Die Limeco treibt den Ausbau ihres Fernwärmenetzes voran. Diese Investitionen wären selbst dann nicht verloren, wenn sich die Pläne für den Bau einer neuen Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) zerschlagen sollten. Dies geht aus einer Antwort des Dietiker Stadtrates auf eine Interpellation hervor.

AL-Gemeinderat Ernst Joss hatte darin zahlreiche kritische Fragen rund um den Ausbau des Limeco-Fernwärmenetzes gestellt. Denn: Unter anderem sei ja noch nicht einmal über den «Ersatz der in die Jahre gekommenen KVA» entschieden worden, bemängelte er.

Ohne Neubau müsste die Anlage um das Jahr 2035 ausser Betrieb genommen werden: In diesem Fall könnte sich die Limeco für ihr Fernwärmenetz zwar nicht mehr der Abwärme der Abfall-Verbrennung bedienen, bestätigt der Stadtrat. Sie würde in diesem Fall aber «alternative Wärmeerzeugungskonzepte» anwenden können. Denkbar sei eine Nutzung der Wärme des Grundwassers oder von Oberflächengewässern mittels Wärmepumpe oder Gaskesselfeuerung.

Für Ernst Joss fällt diese Antwort unbefriedigend aus. Er glaubt nicht, dass am Ende wirklich eine Alternative gesucht wird: «So werden doch Sachzwänge geschaffen.» Am Ende heisse es dann, dass wegen der aufgebauten Infrastruktur gar nichts anderes übrig bleibe, als die neue KVA-Anlage auf dem neben der Limeco gekauften Grundstück zu erstellen. «Andere Optionen, die allenfalls sinnvoller wären, werden gar nicht mehr geprüft.»

Die Frage der Wirtschaftlichkeit

Joss befürchtet weiter, dass die Limeco mit ihrer unter dem Namen Regiowärme vertriebenen Fernwärme die Dietiker Gasversorgung konkurrenziere. Als Beispiel nennt er auf Anfrage den Umstand, dass der Regiowärme-Ausbau auch in Gebieten erfolge, in denen zuvor noch intensiv für das kommunale Gasnetz geworben worden sei.

Der Stadtrat sieht dafür keine Anhaltspunkte: «Zwischen der Gasversorgung und der Limeco wurde die Grenze zwischen dem Fernwärmegebiet und dem Gasgebiet westlich der Reppisch parzellenscharf ausgehandelt und festgelegt», schreibt der Stadtrat. Dies mit dem Ziel, «die Konkurrenzierung zwischen den beiden Energienetzen zu minimieren».

Ein Fragezeichen setzte Joss in seiner Interpellation auch hinter die Wirtschaftlichkeit des Fernwärmenetzes. Der Stadtrat verweist in seiner Antwort nun darauf, dass beim Schulhaus Fondli und beim Schwimmbad Fondli drei Optionen miteinander verglichen wurden: der Anschluss an die Fernwärme, der Einbau einer Gasheizung und der Ersatz der Ölheizung.

Dabei wurden die Investitions-, Betriebs- und Unterhaltskosten sowie die Energiepreise und externe Kosten berücksichtigt. Es zeigte sich, dass das Angebot der Limeco sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch attraktiv sei, führt der Stadtrat in der Interpellations-Antwort aus. Seit Herbst 2018 sind deshalb Schulhaus und Schwimmbad an die Regiowärme angeschlossen. «Der Anschluss weiterer städtischer Bauten wird geprüft.»

Die Limeco hat gemäss Stadtrat das Fernwärmepotenzial für das Gebiet vom Spital Limmattal bis Spreitenbach grundsätzlich abklären lassen. «Die diesbezüglichen Studien ergaben neben einem ökologischen Nutzungspotenzial auch positive wirtschaftliche Aspekte.» Die Regiowärme sei selbsttragend, die Investitionen seien nach rund 20 Jahren amortisiert.

Die Limeco könne auch nicht in eine finanzielle Schieflage geraten, glaubt der Stadtrat – und verneint damit eine weitere von Joss aufgeworfene Frage. Sollten sich die Erträge nicht wie erwartet entwickeln, bestünden genügend Möglichkeiten, um notwendige Korrekturmassnahmen einzuleiten. «Zudem verfügt die Limeco über beträchtliche Aktiven, die einen Totalausfall und die damit verbundene Beanspruchung der Solidarbürgschaften der Trägergemeinden praktisch ausschliessen.»

Eine Frage der Strukturen

In seiner Interpellation hatte Joss schliesslich kritisiert, dass die Trägergemeinden kaum mehr demokratisch mitbestimmen könnten. Der Stadtrat verweist auf einen Volksentscheid: 2009 sei mit einer grossen Mehrheit entschieden worden, dass die Limeco nicht mehr als Zweckverband, sondern als interkommunale Anstalt geführt wird. Damit erhielt sie mehr Spielraum, um im zunehmend anspruchsvollen Marktumfeld reaktionsfähiger zu sein.

Doch verlor das Stimmvolk so auch den Grossteil seiner demokratischen Mitbestimmung. «Die Limeco versucht die Bevölkerung mit Veranstaltungen und Schreiben regelmässig zu informieren», hält der Stadtrat fest. Zudem stehe Dietikon als Standortgemeinde ein Verwaltungsratssitz zu.

Für Joss ist dies zu wenig: Am liebsten würde er die Strukturen ändern, damit Parlament und Einwohner wieder mitreden könnten. Er hofft, mit der Interpellation das Thema auf die politische Agenda setzen zu können. Denn mit der Interpellationsantwort ist er grundsätzlich unzufrieden: «Ich bleibe skeptisch», sagt er.