Die Entscheidung fiel in der 29. Minute. «Ohne Foul, ohne Foul!», schrie der FC-Dietikon-Trainer João Paiva unmissverständlich in Richtung Eckfahne. Einige Meter von dieser entfernt hatte ein FC-Paradiso-Spieler den Ball und wurde von mehreren Dietikern bedrängt. Aber dann passierte es. Und der Foul-Pfiff war Tatsache. Der Freistossschütze von Paradiso nahm Mass. Im Strafraum kümmerte sich Lulzim Aliu, erst diesen Sommer vom U21-Team der Grasshoppers nach Dietikon gewechselt, um den einen Kopf grösseren Mittelstürmer Alessandro Becchio und um Noel Kabamba. Becchio sprintete einige Meter nach aussen – Aliu konnte sich nicht mehr vor ihn drängen – und köpfelte den Ball so zu Boden, dass der Dietiker Goalie Alpay Inaner keine Chance hatte. Es stand beim ersten Pfosten aber auch niemand, der ihm hätte aushelfen können. Das erste 1.-Liga-Goal gegen die Dietiker, die letzte Saison noch in der 2. Liga interregional spielten, war Tatsache.

In der zweiten Nachspielminute der ersten Halbzeit segelte dann der Ball von der Eckfahne in hohem Bogen in Richtung Tor, Goalie Inaner wehrte in der Luft ab, der Ball prallte ab zum nicht gedeckten Andrea Pain, der mit links einnetzte. Es zwar das zweite Goal von links nach einem Standard.

Beim 0:2 blieb es bis zum Schluss. Daran änderte auch die Schlussoffensive ab der 60. Minute nichts mehr. Paiva hatte sie mit einem Doppelwechsel eingeläutet. Zwar bescherten die Dietiker den Tessinern viel Verteidigungsarbeit. Sie bewiesen viel Zug zum Tor, sobald sie den Ball in einem Zweikampf eroberten. Einem wie beispielsweise Michele Pepe luchsen auch die Tessiner den Ball nicht so schnell ab. Aber je näher die Dietiker dem Strafraum waren, desto weniger zwingend wurde der Angriff. Flanken wurden verzogen oder im Abschluss wurde der Ball nicht so getroffen, dass der Tessiner Goalie Gabriele Bernasconi vollen Einsatz hätte zeigen müssen.

Paiva: «Mit der physischen Komponente bin ich happy»

Zum einen habe etwas mehr Entschlossenheit und Wille, das Tor zu machen, gefehlt, zum anderen hätten die Tessiner mehr Cleverness bewiesen, sagte João Paiva nach Spielende. «Sie hatten auch das nötige Glück. Die beiden Standards haben sie gut gemacht, wir haben da nicht so gut verteidigt. Mit solchen Fehlern müssen wir leben, wir haben viele junge Spieler», so Paiva. Der Trainer sah auch viel Positives, auf dem sich aufbauen lässt. «Mit der physischen Komponente bin ich happy. Die Mannschaft hat gekämpft bis zur letzten Minute. Das ist sehr positiv und zeigt Charakter. Das ist das, was ich unbedingt will.»

Dietikon haderte auch mit dem Schiedsrichter. Paiva mag es zwar, wenn dieser viel laufen lässt. Doch diesmal war es eher zu viel. Vor allem in der 40. Minute, als ein Dietiker nach einem Corner im Strafraum gebodigt wurde und der Pfiff ausblieb. Ein klarer Penalty aus Dietiker Sicht. «Es war ein leichter Kontakt», gab der welsche Linienrichter Trainer Paiva auf Englisch zu verstehen. «Der Moment fürs 1:1 wäre perfekt gewesen», sagte Paiva nach dem Spiel. «Aber der Schiedsrichter ist keine Ausrede. Der FC Paradiso hat verdient gewonnen, denn er war zwei Tore besser als wir.» Je höher das Niveau, desto mehr zählten die Details, so Paiva.

Diese wird auch Dietikon noch in den Griff bekommen. Mit etwas mehr Glück und auch der Rückkehr von Mittelstürmer Aleandro Norelli aus den Ferien dürfte dem ersten Torjubel in der 1. Liga nichts mehr im Wege stehen. Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich am kommenden Samstag um 16 Uhr, in Liechtenstein gegen den FC Balzers. Der nächste Ernstkampf zuhause in der Dornau steigt am Samstag, 17. August, um 18 Uhr gegen den FC Tuggen.