe kürzlich erneut eine Anfrage zum Thema separate Grabfelder gestellt. Der Stadtrat werde diese beantworten, so Müller.

Die Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) äusserte sich erfreut über den Entscheid des Schlieremer Stadtrats: «Es ist eine grosse Freude, den Fortschritt in dieser Angelegenheit zur Kenntnis nehmen zu dürfen», sagt Pressesprecher Muhammad M. Hanel. Man hoffe, dass dieses Anliegen der muslimischen Gemeinschaft auch zum angestrebten Abschluss gebracht werden könne.

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