Geroldswil
Der Verkehr ist Fluch und Segen für die Wirtschaft

Die Unternehmer Planzer, Richi und Blocher redeten im Hotel Geroldswil an einem SVP-Parteianlass über den Wirtschaftsstandort Limmattal. Für Blocher wurde es praktisch zu einem Heimspiel.

Daniel Andrés Egli
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Die Unternehmer Bruno Planzer, Christoph Blocher und Jakob Richi (von links nach rechts)

Die Unternehmer Bruno Planzer, Christoph Blocher und Jakob Richi (von links nach rechts)

az/key

Es gibt in der Schweiz nur wenige Personen, bei denen ein Publikum spontan applaudiert, wenn sie einen Saal betreten. Roger Federer mag dieses Wohlwollen geniessen oder der Sänger Baschi. Bei Politikern ist dieses Phänomen eher selten zu beobachten. Es sei denn, man heisst Christoph Blocher. So geschehen diesen Montag im grossen Saal des Hotels Geroldswil im Rahmen eines von der SVP Bezirk Dietikon organisierten Podiums zum Thema: Wirtschaft, Eigentum und Freiheit im Limmattal.

Thema Verkehr dominierte

Es diskutierten die Unternehmer Bruno Planzer (Planzer Transport AG, Dietikon), Jakob Richi (Richi AG, Weiningen) und Christoph Blocher (EMS Chemie), über die Vor- und Nachteile des Wirtschaftsstandort Limmattal unter der Leitung von Jürg Krebs, Chefredakteur der az Limmattaler Zeitung.

Schnell ging es um das Limmattaler Thema: den Verkehr. Planzer und Richi lobten unisono die an sich guten Verkehrsverbindungen des Limmattal, das sei ein grosses Plus für die Wirtschaft. Aber: «Im Limmattal wurde der Ausbau des Individualverkehrs sträflich vernachlässigt», meinte Bruno Planzer zu Beginn des Podiums. Unter alt Bundesrat und Verkehrsminister Moritz Leuenberger habe man praktisch ausschliesslich in das Schienennetz investiert. Das hält Planzer zwar nicht für falsch, das Strassennetz dürfe dabei aber nicht vergessen werden. «Die Strassen sind die Lebensader der Wirtschaft. Wenn wir sie vernachlässigen, gefährden wir damit direkt unseren Wohlstand», meinte Planzer.

Dritte Gubriströhre ein Muss

Das sah auch der Weininger Unternehmer Jakob Richi so. Trotzdem dürfe der öffentliche Verkehr aber nicht vergessen werden, so Richi. Die Strassen sollten primär dem Wirtschaftsverkehr dienen, die Bus und Bahn dem Privat- und Pendlerverkehr. «Die dritte Röhre am Gubrist ist jedoch ein Muss für das Limmattal», so Richi.

Christoph Blocher hielt sich in der Diskussion bei den spezifischen Limmattaler Themen eher zurück. Den raschen Ausbau des Gubristtunnels um eine Dritte Röhre befürwortete er klar. Der Kanton Zürich bezahle viel Geld in die Bundeskasse, bei der Infrastruktur habe er es jedoch schwer, Geld zurückzuerhalten, so Blocher. Blocher machte den Pendlerverkehr für das Verkehrsproblem mitverantwortlich. Er verstehe nicht, warum alles immer in Zürich zentralisiert werde. «Wieso stellen wir nicht einmal ein Gymnasium an der Goldküste auf, dann müssten die armen Gymnasiasten nicht jeden Tag wie die Verrückten nach Zürich fahren», meinte Blocher etwas schalkhaft.

Strasse entlasten

Den Container-Umschlagterminal Gateway Limmattal befürworteten sowohl Planzer wie Richi. Die Integration des Gateways in den bestehenden Rangierbahnhof sei sinnvoll. Gebaut werde er sowieso, sagte Planzer. Seine Sorge galt vielmehr der Vorgabe, dass 80 Prozent der Container auch wieder per Bahn weitertransportiert würden.

Für Richi war zudem klar, eine Limmattalbahn zur Entlastung der Strasse sei bei anhaltender Siedlungsentwicklung dringend nötig. Bevor die drei Unternehmer über die Vor- und Nachteile des Wirtschaftsstandorts Limmattal diskutierten, präsentierten sich der Aescher Jurist Hans Egloff und Christoph Blocher als Wahlkämpfer.

Egloff, auch Präsident des Hauseigentümerverbands Kanton Zürich, versprach im Falle einer Wahl am 23.Oktober in den Nationalrat Wohneigentum zu fördern, Bürokratie willkürliche und mehrfache Steuern und Abgaben zu bekämpfen und eine starke Vertretung des Limmattals in Bern zu sein. Seinen Bezirk lobte er als tollen Lebens-, Entfaltungs- sowie pulsierenden Wirtschaftsraum und attestierte ihm eine hohe Lebensqualität. Das Limmattal sei mehr, als die täglichen Gubrist-Staumeldungen im Radio suggerierten.

Blocher lobte die Schweiz als Wirtschaftsstandort, der dank Bildung und Tüchtigkeit international äusserst konkurrenzfähige Qualitätsprodukte bieten könne. Qualität sei etwas Besonderes, deshalb sei für die Schweiz immer der Sonderfall gefragt: wirtschaftlich, wie politisch. Eine föderalistische Schweiz trage viel zum Erhalt dieses Sonderfalls bei.