Es kann als ein Akt der Befreiung gesehen werden. Dietikon will für das kommende Jahr den Kanton nicht mehr um einen individuellen Sonderlastenausgleich ersuchen. Damit ist sie nicht mehr gezwungen, ihren Steuerfuss von derzeit 129 Prozent schon wieder – wenn auch nur minimal um ein Prozent – zu erhöhen. Ausgleichszahlungen sind nämlich an den Maximalsteuerfuss gekoppelt. «Wir wollen ein anderes Signal geben, als schon wieder die Steuern zu erhöhen», sagte der Dietiker Finanzvorstand Rolf Schaeren (CVP), als er gestern das Budget 2017 der Presse vorstellte. Sollten sich die Zahlen im Verlaufe des Jahres 2017 verschlechtern, kann die Stadt auch später noch den Sonderlastenausgleich beantragen, was dann allerdings im Jahr 2018 den gefürchteten höheren Steuerfuss nach sich zöge.

4,2 Millionen Franken fehlen

Einem Gesamtaufwand von 225,1 Millionen steht ein Ertrag von 220,9 Millionen gegenüber, was einen Aufwandüberschuss von 4,2 Millionen Franken ergibt. Der zu erwartende Bruttoüberschuss (Cashflow) beträgt 7,2 Millionen Franken, die Nettoinvestitionen werden demgegenüber mit 17,3 Millionen Franken budgetiert. Folglich müssen 10 Millionen Franken zur Deckung aufgenommen werden. Dabei schlagen beim Personalaufwand der Stadtverwaltung eine Million und beim Personalaufwand für die Schule zwei Millionen mehr im Vergleich zu 2016 zu Buche, eine Folge des Bevölkerungswachstums und der steigenden Schülerzahlen. Mit Blick auf die Nettoschuld pro Einwohner von unter 1000 Franken sei das vertretbar, meinte Schaeren, auch im Hinblick auf die gegenwärtige Zinslage. Von den 17,3 Millionen entfallen 2,3 Millionen Franken auf die Gemeindebetriebe.

Zur Höhe des Aufwandüberschusses sagte Schaeren, dass die Stadt sich das leisten könne. Man könnte den Überschuss sogar ein zweites oder drittes Mal in Kauf nehmen, ohne dass es «dramatisch» würde, so seine Einschätzung. Unter fünf Millionen hatte sich die Stadt für das Defizit als Grenze gesetzt. Das habe man erreicht, so Schaeren. «Realistisch optimistisch» nannte er das Budget 2017. Der Stadtrat ist überzeugt, dass «das zu schaffen ist, schliesslich sind wir in den vergangenen Jahren etwa bei den Steuereinnahmen immer positiv von der Realität überrascht worden». So können die budgetierten Steuererträge im Jahr 2016 voraussichtlich gut erreicht werden. Für das Budgetjahr 2017 wird davon ausgegangen, dass aufgrund steigender Einwohnerzahlen ein Ertrag von etwa 65 Millionen Franken erzielt werden kann, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 10 Millionen Franken. Während sich die Steuerkraft im kantonalen Mittel auf 3541 Franken erhöht hat, steigt die Steuerkraft in Dietikon nur leicht auf 2271 Franken. Entsprechend fällt der Ressourcenausgleich, den Gemeinden mit unterdurchschnittlicher Steuerkraft erhalten, für 2017 mit 36 Millionen Franken (2016 33,7 Millionen) höher aus.

Die Entwicklung des Nettoaufwands 2010-2017, in Mio Franken

Die Entwicklung des Nettoaufwands 2010-2017, in Mio Franken

Bildung erreicht 50 Millionen

Ein Blick auf die grössten Positionen (siehe Grafik) zeigt, dass die Herausforderungen, vor denen die Stadt steht, auf absehbare Zeit nicht kleiner werden. Das betrifft vor allem die Bildung, nach wie vor der grösste Brocken im Haushalt, was der stetig steigenden Schülerzahl und den allfälligen Investitionen in der Schulraumplanung geschuldet ist. Für 2017 erwartet die Stadt, dass der Nettoaufwand in diesem Bereich erstmals die 50-Millionen-Marke erreichen wird. Bei der zweitgrössten Position, der sozialen Wohlfahrt, ist allerdings ein Lichtstreif am Horizont zu erkennen. Hier erwartet man um 2,2 Millionen Franken geringere Ausgaben.

Die Gemeindebetriebe finanzieren sich weitgehend selbst. Verluste, die beim Wasserwerk, bei der Gasversorgung und der Abfallbeseitigung auftreten, will man nicht durch Gebührensteigerungen abfangen, sondern das in den vergangenen Jahren angesparte Eigenkapital abbauen. Bei der Abwasserbeseitigung allerdings müssen sich die Dietiker im nächsten Jahr auf höhere Gebühren gefasst machen. Die Erhöhung sei unumgänglich, so Schaeren. Erfreulich: Bei den Alterswohnungen kommt die Stadt langsam in die Gewinnzone.

Bezüglich der Finanzpolitik des Stadtrates betonte Schaeren, dass man nach wie vor grosse Hoffnung in die Allianzen mit anderen Gemeinden, die ähnlich wie Dietikon stark von der Entwicklung der Sozialkosten betroffen sind, setzt. Unter Dietikons Federführung wollen Schlieren, Affoltern am Albis, Embrach, Bülach und Wädenswil darum kämpfen, dass man ihre finanziellen Herausforderungen nicht nur zur Kenntnis nimmt, sondern auch zu konstruktiven Lösungen kommt.

Im Dezember kommt das Budget in den Gemeinderat. Finanzvorstand Schaeren hofft, dass dieser nicht zu einem «Streichkonzert» anhebt.