In Urdorf ist Dorffest. Überall Chilbi, Musik, Kinderlachen und Sonnenschein. In der Zentrumshalle erwartet die Besucher Düsternis. Rauch steht in der Luft. Fünfmal schlägt die Glocke. In einem kleinen Dorf in der Nähe von Zürich bahnt sich Schreckliches an.

Katzenpfoten und Rattenschwänze

Wir sind im Jahr 1600 nach Christus. Zwei Frauen werden verdächtigt, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben. «Häxe, Häxe, Häxe», singt der Chor und das Orchester begleitet mit dumpfen Klängen. Hat man nicht gesehen, dass Elisabeth und ihre Tochter Kathrin aus Rattenschwänzen und Katzenpfoten einen unheimlichen Sud gebraut haben? Die Volksseele kocht.

«Häxefüür» ist Laienbühne und Profimusical in einem. Für die Produktion unter der Regie von Martina Lory konnten acht professionelle Schauspieler gewonnen werden. Claudia Kübler als Tochter Kathrin und Monica Quinter als ihre Mutter Elisabeth standen beide bereits in den Musicals «Space Dream» und «Ewigi Liebi» zusammen auf der Bühne und Christoph Wettstein als Gemeindeoberhaupt des Dorfes, dürfte für Liebhaber der Krimiserie «Tatort» kein Unbekannter sein.

Martina Lory steht die Freude über die gelungene Aufführung ins Gesicht geschrieben: «Wenn man bei der Premiere nur noch dasitzen und nichts mehr tun kann, ist man schon etwas nervös», gesteht sie. Laien und Profis zusammenzubringen, sei eine Herausforderung gewesen. Aber alle hätten sich sehr gut ergänzt.

Die Laien, das sind die Musikerinnen und Musiker der Harmonie Urdorf und die Mitglieder des Limmichors, die sich enorm engagiert hätten, erzählt Projektleiter Urs Dannenmann. «Die Energie, die im Laufe der Proben und heute an der Aufführung zu spüren war - das hätte ich anfangs nicht für möglich gehalten.»

Die Idee für das Musical, das eines der wenigen ist, die für Blasorchester geschrieben wurden, entstand bereits vor drei Jahren. Mit den Proben begonnen wurde im Oktober. Die Profis stiessen Mitte April dazu. Für den Klarinettisten Michael Blattmann aus Dietikon ist es beeindruckend, wie gut die Zusammenarbeit geklappt hat. «Die Arbeit der Profis hat uns Laien richtig beflügelt», sagt er. Pascal Müller, Dirigent der Harmonie Urdorf ist überglücklich, dass vor ausverkauftem Haus gespielt werden durfte und die Premiere so gut gelaufen ist. «Wir sind total zufrieden.»

Geköpft und in die Sihl geworfen

«Häxefüür», das sind grosse Gefühle, dramatische Lichteffekte, mitreissende Musik. «Ich hatte richtig Hühnerhaut», gesteht Alessia Alemanni und ihrem Freund ging es genau so, was ihm, wie er zugibt, sonst selten passiere. Die Choreografie von Stephan Lüthy trägt das Ihre dazu bei. Wie Chor und Tänzerinnen der Tanz-Fabrik, begleitet von bedrohlichen Klängen des Orchesters, am Hexensabbat den Teufel beschwören, wie Kathrin mit einem Sack über dem Kopf auf den Scheiterhaufen gebunden wird und das ganze Dorf ihr Leben fordert, lässt niemanden im Publikum kalt.

Wer würde da noch einen Silbertaler auf das Leben der vermeintlichen Hexe wetten. Ob das Volk im letzten Moment zur Besinnung kommt, sei hier nicht verraten. Nur so viel: 1643 wurde eine Anna Schnyder aus Urdorf wegen Hexerei geköpft verbrannt und in die Sihl geworfen.

Weitere Aufführungen: 22./23./24. Mai 19.30 Uhr, Zentrumshalle Urdorf. Informationen unter www.urdorffaescht.ch