Dietikon
Der Werkhof stellt keine Frauen ein, weil es an Garderoben mangelt

Dass sie wegen fehlender sanitärer Anlagen für einen Job im Werkhof Dietikon nicht infrage kam, ärgert eine junge Frau. Eine Umfrage in der Region zeigt: An anderen Orten ist das Problem bestens gelöst.

Sarah Serafini
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Im Werkhof Dietikon arbeiten bisher nur Männer. ARchiv/FUO

Im Werkhof Dietikon arbeiten bisher nur Männer. ARchiv/FUO

Auf ihre Bewerbung beim Werkhof Dietikon erhält Barbara Koller (Name geändert) einen Anruf, der die junge Frau auch Tage später noch ärgert. «Sie sagten mir, dass im Dietiker Werkhof keine Frauen angestellt würden, weil dafür keine sanitären Anlagen zur Verfügung stehen», erzählt sie.

Koller, gelernte Fachfrau in Betriebsunterhalt, kann diese Begründung nicht verstehen. «Ich bin eine ausgebildete Arbeitskraft und für den Beruf genauso geeignet wie ein Mann», sagt Koller, die zurzeit noch auf Jobsuche ist.

32 Männer können nicht warten

Ihre Ausbildung hat sie in einem anderen Betrieb in der Region absolviert, wo ebenfalls keine getrennten sanitären Anlagen zur Verfügung standen. «Dort war das überhaupt kein Problem», so Koller. Sie habe ihren Kollegen jeweils gesagt, dass sie sich kurz in der Garderobe umziehen möchte, und so habe das wunderbar geklappt.

Ihr damaliger Lehrmeister und zuständige Werkleiter sagt: «Wir wussten, dass wir kurz warten müssen, wenn die Garderobentüre geschlossen war.» Er räumt aber ein, dass der dortige Werkhof mit seinen drei Angestellten ein kleiner Betrieb sei. Darum komme man in der Garderobe oder auf der Toilette gut aneinander vorbei.

Mit den Vorwürfen der jungen Frau konfrontiert, bestätigt der Leiter des Werkhofs Dietikon, Lorenz Fränzl: «Ja, unsere momentane Situation verunmöglicht es uns, Frauen einzustellen.» Dass sich Männer und Frauen dieselben Toiletten oder Garderoben teilen, sei in Dietikon nicht möglich.

Denn im Betrieb arbeiten 33 Angestellte. «Wenn sich eine Frau in der Garderobe umzieht, können doch nicht 32 Männer vor der Türe warten», sagt Fränzl.

Im Werkhof Birmensdorf arbeiten zehn Personen – ebenfalls ausschliesslich Männer. Laut Gemeindeschreiber Angelo Umberg liege das aber nicht daran, dass der Werkhof keine Frauen wolle: «Unser Auswahlverfahren ist geschlechtsneutral.

Abgesehen von einer Ausnahme hat sich bisher einfach noch nie eine Frau beworben.» Auch in Birmensdorf gibt es im Werkhof keine getrennten WCs und Garderoben.

Umberg versichert aber, dass man im Bedarfsfall eine Lösung finden würde und die Anstellung einer valablen Bewerberin nicht vom Fehlen einer separaten sanitären Einrichtung abhängig machen würde.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Im Schlieremer Werkhof sind getrennte sanitäre Anlagen bereits Realität. Der Werkhofleiter Roger Gerber betont, dass es ihm wichtig sei, dass bei Stellenausschreibungen für Männer wie Frauen dieselben Aufnahmekriterien gelten.

Fränzl bedauert die Situation im Dietiker Werkhof, weist aber darauf hin, dass im Betrieb eine Umstrukturierung der Infrastruktur im Rahmen eines Betriebsumbaus vorgesehen sei. Denn bereits zwei Mal sei es vorgekommen, dass der Werkhof einer jungen Frau eine Absage erteilen musste, die sich auf eine Lehrstelle beworben hatte.

Trotz der Bemühungen des Werkhofs Dietikon, mit dem Umbau auch sanitäre Anlagen für Frauen einzurichten, findet Koller, dass wo ein Wille sei, es heute schon einen Weg gäbe. Zum Beispiel hätte sie sich ohne Probleme schon vor der Arbeit zu Hause umziehen können, schliesslich wohne sie in der Nähe in Dietikon.

Auch die Benützung der Herren-Toilette wäre für die junge Frau kein Problem gewesen.