Geroldswil

Deutliches Ja zum 35-Millionen-Baukredit – grosse Freude beim Gemeinderat

Historischer Moment: Gemeindepräsident Michael Deplazes (parteilos), kurz bevor er seinen Stimmzettel zum Baukredit Baufeld Ost in die Urne wirft.

Historischer Moment: Gemeindepräsident Michael Deplazes (parteilos), kurz bevor er seinen Stimmzettel zum Baukredit Baufeld Ost in die Urne wirft.

Der Kiesplatz beim Geroldswiler Zentrum ist bald Geschichte. 74 Prozent der Stimmenden sagten Ja zum 35-Millionen-Franken-Baukredit für das Baufeld Ost. Damit hat das Projekt die letzte politische Hürde mit einem satten Sprung überwunden.

Als Vorsitzender des Wahlbüros und damit oberster Urnenbewacher ist der Geroldswiler Gemeindepräsident Michael Deplazes (parteilos) jeweils der erste, der seinen Stimmzettel in die Urne wirft. Gestern machte er eine Ausnahme, damit ihn die Presse bei der Stimmabgabe fotografieren kann. Schliesslich ist es ein historischer Moment, wenn ein Dorf mit aufgerundet 5000 Einwohnern über einen Baukredit von 34,89 Millionen Franken abstimmt.

Die Überbauung des Kiesplatzes beim Zentrum mit 27 Wohnungen, einem grossen Coop, einer weiteren Ladenfläche und 148 Parkplätzen in einer zweigeschossigen Tiefgarage wird das Geroldswiler Dorfbild über Jahrzehnte prägen. Das Gebäude wird an die Limmattalstrasse grenzen.

Als Deplazes dann kurz mit dem grünen Stimmzettel posierte, bildete sich beim Eingang des Gemeindehauses prompt eine Warteschlange. Was ihn gleich dazu bewegte, sich beim wartenden Stimmvolk zu entschuldigen. «Aber das ist eben noch gelebte Demokratie, wenn man beim Urnengang anstehen muss», sagte er. Insgesamt haben von total 1285 Stimmenden 134 gestern Sonntagmorgen persönlich ihren Stimmzettel an der Urne abgegeben.

73,65 Prozent haben zugestimmt

Um 12.44 Uhr war es dann soweit: Die Gemeinde Geroldswil verschickte das Resultat der Urnenabstimmung. Es war ein deutliches Verdikt. Unter den 1226 ausgefüllten und gültigen Stimmzetteln zählte das Wahlbüro 903 Ja-Stimmen und 323 Nein-Stimmen. Das entspricht einem Ja-Anteil von knapp 74 Prozent.

Eine politische Überraschungsbombe ist das zwar nicht. «Wir haben einen deutlichen Ja-Anteil erwartet, aber letztlich ist dann bei jeder Abstimmung trotzdem eine grosse Spannung da, bis das Ergebnis feststeht», sagt dazu Deplazes.

Das Ergebnis sorgte für Freude: Um auf das Resultat anzustossen, hat Deplazes am Nachmittag seine Gemeinderatskollegen und deren Partner ins Hotel Geroldswil eingeladen – auf seine Kosten. «Wir haben schliesslich sehr viel für dieses Projekt gearbeitet. Jetzt haben wir die Bestätigung, dass es sich gelohnt hat», erklärt Deplazes. Es sei ein grosser, lehrreicher und spannender Effort gewesen, für den er sich bei den Kollegen herzlich bedanken wolle.

Die Freude wurde auch nicht durch die 303 Nein-Stimmen getrübt. «Wir haben nicht den Anspruch, dass alle Ja sagen, schliesslich sind wir in einer Demokratie», sagt dazu Deplazes. Die Nein-Stimmen hätten wahrscheinlich insbesondere damit zu tun, dass sich nicht jeder vertieft mit dem Projekt auseinandergesetzt hat und dass 35 Millionen Franken ein hoher Betrag sind, so Deplazes weiter. «Für uns ist nach dem deutlichen Ja klar, dass wir im Zentrum die richtige Strategie gewählt haben.» Darum wird man nun den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen.

Zu tun gibt es noch einiges: So steht zum Beispiel für die kleinere der beiden Ladenflächen in der Überbauung des Kiesplatzes noch kein Mieter fest. Entsprechende Telefonate wurden bereits geführt, Interessenten gibt es mehrere. Unterschrieben ist aber noch nichts, zuerst wurde das Abstimmungsresultat abgewartet. In den nächsten Wochen und Monaten werde man sich wieder verstärkt diesen Verhandlungen widmen.

Auf der anderen Seite der Huebwiesenstrasse steht zudem die ehemalige Filiale der Zürcher Kantonalbank noch leer, die die Gemeinde gekauft hat, sodass sie die ganze Hotel-Liegenschaft selber besitzt. Die Vermietung an Gewerbler ist schwierig, insbesondere auch wegen des zu erwartenden Baulärms vom Baufeld Ost und dem Umbau des Hotels ab 2022. Laut Deplazes soll die Fläche darum vorerst als Baubüro genutzt werden.

Zum Umbau des Hotels in ein Gebäude mit Alterswohnungen werden sich die Geroldswilerinnen und Geroldswiler aller Voraussicht nach noch dieses Jahr politisch äussern können. Derzeit ist das Ziel, dass die Gemeindeversammlung im Dezemberüber den Planungskredit abstimmen wird.

Gemeinderat: «Begleitgruppe war ein Glücksfall»

Zurück zum Baufeld Ost: Am Projekt mitgearbeitet hat auch die Begleitgruppe. Diese hatte der Gemeinderat ins Leben gerufen, nachdem das Stimmvolk an einer hitzigen Gemeindeversammlung Ende 2013 mehr Mitsprache forderte. «Die Begleitgruppe war ein Glücksfall sondergleichen», zieht Deplazes nun Bilanz. Die Mitarbeit am Projekt, der Reichtum an möglichen Varianten, der sich daraus ergab, und schliesslich die Zustimmung möchte er nicht mehr missen. «Diesen Prozess möchten wir auch bei weiteren Projekten in Zukunft durchführen», so Deplazes.

Und jetzt: Lesen Sie den Kommentar zum Thema.

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