Die beiden Briefe seien adressiert, aber unfrankiert und ohne Absender gewesen. Hintergrund und Motiv sind unklar. Die Polizei geht davon aus, dass der Adressat hätte erschreckt werden sollen.

Der Alarm von Dienstagnacht war nicht der erste, der im Postzentrum Zürich-Mülligen in Schlieren wegen Verdachts auf einen chemischen oder biologischen Anschlag ausgelöst worden war. Beat Ernst, Kommandant der fürs Postzentrum zuständigen Feuerwehr Schlieren, erinnert sich an zwei ähnlich gelagerte Fälle in den letzten Jahren.

Allerdings: Damals hatten die Einsatzkräfte „nur" das verdächtige Pulver zu analysieren. Der jüngste Einsatz war laut Kommandant Ernst ungleich grösser, weil Personen betroffen waren. Insgesamt wurden 34 Personen zu Abklärungen in umliegende Spitäler eingeliefert.

Kopfschmerzen, Erbrechen und gereizte Atemwege

Warum die Personen Vergiftungssymptome wie Kopfschmerzen, Erbrechen oder gereizte Atemwege zeigten, kann Fabian Hegi, Mediensprecher von Schutz und Rettung nicht erklären. Möglich, dass die Nervosität mitgespielt habe.

Evakuierung im Postzentrum in Mülligen

Evakuierung im Postzentrum in Mülligen

In der Nacht befürchtete man bei der Post noch, es könnten 1,5 bis 2,5 Millionen A-Post-Briefe aus den Regionen Zürich und Ostschweiz nur mit einem Tag Verspätung ausgeliefert werden. «Dank dem ausserordentlichen Einsatz von Mitarbeitenden und Freiwilligen kann diese Zahl auf 600'000 bis 800'000 Briefe reduziert werden», sagte Postsprecher Oliver Flüeler auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Vollständig wettmachen können habe man den vierstündigen Unterbruch aber nicht. Laut Flüeler haben die Angestellten absolut richtig reagiert, als ein unbekanntes weises Pulver entdeckt worden war, das aus zwei Briefen rieselte. Die Angst bei den Evakuierten sei gross gewesen.

Terror-Experte Peter Forster: «Die Infrastruktur der Schweiz ist unglaublich empfindlich»

Terror-Experte Peter Forster: «Die Infrastruktur der Schweiz ist unglaublich empfindlich»

Obwohl das Pulver also gänzlich harmlos war, stellten die Sanitäter vor Ort bei zahlreichen Personen typische Vergiftungssymptome fest, wie Roland Portmann von Schutz & Rettung sagte: Kopfweh, Husten, Erbrechen, gereizte Atemwege.

Grosse Beunruhigung bei Mitarbeitenden

Weshalb diese Symptome auftraten, ist gemäss Portmann unklar. Nicht auszuschliessen sei, dass sie im Zusamenhang standen mit der Nervosität und Anspannung der Mitarbeitenden nach dem Alarm. Post- Sprecher Oliver Flüeler bestätigte denn auch, die «Beunruhigung der Mitarbeitenden war gross».

34 Personen wurden für genauere Abklärungen in Spitäler gebracht. Im Laufe des Mittwoch konnten laut Portmann alle wieder nach Hause, soweit sie das Spital nicht schon vorher verlassen hatten.

Die Sensibilisierung für derartige Zwischenfälle mit «verdächtigen Sendungen» gehört laut Flüeler zur Schulung der Postmitarbeitenden. Das gehöre zum Sicherheitsdispositiv grosser Zentren. Dazu gehörten auch regelmässige «Ernstfall»-Übungen.

Giftalarm: Wirtschaftliche Folgen für die Post

Giftalarm: Wirtschaftliche Folgen für die Post

Evakuierung wegen Pulver

Das Postzentrum Mülligen in Schlieren wurde evakuiert, weil am Dienstagabend ein verdächtiges Pulver gefunden worden war. Ein Grossaufgebot von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften war vor Ort.

Eine Sprecherin der Kantonspolizei Zürich sagte am Mittwoch auf Anfrage, beim Pulver habe es sich um eine harmlose Substanz gehandelt, «Maizena oder dergleichen». Der Fall sei für die Polizei «soweit abgeschlossen».

Über 220 Personen wurden vorsorglich aus dem Gebäude des Postverteilzentrums evakuiert. (jk/sda)

Vergiftungs-Symptome: Nervosität mögliche Ursache

Vergiftungs-Symptome: Nervosität mögliche Ursache