Dietikon

Der tiefe Fall des Schwimmlehrers, der auch ein Bordell betrieb

Im Haupberuf Schwimmlehrer, im Nebenjob Sex-Unternehmer. Jetzt steht der Mann wegen letzterer Tätigkeit vor Gericht.

Im Haupberuf Schwimmlehrer, im Nebenjob Sex-Unternehmer. Jetzt steht der Mann wegen letzterer Tätigkeit vor Gericht.

Ein Schwimmlehrer aus Baden sorgte 2009 landesweit für Schlagzeilen als bekannt wurde, dass er auch ein Bordell betrieb. Nun steht der Mann in Dietikon vor Gericht. Angeklagt ist er wegen sexueller Ausbeutung. Der Gericht fordert 18 Monate bedingt.

Noch vor wenigen Jahren galt der Beschuldigte als erfolgreicher Schweizer Unternehmer. Laut Staatsanwalt besass der verheiratete Familienvater ein Haus, ein teures Auto und betrieb im Bereich des Wassersports eine eigene Sportschule bei Baden, die von bis zu 400 Schülern besucht wurde.

Zudem war er auch in der Erotikbranche aktiv. So betrieb er in Dietikon ein Studio, das regelmässig Gruppensex-Partys anbot. Zudem stellte er auch eigene Pornofilme her. 2009 kam sein Nebenerwerb ans Tageslicht. Die Stadt Baden duldet ihn darauf nicht mehr im Hallenbad und die Schule Ehrendingen beendete die Zusammenarbeit mit dem «Puff-Schwimmlehrer».

Leben von der Sozialhilfe

Seit Dienstag steht der Mittvierziger vor dem Bezirksgericht Dietikon. Die aktuelle Bilanz fiel niederschmetternd aus. So hat er inzwischen Haus, die Ehefrau und seinen Job als Sportlehrer verloren. Mit der Folge, dass er heute grösstenteils von der Sozialhilfe lebt. Zudem muss er wegen Förderung der Prostitution, mehrfacher Nötigung, Drohung und Tätlichkeiten mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten rechnen. Nicht zuletzt läuft gegen ihn wegen Verdachts auf Fürsorgebetrug bereits ein neues Strafverfahren.

«Man hat mir das Leben zerstört», beklagte er seinen tiefen Fall vor den Schranken. Für den Absturz war ausgerechnet eine von ihm ehemals bevorzugte Angestellte verantwortlich. Er hatte die aus Südamerika stammende Prostituierte im Herbst 2007 in seinem Erotikstudio zu seiner stellvertretenden Geschäftsführerin befördert. Es entstand dabei eine fatale Liebesbeziehung, wobei die Frau auch ein gemeinsames Kind auf die Welt brachte.

Massiv belastet

Im Frühjahr 2009 kam es aber zum folgenschweren Bruch. Die Geschäftsführerin meldete sich bei der Polizei und richtete schwere Vorwürfe gegen ihren Arbeitgeber. Sie berichtete von Ausbeutung, Drohungen und gewalttätigen Übergriffen. In einem Fall habe er sie gar im schwangeren Zustand mit beiden Händen am Hals gepackt und gewürgt.

Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis leitete eine Strafuntersuchung gegen den Bordellbetreiber ein. Er wurde am 26. März 2009 von der Polizei festgenommen und verschwand für mehrere Wochen in Untersuchungshaft. Von Anfang an wies er die Vorwürfe der Geschädigten vehement zurück und machte einen Racheakt geltend. Auch am Dienstag vor Gericht.

Dieses unterzog zunächst die Geschädigte einer Befragung. In Abwesenheit des Beschuldigten, der von einem Nebenzimmer aus den Auftritt seiner Ex-Angestellten per Kamera mitverfolgen konnte. Die Lateinamerikanerin hinterliess einen zwiespältigen Eindruck. So brach sie am Anfang in Tränen aus, fing sich aber bald wieder und wirkte mit der Zeit auffallend selbstsicher. Sie belastete den Beschuldigten erneut massiv und warf ihm vor, dass er sie gegen ihren Willen zu Gruppensex gezwungen habe. Er habe sie immer wieder unter Druck gesetzt, führte sie aus.

Entlastungszeugin angeboten

Von diesem Standpunkt ging auch der zuständige Staatsanwalt aus. Er sprach von einer glaubhaften Leidensgeschichte der Geschädigten. Im Gegensatz zum Verteidiger, der einen vollen Freispruch forderte. Er bot auch eine Entlastungszeugin aus Deutschland an. Diese habe ebenfalls im fraglichen Club gearbeitet und die Darstellungen der Geschädigten als Lügen und Rachehandlungen eingestuft, plädierte der Anwalt.

Laut Bezirksgericht Dietikon wird der Prozess am Donnerstag fortgesetzt. Es ist noch unklar, ob der Fall dann bereits spruchreif ist.

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