Birmensdorf
Der Wüeribach ist für den schlimmsten Fall gerüstet

Der 15-monatige Ausbau hat den Wüeribach aufgewertet und gegen Hochwasser abgesichert. Markus Federer, Projektverantwortlicher des Kantons, erklärt, warum was gemacht wurde.

David Hunziker
Drucken
Teilen
Markus Federer, Projektleiter des Kantons, auf dem neu geschaffenen Sitzplatz unterhalb des Kindergartens Lettenmatt.
3 Bilder
Vor Beginn der Ausbauarbeiten im August 2014 glich der Wüeribach eher einem Kanal.
Bach

Markus Federer, Projektleiter des Kantons, auf dem neu geschaffenen Sitzplatz unterhalb des Kindergartens Lettenmatt.

Limmattaler Zeitung

Der Plan zum Ausbau des Birmensdorfer Wüeribachs war bereits gefasst, da passierte es: Nach starken Regenfällen im Sommer 2007 füllte sich das Bachbett derart stark an, dass das Wasser nicht mehr unter der Kantonsstrasse hindurchpasste und das Dorfzentrum überflutete.

Nun sind die Bauarbeiten am Bach beendet. «Die Wassermenge von 2007 könnte der Bach jetzt problemlos abführen», versichert Markus Federer vom kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft. Der Ingenieur war für das Projekt verantwortlich. Es dauerte aber noch bis August 2014, bis der Ausbau beginnen konnte.

Dass Federer recht hat, zeigte sich bereits diesen Sommer. Es war am 7. Juni, die Bauarbeiten waren noch voll in Gang, als sich über Birmensdorf ein besonders starkes Gewitter zusammenbraute. Es regnete stark, der Wasserpegel stieg, doch das Bachbett hielt das Wasser und damit, was es versprach. «Abgesehen von kleineren Schäden am neuen Bachlauf passierte nichts», erinnert sich Federer.

Bereits 1972, 1994 und 1999 überflutete der Wüeribach das Dorfzentrum von Birmensdorf. Diese Gefahr ist nun nahezu gebannt: «Die totale Sicherheit gegen jedes mögliche Hochwasser können wir zwar nicht bieten», so Federer.

Das Bachbett sei nun aber so gebaut, dass es einem sogenannten Jahrhunderthochwasser – beim Wüeribach entspricht dies einem Wasserfluss von 20 Kubikmetern pro Sekunde – standhält. «Dass mehr Wasser kommt, ist äusserst unwahrscheinlich.»

Federer steht auf der ebenfalls frisch sanierten Bachstrasse und blickt ins Flussbett hinab. Weil es lange sehr trocken war, schlängelt sich nur wenig Wasser durch das Bachbett. «Das sind vielleicht 50 Liter pro Sekunde», schätzt Federer. 400 Mal weniger, als ins Bachbett passen würden.

«Bei einem solchen Projekt verfolgen wir heute drei Ziele: den Schutz vor Hochwasser, gute Bedingungen für Pflanzen und Tiere und die Schaffung von Naherholungsgebieten», legt Federer dar. «Entscheidend ist, dass dem Bach wieder mehr Raum gegeben wird.» Auf einem kurzen Spaziergang in Fliessrichtung entlang des Bachs kann gut beobachtet werden, wie diese Ziele beim Wüeribach umgesetzt wurden.

Der Hochwasserschutz

Der Abschnitt, der für den Hochwasserschutz am wichtigsten ist, erstreckt sich der Bachstrasse entlang bis zum kritischen Nadelöhr, wo die Kantonsstrasse den Bach überquert. Hier wurde das Flussbett um etwa einen halben Meter gesenkt und so ausgelegt, dass es gleichmässig abfällt.

Damit erhöhe sich die Fliessgeschwindigkeit, erklärt Federer. «Neben den technischen Anforderungen mussten wir auch Sorge zum Dorfbild tragen», so Federer. Darum gleichen die neuen Mauern, die das Flussbett begrenzen, den alten: unten grosse Natursteine, oben ein betonierter Kopfbalken. Um ein stimmiges Gesamtbild zu erreichen, war auch ein Landschaftsplaner in der Projektgruppe dabei.

Die Revitalisierung

Bereits haben sich wieder einige Pflanzen an den Rändern des Bachbetts angesiedelt. Es wird aber noch eine Weile dauern, bis der Bach wieder so grün ist wie vor den Bauarbeiten. Schritt für Schritt erobern sich Pflanzen und Tiere das Bachbett zurück.

Sie sollen nun aber einen deutlich vielseitigeren Lebensraum vorfinden. Im Gegensatz zum alten Bachbett, das mit seiner geraden Ausrichtung, dem trapezförmigen Querschnitt und den zahlreichen Schwellen eher einem Kanal glich, soll der Bach neu seinen Lauf mitgestalten können. Daher spricht man von Revitalisierung.

Gut sichtbar ist dies im Abschnitt zwischen dem Dorfzentrum und dem Kindergarten Lettenmatt, wo sich der Wüeribach um Steine und Wurzelstöcke schlängelt und da und dort kleine Becken bildet. «Unser Ziel war, das Bachbett so auszulegen, dass die Fliessverhältnisse variieren», erklärt Federer. So bilde sich eine grössere Variation an Lebensräumen für Pflanzen und Tiere.

Um Tiere beobachten zu können, muss man schon etwas genauer hinschauen. «Dort», sagt Federer und zeigt ins Bachbett hinunter. Eine kleine Forelle durchschwimmt eine tiefere Stelle des Bachs und verschwindet unter einem grossen Stein. «Diese Steine wurden als Unterschlupf für die Fische bewusst platziert.»

Die Aufwertung

Wegen der Absenkung der Bachsohle mussten die Bauarbeiten von der Reppischmündung flussaufwärts durchgeführt werden. Der unterste Abschnitt wurde daher von der Bevölkerung bereits im Sommer in Beschlag genommen und Federer konnte miterleben, welche Wirkung die Aufwertung des Bachs entfaltet: «Es war toll zu beobachten, wie die Leute am Bach sitzen und die Kinder Staumauern bauen.» Neben den Pflanzen und Tieren werden die spielenden Kinder so zu einer weiteren Kraft, die dem Bachbett immer wieder eine neue Form gibt.