Dietikon

Der Stadtrat will sich ökologische Ziele nicht vorschreiben lassen

Laut Initiative soll der CO -Ausstoss pro Kopf und Jahr auf eine Tonne reduziert werden. Rolf Jenni

Laut Initiative soll der CO -Ausstoss pro Kopf und Jahr auf eine Tonne reduziert werden. Rolf Jenni

Auf die im Januar 2010 eingereichte Volksinitiative «Umweltschutz konkret» reagiert der Stadtrat mit einem Gegenvorschlag. Messbaren ökologischen Zielen will er sich nur im Rahmen des Energiestadt-Labels verpflichten.

Vom Initiativtext ist bloss noch ein Abschnitt übrig geblieben, mit dem der Stadtrat die Dietiker Gemeindeordnung ergänzen will: «Die Gemeinde ist einer ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltigen Entwicklung verpflichtet. Sie orientiert sich im Rahmen ihrer Zuständigkeit am langfristigen Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft und setzt sich für die Förderung der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energiequellen ein.»

Verbesserter Energiebenchmark

Mit diesem Gegenvorschlag reagiert der Dietiker Stadtrat auf die am 18. Januar 2010 eingereichte und von 579 Personen unterzeichnete Volksinitiative «Umweltschutz konkret», die von der Dietiker EVP und den Grünen lanciert wurde. Das ursprüngliche Begehren des Initiativkomitees ging jedoch einiges weiter: Nebst einer generellen Verpflichtung der Gemeinde zu einem «schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen» hätte dieses vorgesehen, die Stadt in der Gemeindeordnung auch zu messbaren ökologischen Zielen zu verpflichten. Nebst der Reduktion des Energieverbrauchs auf 2000 Watt Dauerleistung pro Einwohner hätte dazu auch eine Reduktion des CO-Ausstosses auf eine Tonne pro Einwohner und Einwohnerin und Jahr gehört.

Um dieses ambitiöse Ziel zu erreichen, schlugen die Initianten der Stadt ein schrittweises Vorgehen vor: Bis ins Jahr 2030 soll der CO-Ausstoss auf vier Tonnen pro Einwohner gesenkt werden, bis im Jahr 2050 dann auf eine Tonne.

Benchmark wurde verbessert

In seiner Begründung zum Gegenvorschlag schreibt der Stadtrat, dass sich Dietikon bereits seit längerer Zeit einer ökologisch nachhaltigen Entwicklung verpflichte und in diesem Bereich seit der Zertifizierung zur Energiestadt im Jahr 2003 entsprechend gut beurteilt werde. So habe man sich in der Bewertung als Energiestadt von 2003 bis 2007 von einem Energiebenchmark von 56 Prozent auf 64 Prozent verbessert.

Dies sei unter anderem auf die Erarbeitung der kommunalen Energieplanung und deren konsequente Umsetzung zurückzuführen. Die Integration energetischer Verbesserungen in die ordentlichen Arbeitsabläufe, so der Stadtrat, sei gut gelungen. «Gezielte Projektentwicklungen, die über die ordentlichen Anstrengungen hinausgehen, sind aber mit den heutigen Ressourcen nicht zu realisieren», heisst es im Antrag des Stadtrats weiter.

Reduktion auf 3500 Watt pro Kopf

Dass sich der Stadtrat in der Gemeindeordnung nicht auf konkrete ökologische Ziele festlegen will, erklärt er mit der dieses Jahr anstehenden Rezertifizierung für das Energiestadt-Label. In diesem Rahmen werde man seine zukünftigen Energie-Aktivitäten verstärkt auf «quantifizierbare Zielsetzungen» ausrichten. So werde eine Bestandesaufnahme gemacht, um eine umfassende Übersicht über den Stand der Dinge zu gewinnen.

Eine Energiebilanz solle dann «die Ausgangslage für die zu formulierenden Zielsetzungen in quantitativer Hinsicht» definieren. Bis im Jahr 2015 wolle man ausserdem «Energiestadt Gold» werden, was eine Verbesserung des Energiestadt-Benchmarks auf 75 Prozent voraussetzen würde. Das Programm Energiestadt, so der Stadtrat, habe die «etwas theoretisch anmutenden Ziele» der 2000-Watt-Gesellschaft konkretisiert und sei daher besser umsetzbar. Jedoch würde bis ins Jahr 2050 erst eine Reduktion auf 3500 Watt pro Kopf erreicht.

Samuel Spahn (Grüne), Präsident des Initiativkomitees, wollte sich zum Gegenvorschlag des Stadtrates noch nicht äussern. Das Komitee treffe sich am 10. März, um das weitere Vorgehen zu besprechen, so Spahn.

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