Bald ist es 40 Jahre her, seitdem die 13-jährige Vic, gespielt von Sophie Marceau, in der französischen Teenagerkomödie «La Boum» unter der Discokugel eng umschlungen tanzte.

Ähnliche Szenen spielten sich auch im Jugendzentrum Oberengstringen ab, das am 10. Juni 1978 eröffnet wurde. Zentral im Dorf gelegen ist das «JZ», wie es kurz genannt wird – allerdings als «IZ» ausgesprochen – von den Jugendlichen selbst eingerichtet worden.

In vielen Stunden Fronarbeit hatten sie damals in der ehemaligen Metzgerei Anderes die Stromleitungen gezogen, die Wände gestrichen und die Lampen montiert – aus der Schlachterei wurde der Discoraum. Solche Eigenleistungen gab es in der Geschichte des «JZ» immer wieder – so auch für das 40-Jahr-Jubiläum, das eigentlich diesen Frühling fällig gewesen wäre.

«An einem ganzen Wochenende im April arbeiteten wir, dekorierten und schliffen», erzählt die 26-jährige Larissa Buser, die heute unter der Leitung von Sandra Jenny (46) in einem 70-Prozent-Pensum in Oberengstringen als Jugendarbeiterin im Einsatz steht.

«Doch am Sonntag darauf gab es einen Wasserschaden, der Boiler explodierte.» Dieser stand im mittleren der insgesamt drei Stockwerke des Jugendzentrums. Das Wasser tropfte bis in den unteren Stock, alles war überflutet – auch die Instrumente der eingemieteten Bands. Fünf Monate lang musste das Haus geschlossen bleiben, die Party war vorerst buchstäblich ins Wasser gefallen – ein weiteres bewegtes Kapitel in der Geschichte des «JZ».

Die Anfänge gehen zurück auf die frühen sechziger Jahre, als die Jugend von Oberengstringen noch über keinen Rückzugsort verfügte. Man traf sich im Jugendkeller «Halde 99» im alten Schulhaus, dem heutigen Kindergarten der Schuleinheit Rebberg. Der Initiative einiger Realschüler sei es zu verdanken gewesen, heisst es in der Gemeindechronik «Halt auf Verlangen Ober-Engstringen», dass das «Juhuu», oder eben «JZ» im Salzkeller des alten Schulhauses entstehen konnte, bevor dann das Jugendhaus in der ehemaligen Metzgerei bezogen wurde.

«Eine super happy Zyt»

«Ich erinnere mich noch gut an die Anfangsjahre», sagt René Beck, der oft im Jugendhaus war und heute Gemeinderat von Oberengstringen ist. «Ich habe mitgeholfen, die Sanitärleitungen zu verlegen.» Lachend fügt er an, wie froh er gewesen sei zu hören, dass der Wasserschaden nicht wegen seinen Leitungen passiert ist.

«Wir richteten damals im Keller eine Dunkelkammer ein», erinnert er sich, «und haben selber Hand angelegt.» Es sei eine «super happy Zyt» gewesen, die Töfflis vor dem Treff seien ihr Kennzeichen gewesen. Oft sei man dann nach Mitternacht damit auf die nächste Party geknattert. «Das Jugendhaus war einfach der Treff, um seine Freunde zu sehen.»

Das sagt auch Roger Kraatz, Besucher des «JZ» in den 1980er-Jahren. «Pumpenvoll war es jeweils am Samstagabend», erinnert er sich. Viele seiner damaligen Clique seien heute wieder nach Oberengstringen gezogen, oder nach Unterengstringen und Weiningen. Er findet, die Jungen von heute sitzen zu viel vor den Videogames. «Wir aber haben noch richtig Quatsch gemacht.»

Am Flughafen Rollstühle geklaut und im Parkhaus damit rumgefahren -– oder den ersten Jugendhausleiter geärgert. Der habe früher im oberen Stock des Jugendhauses gewohnt. «Wir haben ihn selten zu Gesicht bekommen», so Kraatz, «aber wir haben sein Auto an die Strassenlaterne gebunden oder auf die Kreuzung gestellt.»

Auch Sandra Jenny, heutige Leiterin der Jugendarbeit, erinnert sich an den ersten Jugendleiter. «Er war ein Armer um uns herum», sagt sie. Er sei manchmal auch angepöbelt worden. Heute sei dieses Verhalten seitens der Jugendlichen undenkbar. «Es gibt für die Jungen viel mehr Regeln und Konsequenzen.»

Die Jugendlichen führten das Jugendhaus heute selbstständig, in Eigenverantwortung und gegen Bezahlung. Das funktioniere tadellos. Auch der Zivildienstler, der 19-jährige Nicola Canziani, der als dritte Person für die Jugendarbeit in Oberengstringen tätig ist, bestätigt: «Ich finde die Jungen von heute sehr anständig und leistungsoriertiert, fast ein bisschen brav.»

Verändert haben sich nicht nur die Jungen, sondern auch die Jugendarbeit, insbesondere in den vergangene 15 Jahren. Sandra Jenny: «Heute steht nicht mehr das Jugendhaus im Zentrum, sondern die Jugendarbeit und die Förderung.»

Dies zeigt sich auch am Jugendinfo-Zimmer über der Bibliothek: Hier können Junge von Mittwoch bis Freitag ohne Voranmeldung vorbeikommen und erhalten Hilfe bei der Lebensbewältigung oder der Berufswahl. Auch steht ihnen ein PC mit Drucker gratis zur Verfügung. Die aufsuchende Jugendarbeit sowie die Teilnahme an Schullagern sorgt schliesslich dafür, dass die Jungen die Jugendarbeiter auch persönlich kennenlernen.

DJ Energy ist im Jugendzentrum gross geworden

Die Karriere des national bekannten DJs Energy begann 1987 in einem Jugendhaus, hiess es im «Blick» an seinem Todestag im August 2011. Mit diesem Jugendhaus war Oberengstringen gemeint. Hier legte Roger Beglinger – so lautete sein bürgerlicher Name – bereits als 13-Jähriger auf.

Von hier aus wurde er national als Trance DJ bekannt. Er war es, der diesen Musikstil in die Schweiz gebracht hatte – doch mit nur 37 Jahren war er plötzlich tot. Die Nation war geschockt. Denn am Tag zuvor hatte er noch als DJ für die 20. Zürcher Street Parade aufgelegt, zur After-Party «Energy» schaffte er es aber nicht mehr.

Bis dahin hielt er als einziger DJ den Rekord, an jeder «Energy» aufgelegt zu haben. Über ein halbes Jahr nach seinem plötzlichen Tod lag dann der Obduktionsbericht vor. Schuld an DJs Energy Tod waren weder Drogen noch Alkohol. Er starb an einem Medikamenten-Cocktail.

Schon länger hatte er sich körperlich angeschlagen gefühlt, insbesondere nach einem Sturz, bei dem er sich an der Schulter verletzt hatte. Die Medikamente nahm der Techno-DJ zur Schmerzlinderung ein. Ob die Einnahme akzidentiell oder suizidal zum Tode geführt hatte, lässt sich nicht abschliessend beurteilen, hiess es im zwölfseitigen Obduktionsbericht.

Karin Mourouzidis, die damals regelmässig im Oberengstringer Jugendhaus ein- und ausging, erinnert sich an ihren früheren Schulschatz: «Er war ein bescheidener Typ – das wurde ihm vielleicht später zum Verhängnis. Es hat mich später berührt zu erfahren, dass so viel Potenzial in ihm steckte. Es machte mich stolz, dass er ein Megastar wurde.»

Roger Kraatz, ein ehemaliger Freund aus den 1980er-Jahren im Jugendhaus, bestätigt, dass Roger Beglinger ein eher ruhiger Typ war. «Definitiv kein Draufgänger» sagt er, «aber mixen konnte er.»

Auch der heutigen Jugendbeauftragten Sandra Jenny ist der spätere DJ Energy noch präsent: «Ich hatte ihn angefragt, ob er für einen DJ-Workshop nach Oberengstringen zurückkommen würde.» Er sei begeistert gewesen und habe dem Heimatdorf etwas zurückgeben wollen. «So weit ist es aber leider nicht mehr gekommen.»