Kaum hatte das Volk Ja gesagt zum Kauf des Coop-Areals durch die Limeco für über 90 Millionen Franken, nahmen die Leute der Limeco gestern das Coop-Verteilzentrum in Beschlag. Von den Angestellten und ihren Partnern über die Mitglieder des Kontrollorgans bis hin zu den Verwaltungsräten sassen sie alle auf der Terrasse des obersten Stocks, wo sie vom Coop-eigenen Personalrestaurant mit Grilladen verköstigt wurden. Bei Spareribs Würsten und grossem Salatbuffet wurde der mehr als deutliche Abstimmungssieg gefeiert. Dank diesem ist der Kauf des Coop-Areals durch die Limeco nun unter Dach und Fach. Nur die fünftägige Stimmrekursfrist gilt es noch abzuwarten. Doch dürfte diese eine Formsache sein. Spätestens bis Ende Juni sollte der Kaufvertrag rechtskräftig werden und die Limeco hat eine Sorge weniger.

Ausser in Urdorf, wo die Zustimmung bei bloss 54 Prozent lag, war der Ja-Anteil in den acht Trägergemeinden sehr hoch. In Oetwil lag er bei 78,2 Prozent, in Geroldswil bei 81,7 Prozent und in Weiningen bei 87,6 Prozent. Die drei höchsten Zustimmungsraten ergaben sich in Oberengstringen (88,6 Prozent), Unterengstringen (90,9 Prozent) und Schlieren (94,1 Prozent). Gesamthaft resultierte ein durchschnittlicher Ja-Anteil von 82 Prozent: Es standen 9337 Ja-Stimmen 2048 Nein-Stimmen gegenüber.

«Ochsentour hat sich gelohnt»

Als die ersten Teller in Beschlag genommen wurde, kam dann auch der Limeco-Verwaltungsratspräsident Stefano Kunz auf der Terrasse an, der vorher noch dem Schlieremer Stadthaus einen Besuch abstatten musste. «Deine Ochsentour hat sich gelohnt», sagte ein Limeco-Mitarbeiter zu ihm. Gemeint waren damit die Info-Abende, welche die Limeco in Schlieren, Dietikon, Oberengstringen und Geroldswil veranstaltet hatte, um die Bürger aus erster Hand zu informieren.

«Wir hatten schon immer auf ein deutliches Ja gehofft. Von daher wären wir schon um eine Zweidrittelmehrheit froh gewesen. Dass der durchschnittliche Ja-Anteil bei über 82 Prozent liegt, ist überwältigend», freute sich Limeco-Geschäftsführer Patrik Feusi. Es sei ein grosser Stein, der ihm vom Herz falle, da er jetzt wisse, dass das Limmattaler Stimmvolk die Strategie der Limeco mittrage. Die nächste grosse Aufgabe sei nun der Vollausbau der Regiowärme, der mit dem Bau der Limmattalbahn zusammen stattfinden solle.

Limeco-Geschäftsführer Patrik Feusi im Interview nach dem Ja zum Landkauf.

Limeco-Geschäftsführer Patrik Feusi im Interview nach dem Ja zum Landkauf.

Limeco-Geschäftsführer Patrik Feusi im Interview nach dem Ja zum Landkauf (10.06.2018).

Bis Ende September soll dafür die Zustimmung in den Exekutiven der Trägergemeinden abgeholt werden, so Feusi. «Danach ist ein Time-out angesagt. Wir haben die letzten drei bis vier Jahre sehr viele interne Projekte zurückgestellt zugunsten des Strategieprojekts, das wir heute mit dem Landkauf besiegelt haben», erklärt Feusi. Nun müsse man bei den internen Projekten wieder aufholen. «Als nächstes geht es dann effektiv an ein Projekt, das den Neubau einer Kehrichtverwertungsanlage (KVA) beinhalten soll», so Feusi weiter. Er hält fest, dass eine Anlage, die 160'000 Tonnen Kehricht verwerten kann, aus wirtschaftlicher Betrachtung die ideale Grösse wäre. Am Schluss werde aber das Limmattaler Stimmvolk entscheiden. «Wir werden Varianten ausarbeiten», so Feusi.

René Beck, Präsident des Limeco-Kontrollorgans, sprach ebenfalls von grosser Freude. «Ich fühle mich wie nach einem Marathon: zufrieden, happy und voller Genugtuung», sagte er. Er sieht es auch als seine Aufgabe an, aufzuzeigen, wieso 160'000 Jahrestonnen die richtige Grösse für die Dietiker Kehrichtverwertungsanlage sei. «Wir haben noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.» Die vorgesehene Anlage sei gar nicht so gross. In den ersten Workshops habe man noch von einer Grösse von 240'000 Tonnen gesprochen. «Abfall ist ein Energieträger, der uns angeliefert wird und der uns erst noch bezahlt wird. Da ist es fast ein Must, eine Anlage mit 160'000 Tonnen zu bauen», so Beck.

René Beck, Präsident des Limeco-Kontrollorgans, im Interview nach dem Ja zum Landkauf

René Beck, Präsident des Limeco-Kontrollorgans, im Interview nach dem Ja zum Landkauf

René Beck, Präsident des Limeco-Kontrollorgans, im Interview nach dem Ja zum Landkauf (10.06.2018).

Auch Wirtschaft ins Boot holen

«Das klare Ergebnis zeigt: Das Limmattal ist für eine Kehrichtverwertungsanlage im Limmattal», hielt Stefano Kunz fest. Darauf angesprochen, ob man auch die Wirtschaft aus der direkten Nachbarschaft, dem Gebiet Silbern, bei der Planung des KVA-Neubaus mit ins Boot holen werde, sagte Kunz: «Es ist uns ein zentrales Anliegen, alle, die von der Planung betroffen sind, mit ins Boot zu holen.» Man befinde sich in einem intensiven Austausch, so auch mit der IG Silbern, dem Dietiker Industrie- und Handelsverein (IHV) und der Stadt Dietikon. «Möglichst viele sollen einen möglichst grossen Nutzen aus dem Projekt ziehen.»

Limeco-Verwaltungsratspräsident Stefano Kunz im Interview nach dem Ja zum Landkauf.

Limeco-Verwaltungsratspräsident Stefano Kunz im Interview nach dem Ja zum Landkauf.

Limeco-Verwaltungsratspräsident Stefano Kunz im Interview nach dem Ja zum Landkauf (10.06.2018).

Der Austausch mit den Nachbarn aus der Silbern und anderen Interessenvertretern wird denn auch verlangt. So teilte Peter Metzinger, der Präsident des Ja-Komitees, gestern namens des Komitees mit, dass mit dem positiven Abstimmungsergebnis die nötige Zeit geschaffen worden sei, um in Ruhe über die zukünftige Abfallstrategie des Limmattals zu diskutieren. Im Hinblick auf den weiteren Prozess betont er die Wichtigkeit des gemeinsamen Dialogs mit allen Beteiligten. «Nur so kann eine Win-win-Situation für alle entstehen», sagte Metzinger.