Tom Cecchetto
Der Weg zum Tennis-Profi ist noch weit

Trotz seines bisher grössten Karriereerfolgs bleibt Tom Cecchetto auf dem Boden.

Michel Sutter
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Tom Cecchetto ist stolz auf seine Medaille, die er als Dritter bei der U18-Schweizer-Meisterschaft bekommen hat. msu

Tom Cecchetto ist stolz auf seine Medaille, die er als Dritter bei der U18-Schweizer-Meisterschaft bekommen hat. msu

Es ist halb sechs Uhr abends an diesem Donnerstag. Tom Cecchetto hat gerade seine heutige Trainingseinheit beendet. Nun sitzt er entspannt mit seinem Vater im Restaurant des VITIS-Sportcenters in Schlieren. Vor ihm liegt eine Medaille auf dem Tisch. Es ist ein besonderes Erinnerungsstück für Tom Cecchetto an seinen jüngsten Erfolg. Vorletztes Wochenende hat er an den Schweizermeisterschaften in der U18-Kategorie überraschend den dritten Platz geholt. «Ich habe mich sehr darüber gefreut», sagt der 17-Jährige. «Aber das war nur ein Teilerfolg.»

Für den Stalliker, der für den Urdorfer Tennisclub Weihermatt spielt, bedeutet dieser Podestplatz nach der Finalteilnahme an einem Turnier des Tennisweltverbands in Portugal im letzten Sommer den grössten Erfolg seiner noch jungen Karriere. Grund zur Euphorie sieht er jedoch keinen. «Ich habe während des Spiels gemerkt, woran ich noch arbeiten muss. Das sind ein paar technische und taktische Dinge. Und ich werde mich diesbezüglich verbessern.»

Diese Abgeklärtheit ist eine Stärke von Cecchetto, die er sich angeeignet hat – auch mithilfe seiner Mentaltrainerin, die er einmal pro Woche konsultiert. «Früher habe ich an solchen Turnieren nicht gut abgeschnitten», erinnert er sich. «Ich habe mir wohl selber zu viel Druck gemacht und war sehr nervös.» Die Nervosität, so Cecchetto, sei zwar geblieben. «Doch ich habe durch meine Mentaltrainerin gelernt, wie ich damit umgehen muss.» Nicht zuletzt deswegen bezeichnet er den dritten Platz an den Schweizermeisterschaften auch als grossen mentalen Erfolg.

Die Verpflichtung der Mentaltrainerin mag ein wichtiger Baustein sein für Cecchettos gutes Abschneiden an der Meisterschaft. Ein anderer ist sein Ehrgeiz. Achtmal pro Woche trainiert Cecchetto dafür, dass sein Tennisspiel besser wird. Insgesamt kommt er auf 18 Trainingsstunden wöchentlich. An den Wochenenden kommen die Turniere hinzu, einige davon im Ausland, an die er auch schon alleine, meist aber mit einem Elternteil reiste. Damit er diesen Zeitaufwand mit seiner Ausbildung vereinbaren kann, absolviert er an der United School of Sports das Sport-KV. Im August tritt er dann eine 50-Prozent-Stelle an. «Ich will eine Absicherung haben», sagt Cecchetto. «Ich möchte einen Abschluss machen, denn ich weiss ja nicht, was später passiert.»

Zehntausende Franken Kosten

Klar ist: Auf dem Niveau, auf dem Cecchetto spielt, ist Tennis ist nicht nur zeit-, sondern auch kostenintensiv. Zählt man die Kosten für Trainerstunden, Platzmieten, Betreuer, Material und Reisen an Turniere im Ausland zusammen, kommt man pro Jahr schon mal auf einige zehntausend Franken. Daher sind Cecchettos Eltern auch immer auf der Suche nach weiteren Sponsoren. «Aber es ist derzeit noch schwierig, einem Sponsor eine Gegenleistung zu bieten», meint Vater Roland Cecchetto. «Tom spielt noch nicht auf dem Niveau, das für ein Unternehmen bezüglich Werbepräsenz interessant ist. Der massgebliche, grosse Sponsor fehlt uns deshalb noch.»

Tom Cecchetto belegt im nationalen Ranking, in dem auch Stars wie Roger Federer oder Stan Wawrinka geführt werden, den 98. Platz. Im April, wenn die neue Rangliste herauskommt, dürfte er dank seines dritten Platzes an den Schweizermeisterschaften ein paar Ränge gut machen. Das Ranking ist Cecchetto allerdings nicht so wichtig. «Viel wichtiger ist, dass ich mein Spiel verbessere», sagt er. Dass er sich unter den besten zehn Spielern seines Jahrgangs halten kann, ist nur ein Etappenziel für ihn. «Ich bin momentan sogar der Fünftbeste», sagt er. «Und diesen Platz würde ich gerne behalten.» Und seine langfristigen Ziele? Cecchetto überlegt nicht lange. «Gesund bleiben und mich im Tennis jeden Tag verbessern», meint er.

Bisher ist Cecchetto von schweren Verletzungen verschont geblieben. Einmal hat er sich den Fuss gebrochen, ein anderes Mal musste nach einem Sturz der Schleimbeutel am Knie herausoperiert werden – ansonsten ist Cecchetto verletzungsfrei geblieben. Und dann hat er noch zwei Träume: einen kleineren und einen grossen. «Der kleinere Traum wäre, dass ich eines Tages vom Tennis leben kann», sagt Cecchetto. «Und der grosse, dass ich irgendwann mal ein Grand-Slam-Turnier gewinne» – so wie sein Vorbild Rafael Nadal. «Er macht immer weiter, kämpft, bis er stirbt», sagt Cecchetto über sein Idol. «Und er ist sehr ehrgeizig, aber bescheiden.» Ähnlich wie er selbst.