Dietikon
Diamá zelebriert die Kunst, eine Frau zu sein

Claudia d’Addio alias Diamá hat ihr Debüt-Album veröffentlicht – und überzeugt in jeder Hinsicht. Sie baut auf ihre italienischen Wurzeln und präsentiert sich als verschiedene Versionen italienischer Göttinnen wie Madonna oder Sophia Loren.

Daniel Diriwächter
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Inspiriert von italienischen Ikonen mit einem Hauch «Bridget Jones»: Diamá ist längst kein Casting-Sternchen mehr.

Inspiriert von italienischen Ikonen mit einem Hauch «Bridget Jones»: Diamá ist längst kein Casting-Sternchen mehr.

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«We’re not done» – fast schon eine Kampfansage – so nennt sich die erste Scheibe von Diamá. Doch die Sängerin aus Dietikon gibt sich versöhnlich. Fast nichts erinnert mehr an die «MusicStar»-Teilnehmerin, die vor zehn Jahren immerhin Dritte wurde und danach für die Schweiz – gefördert von Ralph Siegel mittels Retortenband – an den Eurovision Song Contest (ESC) zog. Was blieb, sind die Erinnerungen an eine Reise, nicht immer schöne, aber immer wertvolle.

Diamá blieb der Musik treu, ihren wirklichen Namen – Claudia d’Addio – hat die Sängerin aber für die Öffentlichkeit abgelegt. Sie ist sich bewusst, dass auch die Musikszene heute eine Show ist, egal, wie qualitativ hochstehend die Musik ist. In einer Zeit, in welcher Künstler verwurstet werden, entstand Diamá, die weiss, was sie will: Sich selbst treu bleiben, mit der Stimme als Botschaft, dem Herz auf der Zunge als auch am rechten Fleck. Auch Sophie heisst schliesslich nicht Hunger.

So entstand ihr Debüt. Sie zelebriert es, eine Frau zu sein und baut auf ihre italienischen Wurzeln. Denn jedes Album braucht ein optisches Konzept. Also gehen einher mit der Musik verschiedene Versionen italienischer Göttinnen. Sie präsentiert sich etwa als Madonna oder Sophia Loren, immer postmodern, von der heiligen Hure zum Vollweib. Alles mit einem Augenzwinkern. Wenn Diamá die Anita Eckberg gibt, so weht ein Hauch von Bridget Jones mit – nicht perfekt, nicht minder sexy, aber unbedingt mit Humor.

Aber es geht um die Musik

Jene Röhre, die damals Alicia Keys «Fallin» hinschmetterte, als gebe es keinen Ausweg mehr, steht wieder am Anfang. Mitnichten: Diamás Debüt beschreibt den Weg und die Einflüsse der letzten Jahre. Ein facettenreiches Werk, dass sich stellenweise bemüht, den Mainstream zu bedienen, aber kraftvoll und international.

Schon der erste Song «Would you be Mine» erinnert an eine Björk mit stampfendem, elektronischem Rhythmus. Diamá singt fordernd, dreht noch nicht auf. Verletzlich, ein stilles Wasser. Und konventionell. Denn jede der ersten fünf Nummern des Albums würden in den ESC-Zirkus und Casting-Wahnsinn passen. Produziert auf hohem Niveau.

Mit «Fake Smiling» fällt der Vorhang. Ideal für jede Kuschelrock-Compilation, zeigt sie Stimme und macht einen Seelen-Striptease, um danach mit «Mare» ihre Muttersprache im Stil von Laura Pausini zu untermauern. Und endlich schmettert sie wieder – gefolgt von der Single «La Mossa». Die Party steigt, das hat grosse Klasse.

«Ich wollte keinem Trend folgen, aber ich will mit meiner Musik berühren, anderen einen Anstoss zum Nachdenken geben und wieder andere einfach zum Tanzen bringen», sagt Diamá. Bezeichnend, dass die letzten Songs des Albums mit dem sogenannten «Explicit»-Kennzeichen markiert wurden. Soll heissen, Diamá benutzt öfters mal ein nicht jugendfreies Schimpfwort. Die Sprache der Strasse, welche sie mit ihrem Songwriter Jiameé verewigte.

Was zum Schluss der Platte kommt, ist aufregend und muss unbedingt gehört werden. Sicher, da waren mehrere namhafte Produzenten am Werk, aber die Stimme von Diamá gibt «We’re not done» die nötige Linie. Wenn das einstige Casting-Sternchen den Titelsong am Schluss in eine Art Abrechnung an «MusicStar» verwandelt, dann stehen die italienischen Ikonen Spalier, um Diamá in den Pop-Olymp zu tragen – dann hat die musikalische Kunst gewonnen.

Die «Limmattaler Zeitung» verlost drei digitale Alben (iTunes): Mail an redaktion@limmattalerzeitung.ch mit dem Stichwort «Diamá».