Urdorf

Der virtuelle Bauleiter — Start-up will Umbau mit Online-Plattform digitalisieren

Klick für Klick durch den Umbau: Der Bergdietiker Christian Vogt und sein Kollege Faton Mati gründeten umbaumanager.ch

Klick für Klick durch den Umbau: Der Bergdietiker Christian Vogt und sein Kollege Faton Mati gründeten umbaumanager.ch

Das Urdorfer Start-up will den Umbau mit einer Online-Plattform digitalisieren. So sollen Kunden und Handwerker Transparenz erhalten.

Irgendwann wurden ihm die Bau-Anfragen von Familie und Freunden zu viel. «Da entschieden wir uns, eine digitale Plattform zu erstellen», sagt Architekt und Bauleiter Christian Vogt. Der Bergdietiker gründete mit Faton Mati, einem Kollegen aus der IT-Branche, vor zwei Jahren die Plattform umbaumanager.ch.

Das Start-up mit Sitz in Urdorf spezialisiert sich auf Umbauten von Küche, Bad und weitere Dienstleistungen wie Maler-, Plattenarbeiten. «Die Plattform ist wie ein digitaler Bauleiter», sagt Vogt. Dieser begleitet die Kunden von der Idee, über die Bestellung der Küchenelemente, die Analyse der Offerten bis zur Fertigstellung des Umbaus. Das Spezielle ist dabei der automatisierte Ablauf. «Weder der Bauherr noch der Unternehmer muss je ein Telefon in die Hand nehmen, um einen Handwerker zu informieren, dass die Arbeit erledigt ist und der nächste beginnen kann.» Die Bauunternehmer vermerken den Stand der Arbeiten direkt auf dem Nutzerprofil und laden am Schluss ein Foto der vollendeten Arbeit hoch. So habe der Kunde von jedem Ort der Welt Einsicht in den Umbau.

Entdeckt der Wohnungsbesitzer einen Fehler in der ausgeführten Arbeit, füllt er auf seinem Nutzerprofil ein Mangelbericht aus. Transparenz und Kosteneinsparung seien Anforderungen, welche sich sowohl Unternehmer als auch Kunden von einer Umbau-Plattform wünschten, so Vogt.

Die Baubranche gilt als eine der am wenigsten digitalisierten. «Die Digitalisierung ist zwar angekommen, kommt aber nur langsam voran. Andere Branchen sind schneller», sagt Andrea Leu, Geschäftsführerin des Verbands «Bauen digital Schweiz». Um Internet und digitale Arbeitsmittel effizienter zu nutzen, brauche es Durchlässigkeit und viele Daten in guter Qualität. Diese müssten über die Prozesse hinweg weitergegeben und genutzt werden können. Momentan harze es einerseits an den fehlenden Schnittstellen und andererseits daran, dass die Daten oft nicht in guter Qualität vorhanden seien, so Leu.

Zur richtigen Zeit die richtige Idee präsentiert

Die Idee, eine Plattform zu erstellen auf der Projektdaten direkt an die Unternehmer weitergeleitet werden, stiess bei Bauunternehmen auf offene Ohren: «Wir kamen gerade im richtigen Augenblick mit unserer Idee», sagt Vogt. Durch digitalisierte Arbeitsprozesse Zeit, Energie und Geld zu sparen, schien verlockend. Auf der Kundenseite werde der Aufwand ebenfalls reduziert. «Statt dass sie zig Offerten erhalten, deren Beurteilung für Laien anspruchsvoll ist, könnten sie sich nun auf der Plattform anmelden und erhalten Offerten von geprüften Unternehmern», sagt er.

Den Vorwurf, die Marktdiversität mit der Vorauswahl zu beschneiden, lässt Vogt nicht gelten. Die Kunden hätten die Möglichkeit, mit eigenen Handwerkern zu arbeiten oder die Arbeiten gar selbst durchzuführen. «Doch dann verlangen wir eine Gebühr, da hier unsere Provision entfällt.» Grundsätzlich sei der Service für den Bauherrn jedoch gratis. Was am Schluss für Vogt und Mati herausschaut, ist eine Provision des Umsatzes der Handwerker. Trotzdem sei die Plattform für Handwerker lukrativ, da sie sich viele Offerten und umständliche Kommunikationswege sparen könnten.

Vogt hofft, dass er sich ab Mitte Jahr selbst finanzieren kann. Ende Monat gibt er seinen Job als Architekt auf und setzt ganz auf das Start-up. Unter Anderem geben ihm auch seine Partner die Sicherheit, den Schritt in die finanzielle Unabhängigkeit zu wagen. Mit dem Badezimmerhersteller SanitasTroesch, der 30 Prozent des Schweizer Markts beherrscht, und dem Küchenhersteller Element Küchen einem Schwergewicht in der Branche, haben die Jungunternehmer bekannte Aushängeschilder für ihr Start-up gefunden.

Umbauten bergen oft Überraschungen

Das schwierige bei Umbauten ist oft, dass nicht von Anfang an ersichtlich ist, was hinter den alten Mauern zum Vorschein kommt. «Einmal entdeckten wir beispielsweise ein Schilfdach», sagt Vogt. Andere Male seien Rohre verrostet gewesen. Solche Zwischenfälle führen dazu, dass man den Umbau im Voraus oft schlecht budgetieren und planen kann. «Es war eine der Herausforderungen, dass wir das System für alle Fragen vorbereiteten», sagt Vogt. Der digitale Bauleiter soll nämlich trotz Verspätungen und Problemen fähig sein, den Umbau weiterzubegleiten. Es gibt jedoch auch Grenzen der Digitalisierung: Um die Küchenzeile zu kaufen, müssen die Kunden eine herkömmliche Ausstellung besuchen und mit einem Berater reden. «Würden sie etwa eine Küche für 20000 Franken kaufen, ohne sie je berührt zu haben?», fragt Vogt. Auch auf physischer Seite gibt es Grenzen. Das System solle für rund 90 Prozent der Umbauten eine Lösung bieten, davon ausgeschlossen sind Villen und Häuser, die dem Heimatschutz unterstehen.

Bislang haben 15 Personen ihr Projekt auf der Plattform erfasst. Eines der Projekte ist bereits in der Bauphase. Bis im Frühling möchten die Jungunternehmer auch Fassadenrenovationen, sowie Heizungserneuerungen auf ihrer Plattform anbieten. «Das ist jedoch ein wenig komplizierter», sagt Vogt. Ein Ziel hat der Bergdietiker auf alle Fälle bereits erreicht: Die Anfragen der Familien und Freunde liefen nun tatsächlich über die Plattform. «Dort haben wir ja nun unser ganzes Wissen digital zugänglich gemacht.»

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