Die Schlieremer Detaillisten werden sich «mit Händen und Füssen» gegen eine Flaniermeile an der Bahnhofsstrasse wehren, wie Detaillistenpräsident Philipp Locher auf Anfrage erklärt. Sie sehen darin eine existenzielle Bedrohung. Anlass zur Sorge bietet ihnen derzeit die Volksinitiative, welche ein Komitee um GLP-Gemeinderat Nikolaus Wyss vergangene Woche lanciert hat (die Limmattaler Zeitung berichtete).

Die Initianten fordern die Stadt dazu auf, im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Zentrumskreisels Autos von der Bahnhofstrasse zu verbannen, um für Fussgänger eine hindernisfreie Passage zwischen Bahnhof und Stadtplatz zu schaffen. Sie versprechen sich davon, dass so eine attraktive Einkaufsstrasse entstünde. Ganz anders die Detaillisten: Sie befürchten, dass bei einem Ja zur Initiative an der Urne das Gegenteil eintreffen könnte. «Die Erreichbarkeit ist der wichtigste Erfolgsfaktor für den Detailhandel», erklärt Locher. Derzeit können Kunden mit dem Auto Geschäfte an der Bahnhofstrasse direkt vom Zentrumskreisel her anfahren. Würde die Initiative angenommen, müssten sie den Umweg über die Güter- oder Grabenstrasse nehmen, um dort einzukaufen. «Dies könnte einige Ladenbesitzer den Kragen kosten», warnt Locher.

Locher kämpft an zwei Fronten

Die Initianten müssen innert sechs Monaten 200 Unterschriften zu sammeln, damit ihr Vorstoss vors Volk kommt. Schaffen sie dies, so wird der Detaillistenverein Pro Schlieren laut Locher «alle gegnerischen Kräfte» mobilisieren, um die Initiative scheitern zu lassen. Was die Verkehrsführung an der Bahnhofstrasse angeht, kämpfen die Detailhändler also wohl bald an zwei Fronten: Vergangenen Frühling legte Pro Schlieren nämlich bereits Rekurs gegen einen Teil der kantonalen Verkehrsplanung im Zentrum ein. Der Kanton wird dort einen einspurigen Verkehrskreisel errichten. Dabei soll die Zufahrt aus dem Kreisel in die Bahnhofstrasse gekappt und Letztere zur Einbahnstrasse abklassiert werden. Auch dies würde den dort ansässigen Läden schaden, ist sich Locher sicher. Er kämpfe deshalb dafür, dass die Strasse für den Verkehr vollständig geöffnet bleibe. Der Entscheid des kantonalen Verwaltungsgerichts zum Rekurs steht noch aus. «Heisst es ihn nicht gut, werden wir ihn bis auf Bundesgerichtsebene weiterziehen, sofern Erfolgschancen bestehen», sagt Locher.

Den Detaillistenpräsidenten stört es, dass die Initianten mit ihrem Vorstoss einem laufenden Verfahren vorgreifen. So entstehe Verwirrung, sagt er. Es stelle sich etwa die Frage, ob ein Nein an der Urne zur Initiative bedeuten würde, dass die Bahnhofstrasse ganz geöffnet wird. Auch sei ihm nicht klar, ob ein kommunaler Entscheid überhaupt eine Änderung des kantonalen Bauprojekts bewirken könne – ob also die Stadt die Strasse sperren könne, wenn der Kanton die einseitige Befahrbarkeit fordert.

Das kantonale Amt für Verkehr sähe baurechtlich kein Problem bei der Umsetzung der Flaniermeilen-Initiative, wie Pressesprecher Markus Gerber erklärt: «Die Bahnhofstrasse ist eine kommunale Strasse. Die Stadt kann diese sperren, wenn sie will.» Der Kanton könne bei seinem Zentrumskreiselprojekt nur über die angrenzenden Einmündungen entscheiden. Er fordere einen Verzicht auf eine Einbiegemöglichkeit in die Bahnhofsstrasse, um Rückstaus in den Kreisel zu verhindern. «Dem widerspricht das Ansinnen der Initianten nicht», sagt Gerber. Umgekehrt würde ein Nein zur Flaniermeile aber nicht bedeuten, dass das Einbiegeverbot vom Kreisel in die Bahnhofstrasse entfiele. «Diese Forderung besteht auch im Fall einer Ablehnung.»