Bildung
Der Startschuss für zwei neuartige elektrogetriebene Rennwagen fällt in Dietikon

ETH-Studenten präsentieren auf dem Gelände der EKZ ihre elektrogetriebenen Rennwagen.

Gabriele Heigl
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Elektrowagen
12 Bilder
 Die Studententeams der ETH bauen seit 2006 Rennwagen-Prototypen.
 Der "Flüela"-Prototyp kommt sogar ganz ohne Fahrer aus.
 Beim Rennen auf der Hockenheim-Strecke
 Jedes Jahr wird ein neues Modell entwickelt und erarbeitet.
 Auch das Rennverhalten ist wichtig.
 Das aktuelle Modell "Pilatus" wird montiert.
 Die Studenten sind stolz auf ihre "Pilatus"-Arbeit.
 Zwei Studenten beim Laminieren der Fahrerzelle
 Die Negativform des "Pilatus"
 Projektleiter Leiv Andresen (vorne links) und sein Team bei der Anlieferung der Wagen in Dietikon
 Leiv Andresen (links) und Andreas Horat fahren die Autos auch selbst.

Elektrowagen

Zur Verfügung gestellt

Wenn man sie sieht, hat man bereits den Geruch von Abgasen in der Nase und den Lärm röhrender Motoren in den Ohren. Doch damit tut man diesen Boliden, die derzeit in einer Halle der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) in Dietikon eingestellt sind, unrecht. Denn unter ihren Chassis’ befinden sich leise, emissionsfreie Elektromotoren. Vom Äusseren her unterscheiden sie sich aber in fast nichts von ihren Kollegen mit den Verbrennungsmotoren: Heckflügel, Monocoque-Fahrerzelle, Slicks und ringsum jede Menge Sponsoren-Aufkleber: ETH, Ruag, BMW, Thyssen-Krupp, Sauter Bachmann, Bombardier.

Auch die EKZ sind darunter. «Die EKZ sind unser Hauptsponsor. Daher freuen wir uns besonders, dass die exklusive Präsentation für unsere Sponsoren am EKZ-Standort Dietikon stattfindet. Hier finden wir die optimale Lokalität vor, um im Bereich zukunftsträchtiger Mobilität ein Zeichen zu setzen», meint Leiv Andresen. Der 25-jährige Stadtzürcher Student ist CEO des Akademischen Motorsportvereins Zürich (AMZ) und in dieser Funktion Leiter eines besonderen Projekts von Maschinenbau- und Elektrotechnik-Studenten der ETH Zürich und der Hochschule Luzern. Etwa 50 Studenten, darunter auch drei Frauen, entwickelten und bauten in sechs Monaten zwei Prototypen für verschiedene «Formula Student»-Wettbewerbe in Europa.

Nicht der Schnellste gewinnt

Der AMZ wurde 2006 von Studenten der ETH Zürich gegründet. Nach drei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren werden seit 2010 rein elektrisch angetriebene Rennwagen gebaut. Und auch der nächste Schritt ist schon getan: Unter den Modellen, die den Sponsoren in Dietikon präsentiert werden, ist das erste autonome Rennfahrzeug der Schweiz.

Etwa ein halbes Jahr arbeiten die Studenten an den Fahrzeugen. Jeweils von Anfang September bis Ende Dezember werden sie entwickelt, von Anfang Januar bis Anfang Mai gefertigt und montiert und danach bis September getestet und an Rennen eingesetzt. Wobei Rennen nicht ganz korrekt ist.

Bei der «Formula Student» handelt es sich nämlich um den weltweit grössten Wettbewerb für Ingenieure, der jährlich an verschiedenen Orten auf der Welt ausgetragen wird; mittlerweile treten über 600 Teams verschiedener Universitäten weltweit mit ihren selbst konstruierten Boliden an. Dabei gewinnt nicht zwangsläufig das Team mit dem schnellsten Auto, sondern dasjenige mit dem besten Gesamtpaket aus solider Konstruktion, guter Rennperformance, sorgfältiger Finanzplanung und überzeugenden Verkaufsargumenten.

Bei den Events müssen die Ingenieure ihr Fahrzeug und den gesamten Entwicklungsprozess Juroren aus Wirtschaft, Automobilindustrie und renommierten Rennserien wie der Formel 1 präsentieren und ihr Vorgehen überzeugend begründen. Ziel es ist, den Ingenieurnachwuchs für die Zukunftstechnologie der elektrischen Antriebe zu rüsten und den Innovationsprozess vor allem auch im Bereich autonomes Fahren voranzutreiben. «Hier wird der Schwerpunkt auf ökologische Gesichtspunkte gelegt, ohne dabei dem Anreiz der Sportlichkeit zu widersprechen», so der Student Urs Steiner vom Drivetrain-Team. Bemerkenswert sei es, dass die schnellsten Elektrofahrzeuge bereits auf Augenhöhe mit den besten Verbrennern sind. Auf Anhieb sei es gelungen, sich in der neu gegründeten Elektroklasse unter den Top-Teams zu etablieren.

Ohne Fahrer auf die Rennstrecke

«Das Projekt bietet die Gelegenheit, im Studium gelerntes Wissen praktisch anzuwenden», so Steiner. Das Team hat sich hohe Ziele gesteckt: Im Schnitt sollen an allen Events mindestens 900 der maximal 1000 Punkte erreicht werden. Die Ambition der angehenden Ingenieure geht sogar noch weiter: Sie wollen die Spitze der Weltrangliste erreichen. Dabei soll es das neue Modell «Pilatus» richten, um dessen Präsentation es in Dietikon geht.

In einer Medienmitteilung über das Sponsoren-Event heisst es: «Mit den Erkenntnissen aus zehn Jahren ‹Formula Student› haben wir wiederum Konzepte entwickelt, welche es in dieser Form im Rennsport noch nie gegeben hat. Wir freuen uns darauf, mit ‹Pilatus› im Sommer in Ungarn, Österreich, Deutschland und Spanien gegen die internationale Konkurrenz anzutreten.» Mindestens genauso viele Hoffnungen setzt der AMZ auf den anderen Prototypen mit dem Namen «Flüela», den ersten «Formula Student»-Rennwagen ohne Fahrer am Lenkrad. Nach der Präsentation in Dietikon wird er in Deutschland gegen 14 «driverless»-Rennwagen auf die Strecke gehen.