Schlieren
Der verstopfte Brunnen ist jetzt freigesprengt

Ein Berliner Spezialistenteam und ein Sprengmeister lassen im Betschenrohr das Wasser wieder sprudeln: Sie sprengen den Filter des Grundwasser-Brunnens, denn der alte Kern soll durch einen neuen ersetzt werden.

Anina Gepp
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Vorsichtig wird die Zündschnur versenkt
13 Bilder
Über den Bildschirm kann mitverfolgt werden, ob die Zündschnur richtig liegt
Sprengmeister Renggli zeigt Interessierter, wie die Zündung aussieht
Männer des Berliner Brunnenunternehmens bereiten die Sprengung vor
Die Zündschnur wird vorbereitet
Die Zündschnur muss exakt in der Mitte liegen, damit der neue Filter nicht beschädigt wird
Die Zündschnur führt exakt durch die Mitte
Die alte Pumpe des Brunnens wurde ausgehoben
Die Kamera wird vorsichtig wieder verstaut
Die Kamera fährt bis auf den Grund des Brunnens in 18 Metern Tiefe
Der Ingenieur des Brunnens, Raeto Conrad (links), ist ebenfalls vor Ort
Andreas Renggli überprüft alle Utensilien, die er für die Sprengung benötigt
Der verstopfte Brunnen ist jetzt freigesprengt

Vorsichtig wird die Zündschnur versenkt

Anina Gepp

Der Kofferraum von Sprengmeister Andreas Renggli sieht aus wie der eines Kriminellen. Auf den zahlreichen Kisten, die er am Freitagnachmittag mit dem Auto nach Schlieren zum Grundwasser-Brunnen Betschenrohr transportiert hat, wird mit grossen leuchtenden Symbolen vor einer Explosion gewarnt. Tatsächlich sei mit den darin befindlichen Sprengkapseln nicht zu spassen, sagt Renggli. Behutsam zieht er eine Zündschnur mit Sprengsatz aus einer gut verschlossenen Schachtel. Dieser Sprengkörper reagiert schnell auf Wärme und Erschütterung, sagt Renggli. Würde man ihn in der Hand zünden, würde es diese zerfetzen.

Genauigkeit ist gefragt

Doch Angst muss keiner der Zuschauer vor Ort haben: Der Sprengmeister hat seine Utensilien im Griff.

Carlos Pighin, Bereichsleiter Gas- und Wasserversorgung der Stadt Schlieren, beschreibt den Nachmittag als ein «grosses Spektakel». Es sei das erste Mal, dass er bei einer solchen Sprengung dabei sei. Im Leben eines Brunnenmeisters komme das wohl nur einmal vor. Deshalb seien auch alle Mitarbeiter des Werkhofs eingeladen worden, dabei zu sein. Einige davon verfolgten das Geschehen am Betschenrohr interessiert und machten sich sogar Notizen.

Die Aufgabe des Sprengmeisters ist es, den Filter des Grundwasser-Brunnens am Betschenrohr zu sprengen, denn der alte Kern soll durch einen neuen ersetzt werden. Im Erdbereich ist der Brunnenfilter nämlich mit Dreck verstopft. Es ist ein kompliziertes Verfahren: Die Zündschnur wird für die Sprengung genau in der Mitte des 18 Meter tiefen Rohrschachts in die Tiefe gelassen. Andernfalls könnte der neue Filter durch die Explosion beschädigt werden. 12 Gramm des Sprengstoffs Nitropenta sind pro Meter Schnur befestigt. Die Explosion soll sich in der Röhre gleichmässig verteilen.

Die ganze Vorarbeit für Rengglis Einsatz leistet eine Spezialfirma aus Berlin. In der Schweiz gebe es keine vergleichbare Firma, die solche Sprengungen durchführt, sagt der Sprengmeister.

Während die Sprengschnur gelegt und die Schwenkkopf-Kamera zur Kontrolle ins Innere des Brunnens versenkt wird, müssen sich alle Zuschauer vom Brunnen entfernen. In sicherer Distanz hinter dem Wagen des Sprengmeisters, wird Renggli in wenigen Sekunden die elektronische Zündung auslösen.

Renggli bläst zur Warnung vor der anstehenden Explosion kräftig in ein Horn – in alle Himmelsrichtungen. Dann zählt der Sprengmeister «drei, zwei, eins» und drückt danach den Knopf, der die Sprengung auslöst. Ein Knall, die Erde bebt für einen kurzen Moment. Dann ist der ganze Spuk auch schon wieder vorbei. Erst wenn man sich dem Brunnen wieder nähert, ist die Explosion auch zu riechen. Der Gestank erinnert an den Rauch von Feuerwerkskörpern.

Raeto Konrad, der Ingenieur des Betschenrohr-Brunnens, ist zufrieden mit dem Resultat der Sprengung. Auf die Berliner sei eben Verlass, sagt er und schmunzelt. Solche, die Brunnen putzen könnten, gebe es auch in der Schweiz viele. Aber Teams, die das Wissen hätten, um einen ganzen Brunnen frei zu sprengen, müsse man suchen.

Stickstoff holt letzten Dreck raus

Am kommenden Montag werde nun noch Stickstoff im Filter des Brunnens entladen, der nach jedem Meter einen grossen Knall verursacht. Damit würde auch noch das letzte Bisschen an Dreck aus der Anlage herausgelöst. Bemerkenswert sei, dass dieser Brunnen zwar der jüngste im Gebiet Betschenrohr sei, aber jener mit dem schlechtesten Zustand. Das liege am Material des Filterrohrs. In den 1930er-Jahren habe dieses noch aus verzinktem Stahl bestanden. Das sei heute anders, so der Ingenieur.