Dietikon
Der Umbau des «Storchen» findet zu grossen Teilen in der Silbern statt

Der Logistiker Pestalozzi arbeitet derzeit an einem komplexen Auftrag – weil die Sanierung des Zürcher Luxushotels so rasch wie möglich über die Bühne gehen soll, baucht es unübliche Methoden.

Alex Rudolf
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Storchen
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Die knapp bemessene Zeit und die engen Platzverhältnisse drängen zu kreativen Lösungen
Stefan Greub von Transstahl.
Für jedes Zimmer gibt es in der ehemaligen Prodktionshalle einen eigens definierten Bereich
Die Tische, die kurz vor der Fertigstellung der Arbeiten wieder den Weg nach Zürich finden
Die Handwerker vor Ort sollen lediglich den Einbau vornehmen - alles andere wird so weit wie möglich in Dietikon vorbereitet
So auch das edle Waschbecken
Neben Möbeln sind auch viele Einrichtungsgegenstände eingelagert
Am 20 Februar wird eröffnet
Auch Zerbrechliches ist gut verpackt in den Dietiker Hallen zu finden

Storchen

Alex Rudolf

«Als die Architekten mich über die Rahmenbedingungen dieses Auftrags unterrichteten, dachte ich, dass dies unmöglich sei», sagt Stefan Greub. Der Geschäftsleiter des zur Pestalozzi-Gruppe gehörenden Logistikers Transstahl, liess sich jedoch auf das Gespräch ein. Der Auftrag: Das Luxushotel Storchen an prominentester Lage in der Zürcher Innenstadt sollte innert sechs Wochen rundumrenoviert werden. Heute, einige Monate später, führt Greub durch die Lagerhalle im Silbern-Quartier. Ein grosser Teil davon, was in den vergangenen Wochen im Storchen eingebaut oder restauriert wurde, war oder ist hier zu finden.

Durch das Scheddach in der ehemaligen Produktionshalle fällt viel Tageslicht. Der Betonboden ist mit gelbem Klebband in Einheiten von rund 15 Quadratmetern unterteilt. An Stangen, die an der Decke angebracht sind, hängen Zettel: Zimmer 306, Zimmer 308. Mit diesem Konzept, welche die Architekten des Büros PMP gemeinsam mit dem Logistiker ausgearbeitet haben, wird nicht nur der knapp bemessenen Zeit, sondern auch dem Platzmangel begegnet.

Gearbeitet wird im Schichtbetrieb

In der Zürcher Altstadt gibt es zu wenig Platz. Undenkbar, dass man auf dem noblen Weinplatz mit seinen Boutiquen eine Grossbaustelle beheimaten würde. «Daher entschieden wir uns, unsere Lagerhalle als Puffer zu verwenden», so Greub. Von hier aus werden die Handwerker, die zwischen morgens um sieben und abends um 22 Uhr im Schichtbetrieb arbeiten, täglich mit den Materialien beliefert, die sie gerade brauchen. Egal, ob es sich dabei um Mobiliar, Leitungen oder Elektronik handelt. So stehen derzeit Dutzende Bettrahmen in der Halle, goldene Leuchten blitzen hin und wieder auf. Im hinteren Bereich des Raums ist eine komplett fertig zusammengebaute Waschbecken-Komposition, daneben stehen rund 40 Flachbildschirme, die bruchsicher verpackt sind.

«Alles wurde hier so weit wie möglich zusammengebaut, sodass sich die Handwerker vor Ort nur noch um den Einbau kümmern müssen», so Greub. Der Platz auf der Storchen-Baustelle sei derart knapp, da meist mehrere Handwerker im selben Raum arbeiten. Jeweils abends gibt der Baustellenleiter die Bestellung für den darauffolgenden morgen auf, im Verlauf des Tages folgen – je nach Bedarf – zwischen drei und fünf Fahrten vom Silbern-Quartier in die Zürcher Innenstadt.

Nicht nur der Platzmangel in der Innenstadt, auch der Hotelbetrieb an sich ist einer der Gründe, warum man auf diese Puffer-Lösung setzte. «Wird ein Hotel umgebaut, fehlen die Gäste. Daher war es den Besitzern wichtig, den Umbau so schnell wie möglich über die Bühne zu bringen», so Greub.

Bereits im vergangenen November begannen die Arbeiten in der Pestalozzi-Lagerhalle. Damals befassten sich die Angestellten mit dem Zusammenbauen verschiedener Elemente. «Zwischen Weihnachten und Neujahr waren beispielsweise zwei Mitarbeiter damit beschäftigt, die elektrische Installation der Zimmer vorzubereiten», so Greub.

Dinge wurden komplex

Alles darf im Luxushotel jedoch nicht neu werden. «Diverse Einrichtungsgegenstände wurden vom Storchen zu uns transportiert und von hier aus an spezialisierte Unternehmen weiterverteilt, die sie restaurieren oder aufwerten», so Greub. Daher haben die Gegenstände, die Pestalozzi lagert, auch einen gewissen Wert. «Da im Logistik-Geschäft wertvolle Ware stets eine spezielle Angelegenheit ist, mussten Versicherungen abgeschlossen werden.» Dies ist auch der Grund, weshalb die unscheinbare Halle im Dietiker Industriegebiet rund um die Uhr videoüberwacht wird.

Definitiv wird das umgebaute Hotel Storchen mit seinen 66 Zimmern und Suiten am 20. Februar eröffnet, wie Greub sagt. «Für den unwahrscheinlichen Fall, dass eines der Zimmer noch nicht fertiggestellt sein wird, haben wir noch immer ein paar Tage Kapazität.»
Er habe noch nie einen vergleichbaren logistischen Aufwand für ein Bauprojekt betrieben, sagt Greub. Denkt er, dass dies die Baustellen der Zukunft sind? «Aus unserer Sicht ist dies natürlich zu hoffen.» Doch seien hier schon spezielle Umstände zusammengekommen, welche diese Lösung notwendig machten.