Schlieren

Der Stadtrat will sechs Stellen streichen und damit rund 300 000 Franken sparen

Schlieren könnte rund 300 000 Franken sparen. (Archiv)

Schlieren könnte rund 300 000 Franken sparen. (Archiv)

Mit der Auslagerung des Bereichs Zusatzleistungen an die SVA würde die Stadt nur noch 400 000 Franken für die Personalkosten ausgeben. Die Mitarbeiter monieren jedoch, dass dieser Schritt auch Nachteile hat.

Nun ist offiziell, was bereits vergangene Woche hinter vorgehaltener Hand für Gesprächsstoff sorgte. Der Schlieremer Stadtrat will den Bereich Zusatzleistungen aus der Stadtverwaltung auslagern und die über 600 Fälle von AHV- und IV-Bezügern an die Zürcher Sozialversicherungsanstalt (SVA) abtreten. Dies schreibt er in seinem jüngst veröffentlichten Beschluss. Dadurch erziele man Einsparungen von jährlich rund 300 000 Franken. Die aktuell sechs Angestellten würden ab kommendem Jahr rund 700000 Franken kosten, eine Bearbeitung durch die SVA nur gut 400000 Franken. Noch im Juli beschloss er eine Erhöhung der Stellenprozente in der Sozialabteilung sowie grosse Umstrukturierungen. Wie kam es dazu? Sozialvorsteher Christian Meier (SVP) sagt, dass dieser Kurswechsel mit dem Timing zu tun gehabt habe. «Als wir die Aufstockung beschlossen, lag die SVA-Offerte noch nicht vor. Dass diese so attraktiv ist, hat uns auch ein wenig überrascht. Nach sorgfältiger Prüfung entschieden wir uns für die Auslagerung.»

Laut Kanton hat es zu wenig Personal in der Abteilung

Neben dem Sparpotenzial, das eine Auslagerung mit sich bringt, argumentiert der Stadtrat in seinem Beschluss auch mit einer Erhöhung der Qualität der Arbeit. So habe das kantonale Sozialamt in seinem letzten Prüfbericht die Schlieremer Personalressourcen als knapp bemessen eingestuft. Damit seien Risiken verbunden wie mangelhafte Zuverlässigkeit, das Nichterkennen von Missbräuchen und Vermögensverluste, schreibt der Stadtrat.

Anders sehen dies die Angestellten des Bereichs Zusatzleistungen. Sie vermuten, dass durch die Auslagerung Verluste eingefahren werden. So sei lediglich mit den Personalkosten und nicht mit den Fallkosten gerechnet worden, was das Gesamtbild verzerren könnte, sagt eine anonyme Quelle. «Wir Fachleute in Schlieren bringen Rückerstattungen zurück in die Stadtkasse, die bei der SVA wohl untergehen würden.» Sozialvorsteher Meier widerspricht: «Wir haben aktuell sehr kompetente Mitarbeitende und werden bei der SVA auch künftig sehr kompetent sein.» Wer heute seine Zusatzleistungen erhalte, werde dies künftig auch tun. «Die SVA sorgt bei 87 Gemeinden für den Bereich Zusatzleistungen und ich habe noch nie etwas Negatives über ihre Arbeit gehört.»

Mit einer 60-Prozent-Stelle im Stadthaus würden noch Aufgaben wie die Abgabe von Formularen und Merkblättern, die Entgegennahme von Anmeldungen und allgemeine Informationspflichten wahrgenommen. Die restlichen Aufgaben werden direkt von SVA-Mitarbeitenden in Zürich übernommen. «Uns ist es ein grosses Anliegen, ein kundenfreundliches Angebot für die Bezügerinnen und Bezüger bereitzustellen. Wer nicht nach Zürich reisen will, wird von der Fachperson der Stadt Schlieren vor Ort beraten», hält Meier fest. Die sechs Angestellten, die bei einer Auslagerung ihre Stelle verlieren würden, sind zerknirscht und vermuten auch bei der Berechnung der Kosten, die dem Stadtratsbeschluss enthalten sind, Fehler. So wurde man etwa bei den mit knapp 110 00 Franken bezifferten Kosten für Büroräume und EDV stutzig. Büromöbel seien längst abgeschrieben und die Räume im Stadthaus würden bei einer Auslagerung von anderen Angestellten der Stadt genutzt. Meier sagt dazu, dass man bei diesem Budgetposten von einem normalen Ansatz ausgegangen sei. «Wir haben die Zahlen keineswegs beschönigt», sagt er.

Ob es tatsächlich zu einer Auslagerung kommt, entscheidet das Gemeindeparlament. Wann das Geschäft im Rat behandelt wird, steht noch nicht fest. Die Übernahme der Fälle ist jedoch für den 1. Juli des kommenden Jahres vorgesehen.

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