Schlieren

Detaillisten erheben Einspruch gegen Grosskreisel

Das Grosskreisel-Projekt am Stadtplatz Schlieren: Das Abiegen in die Bahnhofstrasse ist nicht möglich.

Das Grosskreisel-Projekt am Stadtplatz Schlieren: Das Abiegen in die Bahnhofstrasse ist nicht möglich.

Die Bahnhofstrasse soll für den Verkehr nur in einer Richtung gesperrt werden – es sei die falsche, sagen Gegner. Sie befürchten negative wirtschaftliche Folgen für die Geschäfte, weil die Zugänglichkeit Läden erschwert würde.

Kaum liegt das Strassenprojekt des Kantons Zürich für den Schlieremer Stadtplatz öffentlich auf, zeichnet sich bereits juristischer Widerstand ab. Detaillistenpräsident Philipp Locher und einige Liegenschaftseigentümer entlang der Bahnhofstrasse haben einen Anwalt engagiert, der mit ihnen gegen das 8 Millionen Franken teure Projekt Einsprache einlegen wird. «Wir werden wenn nötig bis vor Bundesgericht kämpfen», sagt Locher entschlossen.

Der Grund: Die Detaillistenvereinigung Pro Schlieren, die Wirtschaftskammer und der Gewerbeverein stellten sich schon zu Beginn der Projektierung des neuen Grosskreisels am Stadtplatz vor anderthalb Jahren vehement gegen ein Ein- und Ausbiegeverbot in und aus der Bahnhofstrasse. Sie befürchten negative wirtschaftliche Folgen für die Geschäfte entlang der Bahnhofstrasse, weil die Zugänglichkeit Läden gegenüber heute erschwert würde. Zwei weitere zentrale Forderungen waren die Planung eines zwei- statt einspurigen Kreisels, um die Kapazität beibehalten zu können, und Lichtsignalanlagen für Fussgänger, die zwischen Stadtkreisel und umliegenden Trottoirs zirkulieren.

Eine Richtung ist erlaubt

Der Kanton passte darauf hin sein Projekt teilweise an: Demnach darf der motorisierte Individualverkehr nach Abschluss des Projekts ab 2019 zwar nicht mehr vom Kreisel her in die Bahnhofstrasse abbiegen, das Einbiegen aus der Bahnhofstrasse in den Kreisel wird aber weiterhin möglich sein, wie Christian Kull, der Projektleiter des kantonalen Tiefbauamts auf Anfrage mitteilt: «Für die Erschliessung der Bahnhofstrasse soll künftig die Neue Fossertstrasse genutzt werden, sodass eine Art Kreisverkehr um das Parkside-Gebäude entsteht.»

Man habe eine Abbiegemöglichkeit in die Bahnhofstrasse zusammen mit der Stadt Schlieren geprüft, aber aus verkehrstechnischen Gründen verworfen, erklärt Anselm Schwyn, Mediensprecher des kantonalen Amts für Verkehr. «Abbieger müssten das Trottoir überqueren und davor im Kreisel warten, bis Fussgänger die Stelle passiert haben. Es wären starke Rückstaus zu erwarten.» Auf eine zweispurige Verkehrsführung an dieser Stelle verzichtet man aus städtebaulichen Gründen. «Angestrebt wird eine fussgängerfreundliche und nicht verkehrsorientierte Gestaltung», so Schwyn.

Den Gewerbetreibenden an der Bahnhofstrasse habe die Überarbeitung des Projekts nichts gebracht, sagt Locher: «Uns nützt nur ein direkter Abbieger aus dem Kreisel in die Bahnhofstrasse etwas.» Die Kunden wollten die Geschäfte möglichst direkt erreichen, da sei der Umweg um das Parkside-Gebäude vielen zu weit. Die geplante Regelung an der Bahnhofstrasse, der einspurige Kreisel sowie der Verzicht auf die Fussgängerampeln brächten massive Einschränkungen des Ziel- und Quellverkehrs in der Stadt mit sich. Dieser sei für das Gewerbe aber existenziell wichtig, sagt Locher.

Der Kanton, die Stadt Schlieren und die Limmattalbahn AG riefen die Gegner des Projekts Anfang Jahr zu einem runden Tisch, um die Pläne zu beraten. «Diese Veranstaltung brachte überhaupt nichts. Es kam dabei zu keiner Diskussion», so Locher.

Stadt beharrte auf dem Einbieger

Bauvorstand Jean-Claude Perrin (SVP) erklärt, der Stadtrat habe sich während der Planungsphase für die Anliegen der Detaillisten eingesetzt und einen Abbieger aus dem Kreisel in die Bahnhofstrasse gefordert. Die zuständigen Planer hätten aber die verkehrstechnischen Nachteile für das gesamte Projekt dargelegt. Darauf habe der Kanton auf der ursprünglichen Variante bestanden. «Wir mussten diese Forderung deshalb aufgeben, beharrten dafür aber auf dem Einbieger aus der Bahnhofstrasse in den Kreisel», so Perrin.

Der Einspruch, den Locher und seine Mitstreiter bis spätestens 8. Dezember einreichen müssen, betrifft direkt zwar nur den Grosskreisel. Indirekt könnte ein juristisches Verfahren aber auch die Inbetriebnahme der Limmattalbahn verzögern, weil die beiden Projekte miteinander koordiniert werden. Die übergeordnete zeitliche Planung sieht vor, dass die Bauarbeiten am Stadtplatz 2019 noch vor der Fertigstellung der Limmattalbahn umgesetzt sind. Projektleiter Kull erklärt: «Ein alternativer Zeitplan besteht derzeit nicht. Wir müssen erst aber abwarten, ob Einsprachen eingehen, bevor wir die Situation beurteilen.»

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