Urdorf

Dialysezentrum in Urdorf rettet seit 20 Jahren Patienten vor Blutvergiftungen

Jan Záruba: «Wenn wir nicht über Medizin reden, dann über Politik.»

Jan Záruba: «Wenn wir nicht über Medizin reden, dann über Politik.»

Das Dialysezentrum Zürich West führt heute rund 6000 Blutreinigungen pro Jahr durch und gehört zu den grössten privat geführten Stationen der Schweiz. Jan Záruba hat das Dialysezentrum Mitte 1993 gegfündet.

Es ist keine gewöhnliche Praxis, durch die der Mediziner Jan Záruba führt. In den weitläufigen Räumen finden sich Liegen mit Patienten, die weder ein Bein gebrochen noch den Arm eingegipst haben. Alle diese Patienten sind jedoch an futuristisch anmutende Maschinen angeschlossen. Es sind Dialysegeräte, an denen sie zwischen vier und fünf Stunden angeschlossen bleiben. Ihr Blut wird gereinigt, weil die Nieren der Patienten es nicht mehr können. Eine lange Zeit. Einige malen, einige dösen, andere lesen, schauen fern oder unterhalten sich mit den Pflegefachleuten.

Das intensive Therapieverfahren führt zu einem engen Betreuungsverhältnis, was die fast familiäre Atmosphäre auf der Dialysestation erklärt. Das Dialyseteam in Urdorf kennt die Patienten gut. Es bekommt ihre Hoffnungen, Ängste, Freuden und Verzweiflungen hautnah mit.

Es ist Standard im Dialysezentrum, dass der Arzt bei jeder Dialyse zur Visite ans Bett kommt, für spontane Fragen zur Therapie oder für Kontrollen Zeit hat. «Wenn wir nicht über Medizin reden, dann sprechen wir beispielsweise über Politik», sagt Záruba.

Jan Záruba ist Leiter des Dialysezentrums Zürich West, das er Mitte 1993, vor zwanzig Jahren, gegründet hatte. Damals war das Zentrum eines der ersten von einem Spital unabhängigen Dialysestationen der Schweiz. Heute führt die Station rund 6000 Blutreinigungen pro Jahr durch und gehört zu den grössten privat geführten Stationen der Schweiz. Im Limmattal ist sie die einzige. Sie arbeitet eng mit dem nahe gelegenen Spital Limmattal zusammen. «Ich bin Konsiliararzt für Nierenkrankheiten am Spital. Die Zusammenarbeit ist sehr unkompliziert, bei Bedarf werde ich kontaktiert», erklärt Jan Záruba.

18 Patienten gleichzeitig

Am Dialysezentrum Zürich West können maximal 18 Patienten gleichzeitig behandelt werden. Die Patienten werden von drei Ärzten und 15 Pflegefachleuten betreut. Einer der Ärzte ist ein Assistenzarzt aus dem Limmattalspital, der jeweils für ein halbes Jahr von der medizinischen Klinik zur Ausbildung herkommt. Die Patienten kommen aus dem Limmattal, dem grenznahen Aargau, aus dem Knonaueramt und sogar aus der Stadt Zürich. «Die Patienten gehen natürlich vor allem zur Blutwäsche, wo es für sie am nächsten ist, denn die Blutwäsche muss alle zwei Tage erfolgen», sagt Záruba. Der am längsten behandelte Patient ist schon 19 Jahre lang jede Woche für mehrere Stunden in der Praxis. Dies und Patienten, welche trotz Ortswechsel immer noch der Praxis in Urdorf die Treue halten, bezeichnet der Leiter als Vertrauensbeweis.

Geräte wenig verändert

Das Auffälligste in der Praxis sind die Dialysegeräte. Durch sie wird das Blut direkt aus dem Körper in einem Kreislauf durch einen speziellen Filter gepumpt. Dort wird das Blut von den Schadstoffen gereinigt und der Körper entwässert. Bei einem gesunden Menschen wird das Blut ständig durch die Nieren gereinigt. Versagen die Nieren, droht der Körper ohne Dialyse zu vergiften. Noch in den 1960er-Jahren konnte Patienten mit der Diagnose chronisches Nierenversagen nicht geholfen werden.

«Die Geräte haben in den letzten zwanzig Jahren keine Gewaltsprünge in ihrer Entwicklung getan», sagt Jan Záruba. «Man hat aber ständig kleine, zum Teil wesentliche Verfeinerungen vorgenommen. Heute sind die Geräte computerisiert, aber es steckt immer noch viel Mechanik und Hydraulik drin.» Pro Behandlung laufen rund 100 Liter Blut durch den Filter. Das heisst, das Blut des Patienten, fünf Liter im Durchschnitt, fliesst während einer Sitzung zwanzig Mal durch den Filter. «Wenn man bedenkt, dass die Nieren sieben Tage die Woche ununterbrochen funktionieren, ist es ein Kompromiss, wenn die Patienten dreimal die Woche hierherkommen», sagt Záruba.

Eigene Abklärungen

Die Praxis führt nicht nur Blutreinigungen durch. Sie klärt Patienten mit Nierenproblemen ab und behandelt sie, auch wenn keine Dialyse notwendig erscheint. «Das Ziel unserer Behandlung ist, die Nierenfunktion so weit zu stabilisieren, damit eine Dialyse verhindert werden kann. Gelingt dies langfristig nicht, muss rechtzeitig ein Nierenersatzverfahren ins Auge gefasst werden. Dazu gehört auch, dass, falls der Patient geeignet ist, Abklärungen für eine Nierentransplantation gemacht werden», so der Arzt.

Als Pionier der Dialysebehandlung in der Schweiz gilt Jan Zárubas Vater. Nach der Flucht aus der damaligen Tschechoslowakei baute er 1969 zuerst im Universitätsspital Zürich, dann im Waidspital die Dialysestationen auf. Der Sohn trat somit in die Fussstapfen des Vaters und entschied sich zusammen mit dem 1992 pensionierten Vater für den Aufbau des Dialysezentrums in Urdorf.

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