Vor der Stadthalle Dietikon bringen zwei Studentinnen die letzten Pinselstriche an, um ihr Kunstwerk zu vervollständigen. Sie haben den Parkplatz in ein riesiges Monopoly verwandelt. Alle Felder tragen Strassennamen aus der Region. Die teuerste Adresse auf dem riesigen Spielfeld ist die Soodstrasse am Waldrand in Oetwil. «Wir haben bei der Verteilung der Strassennamen die Bodenpreise der angrenzenden Grundstücke verglichen», sagt Studentin Julia Bitschi, die «Limmopoly» zusammen mit ihren Kommilitonen Stefanie Kleiser und Roman Kreuzer eingereicht hat.

Die Installation gehört zu den elf ausgewählten Siegerprojekten der Landschaftsausstellung Wachgeküsst, die heute Nachmittag feierlich eröffnet wird. Auf einer Route von insgesamt 8,5 Kilometern soll die Ausstellung den Raum zwischen Spreitenbach, Würenlos, Dietikon und Oetwil ins Bewusstsein der Bevölkerung rufen. Die quer zur Limmat verlaufende «Landschafts-Spange» an der Grenze der Kantone Zürich und Aargau bietet viel Grünraum und Spazierwege. Die Ausstellung soll zum Entdecken der Landschaft einladen. «Wir wollen die Betrachter zum Nachdenken anregen und Diskussionen auslösen», sagte Samuel Flükiger gestern bei einer Rundfahrt mit einer Kutsche. Flükiger hat die Realisierung der Kunstinstallationen im Auftrag des Vereins Regionale Projektschau Limmattal (kurz: Regionale 2025) koordiniert.

Die Landschaftsausstellung gehört zu den Höhepunkten der ersten von zwei Zwischenschauen, die schliesslich in sechs Jahren in der Hauptschau «Regionale 2025» münden. Insgesamt 85 Ideen hatten Studierende der Zürcher Hochschule der Künste, der Hochschule für Technik in Rapperswil, der deutschen Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Konstanz und der Hochschule Luzern für die Landschaftsausstellung eingereicht.

So bewirbt die Regionale Projektschau die heute startende Landschaftsausstellung Wachgeküsst.

So bewirbt die Regionale Projektschau die heute startende Landschaftsausstellung Wachgeküsst.

Aus dem «L» soll ein «Limmattal» werden

Kurz nach dem Start der Rundfahrt bei der Stadthalle wird am Waldrand ein 4,5 Meter hohes «L» sichtbar, stellvertretend für den Schriftzug Limmattal. «Limmattal Hills» will Präsenz markieren nach dem Vorbild des bekannten Hollywood-Schriftzugs. Der Verein Regionale Projektschau will die Idee gerne definitiv – statt nur einen Buchstaben – umsetzen und die Ausstellungszeit nutzen, um Unterstützer für eine fixe Installation zu gewinnen, sagt Peter Wolf, Geschäftsführer der Regionale 2025.

Die Studierenden haben ihre während dem Semester ausgearbeiteten Ideen im Sommer selbst vorangetrieben und umgesetzt, erzählt Flükiger unterwegs. An der Grenze zum schier endlosen Gleisfeld des Rangierbahnhofs scheinen die Möbel eines Brockenhauses vom Himmel gefallen zu sein und bilden einen Turm. Laut dem verantwortlichen Studenten Roman Hartmann soll der Turm das verzerrte Spiegelbild des nahen Möbelhauses bilden und das Modewort Nachhaltigkeit infrage stellen. «Für die Studierenden ist es toll, konkrete Projekte umsetzen zu können, statt nur an Konzepten zu arbeiten», sagt Sabine Gebhardt vor Ort. Die Professorin an der Hochschule Luzern hat Hartmann bei der Umsetzung seiner Ideen begleitet.
Unterwegs nach Oetwil können Ausstellungsbesucher sich unter anderem auf dem kleinen Grünstreifen zwischen dröhnender Autobahn und Gleisen einen Wettlauf gegen die Zeit mit verschiedenen Tierarten liefern oder die wohl einzige Bananenplantage im Limmattal begutachten.

Die Erkundungstour mit der Kutsche endet in Oetwil an der Limmat. Unter der Brücke der Mutschellenstrasse arbeitet Studentin Rebecca Glaus am letzten Feinschliff der Installation «Eintauchen», die sie zusammen mit Fabienne Künzli und Carina Kohler konzipiert hat. Mit optischen Tricks und einem Spiegel sollen Spaziergänger auf dem Fussweg das Gefühl erhalten, als würden sie trockenen Fusses durch die Limmat waten.

Alle Landwirte hätten «Wachgeküsst» gerne unterstützt und das nötige Land unentgeltlich zur Verfügung gestellt, sagt Peter Wolf. Und wenn die Ausstellung im November wieder abgebaut wird, darf der Verein auf die Unterstützung von Werkhofmitarbeitern der teilnehmenden Gemeinden zählen.