Oberengstringen
Der Treffpunkt für Junge – das Haus der Jugend erreicht ein reifes Alter

Das Jugendhaus Oberengstringen wird 40. Die Jugendarbeit hat sich stark verändert, die Jugend nicht so sehr: Wichtig ist immer noch, einen Ort zu haben, wo man mit Gleichgesinnten sein kann.

Manuela Moser
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Jugendhaus Oberengstringen
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Besser drinnen als draussen auf der Strasse: Jugendliche in den 1990er-Jahren.
Umbau kann Spass machen: Die Oberengstringer in den 1980ern.
Vor dem Billardtisch Schlange stehen: Er ist heute noch ein Magnet.

Jugendhaus Oberengstringen

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Bald ist es 40 Jahre her, seitdem die 13-jährige Vic, gespielt von Sophie Marceau, in der französischen Teenagerkomödie «La Boum» unter der Discokugel eng umschlungen tanzte.

Ähnliche Szenen spielten sich auch im Jugendzentrum Oberengstringen ab, das am 10. Juni 1978 eröffnet wurde. Zentral im Dorf gelegen ist das «JZ», wie es kurz genannt wird – allerdings als «IZ» ausgesprochen – von den Jugendlichen selbst eingerichtet worden.

In vielen Stunden Fronarbeit hatten sie damals in der ehemaligen Metzgerei Anderes die Stromleitungen gezogen, die Wände gestrichen und die Lampen montiert – aus der Schlachterei wurde der Discoraum. Solche Eigenleistungen gab es in der Geschichte des «JZ» immer wieder – so auch für das 40-Jahr-Jubiläum, das eigentlich diesen Frühling fällig gewesen wäre.

«An einem ganzen Wochenende im April arbeiteten wir, dekorierten und schliffen», erzählt die 26-jährige Larissa Buser, die heute unter der Leitung von Sandra Jenny (46) in einem 70-Prozent-Pensum in Oberengstringen als Jugendarbeiterin im Einsatz steht.

Roxy Zollinger (25) Ich arbeite heute selbst als Jugendarbeiterin für die reformierte Kirche im Kirchenkreis 10, zu welchem auch Oberengstringen gehört und organisiere das «JZ»-Jubiläum mit. Meine guten Erfahrungen im «JZ» haben sicher dazu beigetragen, dass ich mich heute an der Curaviva in Luzern zur Gemeindeanimatorin ausbilden lasse. Oberengstringen übernimmt eine Vorreiterrolle, was die Selbstverwaltung durch Jugendliche angeht. Dank der sehr guten Jugendarbeit der letzten Jahre funktioniert das. Mein Lieblingszimmer früher war das «Meitlizimmer». Da konnten wir unter uns sein.
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Nina Müller (20) Das «JZ» war ein zentraler Punkt meiner Jugend in Oberengstringen. Sei es der Streetclub am Mittwochnachmittag oder die zahlreichen Sonntage, die ich dort mit Freunden verbracht habe. Besonders im Winter, wenn wir vor der Kälte draussen fliehen mussten. Gerne denke ich auch an meinen ersten Job als Betreiberin zurück. Ich lernte dabei, Verantwortung zu übernehmen. Ein Oberengstringen ohne «JZ» wäre nicht Oberengstringen, wie wir es kennen und lieben. Darum wünsche ich dem «JZ» 40 weitere Jahre voller lachender Gesichter und bleibender Erinnerungen.
Katarina Spasojevic (16) Ich gehe ins Jugendzentrum und arbeite auch dort im Treff seit der zweiten Sekundarstufe. Ich achte darauf, dass keine Dummheiten passieren, stehe für Fragen zur Verfügung und spiele auch selber mal mit. Ich habe viele tolle Erinnerungen gesammelt, einige auch etwas unschöne. Vor allem dann, wenn andere Mitarbeitende die Regeln nicht befolgten. Ein paar Kollegen empfand ich als komisch. Im nächsten Jahr, an meinem Geburtstag im Januar, werde ich aber aufhören, da meine Prüfungen anstehen. Dem «JZ» wünsche ich alles Gute und dass es noch weitere 40 Jahre bestehen bleibt.
Karin Mourouzidis (45) Ich habe als Jugendliche fast im Jugendhaus gelebt – ich war jedes Wochenende dort und auch am Mittwochnachmittag. Und so auch meine Freunde. Es war ein warmer Ort, als Treffpunkt besser geeignet als uns irgendwo draussen zu treffen. Meine erste Erinnerung als 13-Jährige war eindrücklich: Es gab gerade eine Polizeirazzia wegen Drogen. Meine Eltern waren nicht so begeistert, dass ich ins Jugendhaus ging. Aber alles in allem war es friedlich: Wir haben Disco gemacht, zum Beispiel Päärlitanz wie in «La Boum». Die Anwohner haben sich oft über unsere Töfflis geärgert.
Nancy Baltisberger (20) Ach die Zeit im «JZ»... Ich blicke mit freudigen Erinnerungen zurück. Viele Lacher, tolle Events, tolle Leute, manchmal auch ein bisschen Liebesdrama – wie die Jugend halt so ist – aber vor allem war es auch ein warmer Treffpunkt der Jugend in Oberengstringen während den kalten Tagen im Jahr. Ich kann mir das «JZ» gar nicht wegdenken. All die Sachen, die nicht nur ich und meine Freunde, sondern schon viele andere vor uns erlebt haben, bleiben für immer. Unser Highlight war das Weinfest. Ich wünsche dem «JZ» von Herzen weitere tolle 40 Jahre und vor allem: ein volles Haus.
René Beck (58) Wir waren so happy, als wir das Jugendhaus in der ehemaligen Metzgerei beziehen durften. Vorher waren wir im Salzkeller des alten Schulhauses. Unter dem Dach hatten wir ein Bistro, aber dazwischen lagen zwei Kindergärten, das war nicht ideal. Alle haben beim Umbau geholfen. Disco machen und Töggeliturniere waren beliebt. Vor dem Flipperkasten bildete sich immer eine Schlange. Beliebt war auch der «Schmusiraum» – dort war sogar eine kleine Lampe zu hell. Ich wünsche dem Jugendhaus, dass die Jungen genau so viele schöne Erinnerungen mitnehmen dürfen wie wir.»

Roxy Zollinger (25) Ich arbeite heute selbst als Jugendarbeiterin für die reformierte Kirche im Kirchenkreis 10, zu welchem auch Oberengstringen gehört und organisiere das «JZ»-Jubiläum mit. Meine guten Erfahrungen im «JZ» haben sicher dazu beigetragen, dass ich mich heute an der Curaviva in Luzern zur Gemeindeanimatorin ausbilden lasse. Oberengstringen übernimmt eine Vorreiterrolle, was die Selbstverwaltung durch Jugendliche angeht. Dank der sehr guten Jugendarbeit der letzten Jahre funktioniert das. Mein Lieblingszimmer früher war das «Meitlizimmer». Da konnten wir unter uns sein.

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«Doch am Sonntag darauf gab es einen Wasserschaden, der Boiler explodierte.» Dieser stand im mittleren der insgesamt drei Stockwerke des Jugendzentrums. Das Wasser tropfte bis in den unteren Stock, alles war überflutet – auch die Instrumente der eingemieteten Bands. Fünf Monate lang musste das Haus geschlossen bleiben, die Party war vorerst buchstäblich ins Wasser gefallen – ein weiteres bewegtes Kapitel in der Geschichte des «JZ».

Die Anfänge gehen zurück auf die frühen sechziger Jahre, als die Jugend von Oberengstringen noch über keinen Rückzugsort verfügte. Man traf sich im Jugendkeller «Halde 99» im alten Schulhaus, dem heutigen Kindergarten der Schuleinheit Rebberg. Der Initiative einiger Realschüler sei es zu verdanken gewesen, heisst es in der Gemeindechronik «Halt auf Verlangen Ober-Engstringen», dass das «Juhuu», oder eben «JZ» im Salzkeller des alten Schulhauses entstehen konnte, bevor dann das Jugendhaus in der ehemaligen Metzgerei bezogen wurde.

«Eine super happy Zyt»

«Ich erinnere mich noch gut an die Anfangsjahre», sagt René Beck, der oft im Jugendhaus war und heute Gemeinderat von Oberengstringen ist. «Ich habe mitgeholfen, die Sanitärleitungen zu verlegen.» Lachend fügt er an, wie froh er gewesen sei zu hören, dass der Wasserschaden nicht wegen seinen Leitungen passiert ist.

«Wir richteten damals im Keller eine Dunkelkammer ein», erinnert er sich, «und haben selber Hand angelegt.» Es sei eine «super happy Zyt» gewesen, die Töfflis vor dem Treff seien ihr Kennzeichen gewesen. Oft sei man dann nach Mitternacht damit auf die nächste Party geknattert. «Das Jugendhaus war einfach der Treff, um seine Freunde zu sehen.»

Das sagt auch Roger Kraatz, Besucher des «JZ» in den 1980er-Jahren. «Pumpenvoll war es jeweils am Samstagabend», erinnert er sich. Viele seiner damaligen Clique seien heute wieder nach Oberengstringen gezogen, oder nach Unterengstringen und Weiningen. Er findet, die Jungen von heute sitzen zu viel vor den Videogames. «Wir aber haben noch richtig Quatsch gemacht.»

Am Flughafen Rollstühle geklaut und im Parkhaus damit rumgefahren -– oder den ersten Jugendhausleiter geärgert. Der habe früher im oberen Stock des Jugendhauses gewohnt. «Wir haben ihn selten zu Gesicht bekommen», so Kraatz, «aber wir haben sein Auto an die Strassenlaterne gebunden oder auf die Kreuzung gestellt.»

Auch Sandra Jenny, heutige Leiterin der Jugendarbeit, erinnert sich an den ersten Jugendleiter. «Er war ein Armer um uns herum», sagt sie. Er sei manchmal auch angepöbelt worden. Heute sei dieses Verhalten seitens der Jugendlichen undenkbar. «Es gibt für die Jungen viel mehr Regeln und Konsequenzen.»

Die Jugendlichen führten das Jugendhaus heute selbstständig, in Eigenverantwortung und gegen Bezahlung. Das funktioniere tadellos. Auch der Zivildienstler, der 19-jährige Nicola Canziani, der als dritte Person für die Jugendarbeit in Oberengstringen tätig ist, bestätigt: «Ich finde die Jungen von heute sehr anständig und leistungsoriertiert, fast ein bisschen brav.»

Verändert haben sich nicht nur die Jungen, sondern auch die Jugendarbeit, insbesondere in den vergangene 15 Jahren. Sandra Jenny: «Heute steht nicht mehr das Jugendhaus im Zentrum, sondern die Jugendarbeit und die Förderung.»

Dies zeigt sich auch am Jugendinfo-Zimmer über der Bibliothek: Hier können Junge von Mittwoch bis Freitag ohne Voranmeldung vorbeikommen und erhalten Hilfe bei der Lebensbewältigung oder der Berufswahl. Auch steht ihnen ein PC mit Drucker gratis zur Verfügung. Die aufsuchende Jugendarbeit sowie die Teilnahme an Schullagern sorgt schliesslich dafür, dass die Jungen die Jugendarbeiter auch persönlich kennenlernen.

DJ Energy ist im Jugendzentrum gross geworden

Die Karriere des national bekannten DJs Energy begann 1987 in einem Jugendhaus, hiess es im «Blick» an seinem Todestag im August 2011. Mit diesem Jugendhaus war Oberengstringen gemeint. Hier legte Roger Beglinger – so lautete sein bürgerlicher Name – bereits als 13-Jähriger auf.

Von hier aus wurde er national als Trance DJ bekannt. Er war es, der diesen Musikstil in die Schweiz gebracht hatte – doch mit nur 37 Jahren war er plötzlich tot. Die Nation war geschockt. Denn am Tag zuvor hatte er noch als DJ für die 20. Zürcher Street Parade aufgelegt, zur After-Party «Energy» schaffte er es aber nicht mehr.

Bis dahin hielt er als einziger DJ den Rekord, an jeder «Energy» aufgelegt zu haben. Über ein halbes Jahr nach seinem plötzlichen Tod lag dann der Obduktionsbericht vor. Schuld an DJs Energy Tod waren weder Drogen noch Alkohol. Er starb an einem Medikamenten-Cocktail.

Schon länger hatte er sich körperlich angeschlagen gefühlt, insbesondere nach einem Sturz, bei dem er sich an der Schulter verletzt hatte. Die Medikamente nahm der Techno-DJ zur Schmerzlinderung ein. Ob die Einnahme akzidentiell oder suizidal zum Tode geführt hatte, lässt sich nicht abschliessend beurteilen, hiess es im zwölfseitigen Obduktionsbericht.

Karin Mourouzidis, die damals regelmässig im Oberengstringer Jugendhaus ein- und ausging, erinnert sich an ihren früheren Schulschatz: «Er war ein bescheidener Typ – das wurde ihm vielleicht später zum Verhängnis. Es hat mich später berührt zu erfahren, dass so viel Potenzial in ihm steckte. Es machte mich stolz, dass er ein Megastar wurde.»

Roger Kraatz, ein ehemaliger Freund aus den 1980er-Jahren im Jugendhaus, bestätigt, dass Roger Beglinger ein eher ruhiger Typ war. «Definitiv kein Draufgänger» sagt er, «aber mixen konnte er.»

Auch der heutigen Jugendbeauftragten Sandra Jenny ist der spätere DJ Energy noch präsent: «Ich hatte ihn angefragt, ob er für einen DJ-Workshop nach Oberengstringen zurückkommen würde.» Er sei begeistert gewesen und habe dem Heimatdorf etwas zurückgeben wollen. «So weit ist es aber leider nicht mehr gekommen.»

Als Teenie packte Roger für das «JZ» an.

Als Teenie packte Roger für das «JZ» an.

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Jahre später als Star-DJ am Mischpult.

Jahre später als Star-DJ am Mischpult.

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Am Samstag dem 3. November von 14 bis 17.30 Uhr findet das 40 Jahre Jugendzentrum-Jubiläum statt. Ab 19 Uhr gibt es eine Jugendparty. Das Jugendhaus befindet sich an der Zürcherstrasse 113 in Oberengstringen. Angebote gibt es für jedes Alter: Kinderkino, Tanzworkshop und eine Fotoausstellung.